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Miley-Seminar: Kinderstars und Sittenwächter

Foto: Larry Busacca/ Getty Images for NARAS

Miley Cyrus als College-Seminar Peinlichkeit und Provokation

Kontroverse Videos, Joints auf der Bühne, laszive Zungen-Akrobatik: Miley Cyrus hat sich erfolgreich als Skandalnudel inszeniert. Grund genug für ein US-College, Mileys Persönlichkeit also soziologisches Phänomen zu untersuchen.

Saratoga Springs - Miley Cyrus hat in jüngster Zeit einen Imagewandel hingelegt, der in der Popwelt seinesgleichen sucht: Rasant mutierte sie vom Disney-Liebchen zur lüsternen Skandalnudel. Das war schon für Fans schwer zu verkraften, nun dürfen sich auch Studenten damit beschäftigen: Am Skidmore College im US-Bundesstaat New York steht im kommenden Semester ein Miley-Seminar auf dem Lehrplan.

In dem Kurs "The Sociology of Miley Cyrus: Race, Class, Gender and Media" wird es weniger darum gehen, die Zunge so kunstvoll zu verdrehen wie die Pop-Ikone. Gastprofessorin Carolyn Chernoff behandelt in ihren 251 Punkte umfassenden Kurs vielmehr soziologische Fragen. Es wird um Cyrus' Aufstieg als Disney-Star gehen und um ihre Darstellung als öffentliche Person.

Denn für einen Kinderstar ist es schwierig, würdevoll zu altern. Miley Cyrus wurde vom Disney-Konzern als Hauptdarstellerin der Serie "Hannah Montana" mit einem makellos sauberen Image ausgestattet. Nach dem Ende der Serie kam der Imagewandel: 2013 brachte sie ihr Album "Bangerz" heraus, sang über Drogen auf dem Klo und schaukelte im Video zu "Wrecking Ball" nackt auf einer Abrissbirne.

Kinderstars und Sittenwächter

Seit ihrer Inszenierung bei den MTV Video Music Awards im Sommer 2013 balanciert Miley Cyrus regelmäßig auf der Grenze zwischen Provokation und Peinlichkeit. Bei der Preisverleihung hatte sie so lasziv in fleischfarbener Unterwäsche getanzt, dass viele Zuschauer angewidert reagierten.

US-Professorin Chernoff unterrichtete zu dieser Zeit einen Kurs über Jugendkultur. "Ich zeigte meiner Klasse ein Video der MTV Music Awards, und meine Studenten hatten sehr viel zu Mileys Auftritt zu sagen", sagte sie der US-Zeitung "The Saratogian" . Chernoff entwickelte eine Vorlesung über Cyrus und leitete eine Gruppendiskussion, daraus entstand das Seminar.

Miley werde heute als laszives Biest wahrgenommen, doch auch die unschuldige Hannah Montana sei Teil ihrer Persönlichkeit, sagt Chernoff. In ihrem Kurs soll Mileys Älterwerden mit den Karrieren von Britney Spears, Christina Aguilera und Justin Timberlake verglichen werden, die ebenfalls als Disney-Kinderstars begannen und sich mit etwa 20 Jahren als wild-verrückte, sexuelle Wesen präsentierten.

Mileys abrupter Imagewandel soll für noch mehr herhalten: Chernoff möchte eine Gender-Diskussion über Sexualität als Marketing-Instrument anstoßen. Ethnische Gesichtspunkte sollen ebenfalls im Kurs thematisiert werden, weil Miley Cyrus zwar eine weiße Hautfarbe hat, aber einen schwarz klingenden Sound anstrebt.

Und weil Miley-Quellen wie Videos, Interviews und Songs und Posts so leicht erreichbar sei, würden Studenten lernen, die Welt um sie herum zu analysieren. "Miley ist ein Brennglas für kulturelle Konflikte", findet Professorin Chernoff.

cpa
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