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04. März 2019, 15:05 Uhr

Patentstreit

US-Uni verklagt Professor, der Erfindung eines Studenten geklaut haben soll

Hat er die Forschungsergebnisse eines Studenten für 1,5 Millionen Dollar an die Pharmaindustrie verkauft? Die University of Missouri macht einem Professor schwere Vorwürfe. Diese beschäftigen nun die Justiz.

Die University of Missouri hat einen ehemaligen Pharmazieprofessor verklagt, dem sie vorwirft, aus den Forschungsergebnissen eines Studenten Profit geschlagen zu haben.

Der Student soll maßgeblich an der Entwicklung von besonders wirksamen Augentropfen mitgearbeitet haben, wie die "New York Times" und andere US-Medien berichteten. Sein Professor soll die Erfindung dann an die Pharmaindustrie verkauft und dafür bereits 1,5 Millionen US-Dollar bekommen haben.

Der Professor habe eine Pharmafirma darin unterstützt, die Augentropfen zu patentieren und auf den Markt zu bringen und dabei die Leistung eines "verdienstvollen Studenten" verschleiert, zitiert CNN aus einer Mitteilung der Uni. Schätzungen zufolge könnte er in den folgenden fünf Jahren weitere zehn Millionen Dollar an Lizenzgebühren erhalten.

Der Professor weist die Vorwürfe zurück. Er sagte dem Sender, er habe die Formel für die Augentropfen für seine private Beraterfirma entwickelt. Der Student habe hingegen an einem Teil des Auges geforscht, in dem das Medikament gar nicht wirke. "Jeder will nun aufspringen und einen Teil des Kuchens abhaben", sagte der Professor dem Sender CNN.

Verschwundene Notizbücher

Den Berichten zufolge reichte die Universität am vergangenen Dienstag Klage ein. Der Doktorand habe im Jahr 2008 mit seiner Doktorarbeit begonnen, für die er herausgefunden habe, wie sich Augentropfen mithilfe von Nanotechnologie besser im Auge verteilen lassen, schreibt die "New York Times".

Etwa drei Jahre später habe sein Professor die Erkenntnisse an die Pharmafirma weitergegeben. In der Klageschrift heißt es laut "New York Times", der Professor und seine Frau hätten dafür gesorgt, dass die Notizbücher des Doktoranden verschwänden, in denen er seine Forschungsergebnisse dokumentiert habe.

Die Regularien der Universität sehen vor, dass ein Drittel der Einkünfte, die die Hochschule aus Patenten generiert, an den Erfinder gehen. Mit dem restlichen Geld sollen Kosten gedeckt und dann weitere Forschung und andere Hochschulaktivitäten finanziert werden.

Der Professor hat bereits im Januar gekündigt. Es ist offenbar nicht der erste Ärger, den er mit der Hochschule hat. Im vergangenen Herbst berichteten US-Medien, er habe über Jahre hinweg Studenten für private Haushaltsarbeiten wie Rasenmähen und Blumengießen eingespannt.

lov

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