Studenten ohne Eltern Stell dir vor, es ist Uni, und du bist ganz allein

Von Hannah König

3. Teil: Sascha, 28 - "Der elterliche Rückhalt fehlt"


Francisco Vogel

Mit 14 Jahren hat Sascha es zu Hause nicht mehr ausgehalten. Seine Mutter war bei seiner Geburt erst 19, danach bekam sie noch drei Kinder und war damit völlig überfordert. Sascha durfte deshalb in eine Wohngruppe ziehen. Dort und in der Schule bekam er die Unterstützung, die er brauchte. Dieses Jahr schließt der 28-Jährige in Tübingen sein Biologie- und Chemiestudium ab.

"Als Care Leaver zu studieren ist schwierig, weil einem der elterliche Rückhalt fehlt - finanziell aber auch emotional. Ich hatte Glück: Meine Erzieher und meine Grundschullehrerin haben sich sehr für mich eingesetzt. Deshalb war ich von Anfang an auf dem Gymnasium. Weil viele meiner Freunde studieren wollten, war für mich klar, dass ich das auch mache. Aber ich hatte immer Bammel, dass ich es nicht schaffen könnte.

Das größte Thema war die Finanzierung. Bafög hilft zwar sehr, aber das allein reicht nicht. Man merkt einfach ständig, dass man keine Rücklagen hat. Deshalb habe ich immer nebenher gearbeitet. Aber auch ganz banale Dinge können zum Problem werden. Beim Umzug aus meiner alten Wohnung in die Studienstadt wusste ich zum Beispiel nicht, wo ich meine Waschmaschine unterstellen soll.

Am Anfang habe ich mich gefühlt, als wäre ich kein vollwertiger Student. Ich war immer sehr gestresst und dachte 'Um Gottes Willen, ich überleb das erste Semester nicht'. Ich musste erst vier Jahre studieren, bevor ich richtig angekommen bin.

Ich glaube, uns fehlt einfach ein Gefühl der Grundsicherheit. Deshalb ist es ganz wichtig, dass man nicht völlig allein dasteht, vor allem in Krisenzeiten. Ich hatte immer meine Ersatzfamilie, ein Netzwerk an Leuten, die mich unterstützt haben. Aber auch das Projekt in Hildesheim kann helfen. Es tut einfach gut, andere zu treffen, die in einer ähnlichen Situation sind."



insgesamt 109 Beiträge
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tailspin 08.05.2013
1. Haertere Auslese
Das glaube ich unbesehen, dass es schwieriger ist, ohne elterlichen Rueckhalt zu studieren. Diejenigen, die es dennoch schaffen, duerften allerdings einen Startvorteil im Beruf haben. 1.) Weil sie bereits nachgewiesen haben, dass sie haertere Zeitgenossen sind. 2.) Weil sie zwangslaufig fruehzeitig gelernt haben, sich ein soziales Netz aufzubauen. Beides hilft im spaeteren Leben.
Noctim 08.05.2013
2. LoL
Also ehrlich, ohne meine Eltern hier zu diskreditieren, aber mein Studium habe ich ebenfalls vollkommen ohne Hilfe von Außen gemeistert. Sowohl inhaltlich, als auch finanziell. Scheinbar bin ich da eine Ausnahme...
schnasel 08.05.2013
3. Grundvertrauen
Zitat von NoctimAlso ehrlich, ohne meine Eltern hier zu diskreditieren, aber mein Studium habe ich ebenfalls vollkommen ohne Hilfe von Außen gemeistert. Sowohl inhaltlich, als auch finanziell. Scheinbar bin ich da eine Ausnahme...
Hier geht es aber in erster Linie darum, das die sog. "Care Leaver" nicht das Grundvertrauen besitzen, das Sie wahrscheinlich haben. Unter Grundvertrauen verstehe ich, das wenn was schief läuft, eine Anlaufstelle das ist (z. B. die Eltern). Auch wenn die meisten Studenten (um mal bei diesem Beispiel zu bleiben) das jetzt weit von sich weisen würden. Aber man gestaltet sein Leben nun mal anders, wenn man weiß, das es eine Art "Ausfallsicherung" gibt. Die dann zwar unter Umständen peinlich ist in Anspruch zu nehmen, aber sie ist halt da. Diese Sicherung fehlt den Care Leavern. Da ist nichts, was einen im Notfall wie auch immer auffängt.
Somethinglost 08.05.2013
4. Sie..
Zitat von NoctimAlso ehrlich, ohne meine Eltern hier zu diskreditieren, aber mein Studium habe ich ebenfalls vollkommen ohne Hilfe von Außen gemeistert. Sowohl inhaltlich, als auch finanziell. Scheinbar bin ich da eine Ausnahme...
...haben immerhin Eltern. Egal ob diese Sie durchfüttern oder nicht. Aber niemanden als seine biologische Familie bezeichnen zu können ist da eine ganz andere Nummer. Das LOL können Sie also getrost steckenlassen. Und nein, eine Ausnahme sind Sie sicher nicht.
nordend-klaus 08.05.2013
5. Meine Güte
In welchen Zeiten leben wir? Wohlbehütet bis in welches Alter? Und was macht ein Arbeiterkind, dessen Vater selbst von der Akademischen Welt nichts versteht? Wollen wir alle Selbsthilfegruppen gründen, damit wir immer behütet sind?
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