Universität Kapstadt Weg mit dem Kolonialisten!

Erst wurde er mit Kot beschmiert, jetzt kommt er ganz weg: Die Uni Kapstadt trennt sich vom Denkmal für den Briten Cecil John Rhodes. Studenten hatten mit wochenlangen Protesten den Sinneswandel erzwungen.

Noch ist die Statue verhüllt, bald ist der Sockel leer: Die Uni Kapstadt lässt das Denkmal von Cecil John Rhodes entfernen
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Noch ist die Statue verhüllt, bald ist der Sockel leer: Die Uni Kapstadt lässt das Denkmal von Cecil John Rhodes entfernen


Nach anhaltenden Protesten von zumeist schwarzen Studenten und Aktivisten entfernt die Universität Kapstadt die Statue eines weißen Kolonialisten von ihrem Campus. Der Streit um die Büste von Cecil John Rhodes hatte Südafrika über Wochen beschäftigt. Die Gegner sahen darin ein Symbol der Unterdrückung der schwarzen Mehrheit.

Der Universitätsrat beschloss nach stundenlanger Sitzung am Mittwochabend, die Statue am Donnerstag zunächst abbauen zu lassen. Studentenvertreter haben angekündigt, den Abbau mit Demonstrationen zu begleiten. Über die endgültige Verwendung der Büste muss später das Denkmalschutzamt entscheiden.

Demonstranten hatten die Statue vergangenen Monat mit Kot überhäuft, um damit gegen das "eurozentristische" Denken der Universitätsleitung zu protestieren. Begleitet wurden die Proteste im Internet durch die Kampagne #RhodesMustFall.

"Erste Rasse der Welt"

Der 1853 geborene Brite Cecil John Rhodes war als Geschäftsmann führend an der Ausbeutung der Bodenschätze des südlichen Afrikas beteiligt. Er war einer der Gründer des Diamantenkonzerns De Beers und erschloss auch das heutige Simbabwe für die Ausbeutung durch die britische Krone. Als Regierungschef der damaligen Kap-Kolonie legte er nach Ansicht vieler Historiker auch den Grundstein des rassistischen Apartheid-Systems.

Rhodes bezeichnete die Briten als "erste Rasse der Welt", hatte aber auch die Grundstücke gespendet, auf denen später die Universität Kapstadt errichtet wurde. Seit 1934 stand sein Denkmal deshalb auf dem Campus. Er starb 1902. Die schwarze Bevölkerungsmehrheit Südafrikas erlangte erst nach den ersten freien Wahlen 1994 völlige Gleichberechtigung.

him/dpa



insgesamt 26 Beiträge
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fatherted98 09.04.2015
1. mei....
...Rhodes war ein Rassist...warum sollte man das Ding stehen lassen? Bei uns gibts auch keine Denkmäler vom Gröfaz...also weg damit.
Immanuel_Goldstein 09.04.2015
2.
Man muss es eigentlich differenziert sehen. Natürlich war Rhodes Kolonialist, das ist kaum bestreitbar. Aber ohne die Kolonialisten gäbe es heute wohl kaum eine Universität in Südafrika.
al_barka 09.04.2015
3. Rhodes war eine Person der Zeitgeschichte.
Im Irak beklagen wir, dass Extremisten Standbilder aus früheren Zeiten demolieren. Sobald die Südafrikaner eine geeignetere Person außer Nelson Mandela gefunden haben (denn der steht vermutlich schon überall, - und das mit Recht), können sie weitere Standbilder errichten. Ich fürchte nur, sie finden unter den aktuellen Politikern keinen, der es Wert wäre.
petrapanther 09.04.2015
4.
Zitat von Immanuel_GoldsteinMan muss es eigentlich differenziert sehen. Natürlich war Rhodes Kolonialist, das ist kaum bestreitbar. Aber ohne die Kolonialisten gäbe es heute wohl kaum eine Universität in Südafrika.
Wieso? Muss ein Land erst eine Phase der kolonialen Unterdrückung durchleiden, bevor man dort Universitäten errichten kann?
Immanuel_Goldstein 09.04.2015
5.
Zitat von petrapantherWieso? Muss ein Land erst eine Phase der kolonialen Unterdrückung durchleiden, bevor man dort Universitäten errichten kann?
Dummerweise wurden die Universitäten nicht in Afrika erfunden, sondern aus Europa in alle Welt exportiert. Man sollte nicht den Kolonialismus schönreden, nein, aber man sollte heute auch nicht mehr die groteske eurozentristisch-romantische Version vom "guten Wilden" verbreiten, der das alles schon hätte ganz alleine erfinden können.
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