US-Student als Scheckfälscher Ich wär so gern Millionär

Ein New Yorker Student, Sohn reicher Eltern, soll Konten mit Schein-Buchungen gefüllt und Investoren Millionenbeträge abgeknöpft haben. Der kreative Umgang mit Zahlen brachte den angehenden Historiker hinter Gitter - wenige Tage vor seinem Abschluss.


Dollar-Millionen: Mehr Schein als Sein

Dollar-Millionen: Mehr Schein als Sein

Während diese Woche Studenten der New York University ihre ersehnten Abschlüsse in den Händen halten, wird ihr Kommilitone Hakan Yalincak vielleicht gerade die Gitterstangen vor seinem Fenster zählen. Der 21-jährige Student wurde Ende vergangener Woche des Scheckbetrugs in Millionenhöhe überführt und festgenommen.

Insgesamt 43 Millionen Dollar habe Yalincak durch gefälschte Schecks auf zwei Konten angehäuft, heißt es in der Anklageschrift. Schecks über 25 Millionen Dollar lagerten demnach auf einem Konto in Greenwich, Connecticut und 18 Millionen auf einem Schweizer Bankkonto; der akademische Rechenkünstler eröffnete die Konten mit falschen Firmennamen und hinterlegte gefälschte Schecks mit den immensen Beträgen als Guthaben.

Erwischt wurde der Möchtegern-Millionär der Anklage zufolge, als er 2,5 Millionen Dollar von der Schweiz auf ein leeres Konto in Greenwich transferierte und dort versuchte, einen Betrag von 1,7 Millionen in bar abzuheben. Den Bankangestellten der 65.000-Seelen-Gemeinde kam das ungewöhnliche Anliegen verdächtig vor. Man fror das Konto ein, als die gefälschten Schecks entdeckt wurden.

Eltern spendeten Uni Millionen

Yalincak soll noch versucht haben, sein Konto zu schließen und die 2,5 Millionen Dollar im Ganzen abzuheben. Doch die Bank hatte bereits die Ermittlungsbehörden informiert. Der Student mit Hauptfach Geschichte wurde letzten Freitag auf dem Anwesen seiner Familie in Pound Ridge festgenommen.

Der Kommilitone fuhr mit dem Porsche vor: Studenten der New York University
AP

Der Kommilitone fuhr mit dem Porsche vor: Studenten der New York University

An Geldsorgen kann der findige Student kaum gelitten haben: Erst vor einem halben Jahr stifteten seine Eltern der New York University großzügig einen Betrag von 21 Millionen Dollar. Die Universität benannte daraufhin den Lehrstuhl für Osmanische Studien nach den beiden türkischstämmigen Spendern Omer Bulent Yalincak und Ayferafet Yalincak.

Der Sohn der Stifter ist zudem noch in einem weiteren Verfahren angeklagt. Einige Geldgeber beschuldigen Yalincak, er habe sie überredet, insgesamt 2,8 Millionen Dollar in einen nicht existierenden Geldfonds zu investieren. Laut Gerichtsakten sollen einige der Investoren gutgläubig eingezahlt haben, mit der Versicherung, dass Teilgewinne des Fonds der New York University gestiftet werden.

Luxuriöser Lebensstil

Die Uni will nun prüfen, ob die bisher eingegangenen 1,25 Millionen Dollar der zugesagten 21-Millionen-Spende von Yalincaks Eltern in Verbindung mit dem unrechtmäßig erworbenen Reichtum des Sohnes stehen. Im Zweifelsfall will man das Geld zurückgeben.

Mit dem erschlichenen Geld soll sich Hakan Yalincak einen luxuriösen Lebensstil gegönnt haben - inklusive Porsche und einer Rechnung der New Yorker Nobelboutique "Tiffanys", wie amerikanische Zeitungen berichten. "Er ist ein smarter Junge", sagte sein Anwalt, "er hat Talent bei Investitionen, und die Leute haben ihm vertraut."

Auf den Höhenflug folgt nun der freie Fall. Yalincak drohen bei einer Verurteilung bis zu 30 Jahre Haft und eine Million Dollar Strafe. Als man ihn am Montag dem Bundesrichter zu einer ersten Anhörung vorführte, brach er in Tränen aus und flehte: "Ich habe doch am Mittwoch meinen Abschluss."

Von Christian Werner



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