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11. Mai 2012, 14:18 Uhr

Plagiatsvorwurf

Uni Düsseldorf prüft Schavans Doktorarbeit

Die Plagiatsvorwürfe gegen Annette Schavan sind erst wenige Tage bekannt, jetzt reagiert die Uni Düsseldorf: Sie prüft die Doktorarbeit der Bundesbildungsministerin. Schavanplag, die Seite des anonymen Schavan-Anklägers, war am Freitag für einige Stunden nicht erreichbar.

Der Promotionsausschuss der Uni Düsseldorf hat damit begonnen, die Doktorarbeit von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) zu überprüfen. Das Gremium der Philosophischen Fakultät sei dabei, sich die dafür nötigen Materialien zu beschaffen, sagte ein Sprecher der Heinrich-Heine-Universität am Freitag. "Wann ein Ergebnis vorliegt, ist noch völlig offen."

Der Ausschuss setzt sich aus insgesamt sieben Mitglieder zusammen, darunter Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und ein Vertreter der Studenten. Vorsitzender des Ausschusses ist Stefan Rohrbacher, Professor für Jüdische Studien, Prodekan der Philosophischen Fakultät und einer von zwei Vorsitzenden des Fakultätsrats. Der Fakultätsrat entscheidet laut aktueller Promotionsordnung über die Ungültigkeit einer Promotion und das Entziehen eines Doktorgrades.

Annette Schavan hatte ihre Promotion vor 32 Jahren an der Universität Düsseldorf eingereicht. Über 300 Seiten schrieb sie zum Thema: "Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung".

Schavanplag vorübergehend nicht erreichbar

Anfang Mai tauchten Plagiatsvorwürfe gegen Schavan in dem Blog Schavanplag auf. 58 Seiten der Doktorarbeit sollen faul sein, auf diesen Seiten soll sie abgeschrieben haben. Am Freitag war dieses Blog für einige Stunden nicht erreichbar. Die Seite Schavanplag sei wegen Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen ("Terms of Service") archiviert oder suspendiert worden, hieß es auf der Plattform Wordpress.com, auf der die Schavanplag-Seite hinterlegt ist. Genauere Angaben machte der Anbieter nicht.

Der Annahme, dass eine Urheberrechtsbeschwerde Wordpress zum Sperren der Seite veranlasst hatte, widersprachen sowohl Schavan als auch der Verlag, der ihre Doktorarbeit 1980 veröffentlicht hatte. Der "Rita G. Fischer Verlag" teilte mit, dass die Rechte an Schavans Arbeit nicht mehr beim Verlag liegen. Eine Urheberrechtsverletzung könne daher nur die Autorin selbst geltend machen. Kontakt zum Wordpress-Betreiber Automattic habe es nicht gegeben. Auch ein Sprecher Schavans verneinte jeglichen Kontakt der Ministerin oder ihres Ministeriums mit dem Wordpress-Betreiber.

Wer hinter dem Blog steht, ist unklar, der Initiator des Blogs tritt unter dem Pseudonym "Robert Schmidt" auf. Der anonyme Ankläger ist überzeugt davon, "dass Frau Schavan plagiiert hat, wenn auch in geringerem Ausmaß als andere." "Ich wollte das nicht unter den Tisch fallen lassen," sagte er SPIEGEL ONLINE.

Merkel vertraut Schavan "uneingeschränkt"

"Robert Schmidt" ist auch Mitglied bei den Plagiatsjägern von VroniPlag, die unter anderem schon die Doktorarbeit von Silvana Koch-Mehrin (FDP) untersucht haben. Wie ein VroniPlag-Mitglied am Freitag mitteilte, soll auch der Initiator von Schavanplag von der kurzzeitigen Unerreichbarkeit seiner Seite überrascht gewesen sein.

Die VroniPlagger hatten schon Ende vergangenen Jahres damit begonnen, Schavans Dissertation zu untersuchen. Sie nannten in ihrer Dokumentation mutmaßlicher Plagiate allerdings nie Schavans vollen Namen, sondern sprachen immer nur von "As".

Obwohl sie kritische Stellen fanden, entschieden sich die Mitglieder von VroniPlag in einer Abstimmung mit nur einer Stimme Mehrheit gegen die Veröffentlichung der Vorwürfe. "Es gibt sehr problematische Stellen", sagte Debora Weber-Wulff, Mitglied bei VroniPlag und Professorin für Medieninformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. "Es hatte aber nicht die Güteklasse eines Guttenberg."

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am Donnerstag in einem Interview mit der "Passauer Neuen Presse" hinter ihre Bildungsministerin gestellt: Ob Schavan noch ihr uneingeschränktes Vertrauen genieße, fragten die Redakteure. "Natürlich", sagte Merkel. "Sie hat erklärt, dass sie ihre Arbeit vor 30 Jahren nach bestem Wissen und Gewissen verfasst und ihre Universität mit der Überprüfung der Vorwürfe beauftragt hat."

fln/cht/dpa

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