Urteil gegen Medizin-Studentin Bewährungsstrafe für Bombendrohung

Operationen wurden abgesagt, über 200 Menschen evakuiert. Das alles passierte nur, weil eine Zahnmedizin-Studentin Prüfungsangst hatte - und mit einem Bombenattentat auf die Heidelberger Uni-Klinik drohte. Sie wurde heute vom Landgericht verurteilt.


Sie wollte sich um eine Zahnmedizin-Prüfung drücken. Darum griff eine 31-jährige Studentin vor sechs Wochen zweimal zum Telefonhörer und drohte mit einem Attentat auf die Heidelberger Uni-Klinik. Das Landgericht Heidelberg verurteilte die Anruferin nun zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung. Die Studentin muss außerdem für die Einsatzkosten der Polizei in Höhe von rund 10.000 Euro aufkommen und 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen (AZ: 2 KLs 15 Js 18513/07).

"Ich habe wirklich Angst gehabt, zu versagen", sagte die Angeklagte. Sie war bereits durch mehrere Prüfungen gefallen und hatte daher zunächst das Studienfach, dann auch mehrmals den Studienort gewechselt. Der Prüfung, die für den 11. September 2007 angesetzt war, fühlte sie sich nicht gewachsen.

Mehrere Operationen mussten abgesagt werden

Daher rief die Studentin am Tag der Prüfung in der Telefonzentrale der Heidelberger Universität an, verstellte ihre Stimme und sagte, es werde "etwas Schlimmes passieren". Mittags wählte sie erneut die Nummer der Uni-Klinik und kündigte an, in einer halben Stunde werde im Krankenhaus eine Bombe explodieren.

Die Polizei schloss einen terroristischen Hintergrund zunächst nicht aus und sperrte den Zugang zur Klinik ab. Über 200 Patienten, Mitarbeiter und Besucher wurden aus der Klinik gebracht. Mehrere Operationen mussten abgesagt werden. Und das, worauf die Zahnmedizin-Studentin gehofft hatte, traf ein: Ihre Prüfung wurde auf den nächsten Tag verschoben.

Doch zum neuen Prüfungstermin konnte die 31-Jährige nicht erscheinen - selbst wenn sie diesmal gewollt hätte. Die Polizei machte die Telefonzelle ausfindig, aus der der erste Anruf kam. Beamte des Heidelberger Staatsschutzdezernats nahmen die Urheberin der Drohanrufe fest. Die Studentin kam in Untersuchungshaft.

"Ich hätte nie gedacht, dass das so ausufern würde"

Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten, Vortäuschen einer Straftat und Bedrohung - aufgrund dieser Taten wurde die Studentin schließlich verurteilt. "So eine Drohung ist keine Bagatelle", sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Gerade als angehende Medizinierin hätte die Studentin wissen müssen, welche Auswirkungen ihre Drohungen auf den Klinikbetrieb haben.

Er meinte nicht nur die Evakuierung der Patienten. Durch die Drohungen der Studentin musste sogar eine Krebspatientin aus der Vollnarkose aufgeweckt werden. "Ich hätte nie gedacht, dass das so ausufern würde", sagte die 31-Jährige bei der Verhandlung. Wegen ihrer "Tatreue" habe die Kammer die Verhängung einer Bewährungsstrafe "noch für ausreichend erachtet", erklärte das Gericht. Das Urteil ist rechtskräftig.

kat/dpa/ddp



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