Campus-Unruhen University of London erlässt Demo-Verbot für Studenten

Weil ein Sitzstreik eskalierte, hat die größte Londoner Universität nun allen Studenten für ein halbes Jahr verboten, auf dem Uni-Gelände zu demonstrieren. Der Hintergrund: Nach Ablauf dieser Frist soll die Studentenvertretung abgeschafft werden.

Demonstrierende Studenten in London (2011): Nicht mehr auf dem Campus
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Demonstrierende Studenten in London (2011): Nicht mehr auf dem Campus


Londons größte Universität hat eine einstweilige Verfügung erwirkt, den Studenten Demonstrationen auf dem Uni-Gelände zu verbieten. Zwei Tage lang hatten zuvor Unruhen auf dem Campus in der Londoner City geherrscht.

Die Studenten hatten einen Sitzstreik organisiert, um sich gegen die zunehmende Privatisierung der akademischen Einrichtungen zu wehren. Sie forderten in einem Zehn-Punkte-Manifest unter anderem die Universität auf, den Reinigungskräften Krankengeld zu zahlen, berichtete der Nachrichtensender Channel 4.

Das friedlich geplante Sit-in in der ersten Dezemberwoche endete allerdings mit gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Videomaterial der BBC zeigt unter anderem Polizisten, die Studenten mit Schlägen vor sich hertreiben, ein Student stürzt dabei zu Boden. Die Demonstranten besetzten Büros in mehreren Verwaltungsgebäuden, darunter auch das Arbeitszimmer des Rektors der Uni, berichtet die Tageszeitung "The Independent". Es habe etwa 40 Festnahmen gegeben, zwei davon wegen Übergriffen, die anderen wegen öffentlicher Ruhestörung.

Aggressive Stimmung

Die Universität rechtfertigte das Demo-Verbot damit, sie habe sich damit gegen eine schon länger andauernde "Kampagne der Aggression und Einschüchterungen" gewehrt. Diese Demonstration habe "das Fass zum Überlaufen gebracht", so ein Universitätssprecher. Das Verbot sei ein "bedauernswerter, aber notwendiger" Schritt.

"Studenten haben kein Recht, Sitzstreiks zu organisieren oder Verwaltungsgebäude zu besetzen", steht in der einstweiligen Verfügung, die der "Independent" zitiert. Viele Mitarbeiter der Uni seien in ihren Büros eingeschlossen gewesen. Es sei als Einbruch in Universitätsgelände und als "Behinderung der Freiheit" des Uni-Personals zu werten.

Die Stimmung zwischen Studentenschaft und Leitung der University of London ist schon seit Monaten angespannt, denn die Universität kündigte an, die Studentenvertretung abschaffen zu wollen. Die University of London Union (ULU) ist mit mehr als 120.000 Studenten eine der größten Studentenvertretungen Europas - zumindest formal, denn wer an einem der 19 Colleges der University of London studiert, ist automatisch Mitglied der ULU.

Ende Juli 2014 soll Schluss sein mit der Vertretung, bis dahin herrscht nun Demo-Verbot. Den Studenten drohen Anzeigen und Festnahmen, sollten sie auf dem Uni-Gelände oder in den Gebäuden weitere Versammlungen organisieren.

cpa



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