Vergewaltigungen an US-Unis Die Waffen den Frauen

In den USA sind Hochschulen bisher meist waffenfreie Orte. Mehrere Staaten wollen ihren Studenten erlauben, mit Pistolen zur Uni zu kommen. Eine Befürworterin argumentiert: So ließen sich auch Vergewaltigungen eindämmen.
Bald an noch mehr US-Unis erlaubt: Schusswaffen

Bald an noch mehr US-Unis erlaubt: Schusswaffen

Foto: Danny Johnston/ AP

Mehr bewaffnete Studenten für mehr Sicherheit - mit dieser umstrittenen These wollen einige US-Bundesstaaten schon seit längerem die Gewalt an Hochschulen bekämpfen. Zehn Staaten haben oder wollen Gesetze erlassen, die es Studenten erlauben sollen, auf dem Campus Waffen zu tragen, berichtet die "New York Times" .

Jetzt meinen die Befürworter einer Uni unter Waffen ein gutes Argument gefunden zu haben: Weil das ganze Land derzeit über sexuelle Gewalt an Unis debattiert - Harvard etwa erließ strengere Regeln für Beziehungen zwischen Professoren und Studenten -, lautet ihr Vorschlag: Gerade Studentinnen sollen sich mit Schusswaffengewalt besser gegen Übergriffe wehren können.

Im US-Bundesstaat Nevada brachte die republikanische Abgeordnete Michele Fiore eine Gesetzesinitiative für Campus-Bewaffnung auf den Weg. Der "Times" sagte sie: "Ich frage mich, wie viele Männer sie noch vergewaltigen würden, wenn diese jungen, heißen Mädchen auf dem Campus Schusswaffen dabei hätten." Sie sagt: Die Zahl der Vergewaltigungen würde sinken, "sobald diese sexuellen Räuber eine Kugel in den Kopf bekommen".

Waffen auf dem Campus: Verboten in 41 Staaten

Neben Nevada wollen auch Florida, Indiana, Montana, South Carolina, South Dakota, Tennessee, Texas und Wyoming ihren Studenten das Waffentragen gestattet oder erleichtern. In Oklahoma war das Waffentragen auf dem Campus bislang nur mit einer Genehmigung des Rektors erlaubt, auch hier ist eine Lockerung in Vorbereitung. In 41 Staaten ist es den Studenten dagegen durch Bundesgesetze oder durch entsprechende Verordnungen der Universitäten untersagt, mit einer Waffe auf dem Campus zu erscheinen.

Kritiker wie John Foubert, Präsident eines landesweiten Programms gegen Campus-Vergewaltigungen und Dozent an der Oklahoma State University, warnen indes, der Argumentation liege ein Missverständnis über sexuelle Gewalt zugrunde. Oft ereigneten sich sexuelle Übergriffe in Situationen, die zunächst einvernehmlich beginnen. "Es wäre dabei nahezu unmöglich, zur Waffe zu laufen", sagte Fourbert der "Times".

Der Anti-Waffen-Lobbyist Andy Pelosi von der Initiative "Keep Guns Off Campus" kritisiert, die Vergewaltigungsvorfälle würden bewusst instrumentalisiert. Die Gesetzgebung einzelner Bundesstaaten spiegele wider, dass "die Waffenlobby dieses Thema an sich gerissen" habe.

In Florida, wo eine Lockerung des Waffenverbots ebenfalls diskutiert wird, sprach sich der republikanische Präsident der Florida State University, John Thrasher, gegen bewaffnete Studenten an seiner Uni aus: "Ein Campus ist kein Ort, an dem man Waffen mit sich herumträgt". Als Vorsitzender der Republikaner in Florida hatte Thrasher, früher selbst glühender Waffenfreund, indirekt leidvolle Erfahrungen mit bewaffneten Studenten gemacht: Die Tochter eines guten Freundes starb, als ein Kommilitone ihr sein Gewehr vorführen wollte. Aus der Waffe löste sich versehentlich ein Schuss.

bkr