Vergleichs-Report "Eurostudent" Deutschlands Studenten sind ein elitärer Zirkel

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8. Teil: Wohnen: Raus aus dem Haus


Grafik: DER SPIEGEL; Quelle: "Eurostudent 2005 - 2008"

Deutsche Studenten zieht es von zu Hause fort. Weniger als ein Viertel lebt bei Eltern oder Verwandten. In Spanien, Portugal oder Italien hingegen schlüpfen die meisten Studenten bei Verwandten unter – oder bleiben gleich zu Hause wohnen.

Die Plätze in Wohnheimen sind hierzulande vergleichsweise rar. Nur jeder neunte Student hat dort ein Zimmer. In Bulgarien ist es fast jeder zweite (46 Prozent), in Finnland fast jeder Dritte (29 Prozent), in den Niederlanden immerhin noch mehr als jeder vierte (27 Prozent).

Und wo leben nun die deutschen Studenten? 65 Prozent haben ein eigenes Zimmer oder eine eigene Wohnung. Dass die deutschen Studenten deswegen glücklicher sind als andere, lässt sich übrigens nicht behaupten. Insgesamt zeigen sich nur 59 Prozent mit ihrem Zuhause zufrieden – deutlich weniger als in fast allen anderen Ländern.



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Klo, 25.09.2008
1.
Zitat von sysopItaliens Studenten sind Muttersöhnchen, Portugiesen parlieren fließend mehrsprachig - und Deutschland schreckt Auf- und Quereinsteiger ab. Ein neuer Uni-Atlas vermisst den Campus Europa. Studieren in Deutschland - immer noch hauptsächlich für Eliten?
Wieso immer noch? Immer mehr. Es war auch schon mal anders.
random42 25.09.2008
2. hmm
Hallo, Könnte es nicht sein, dass es nicht unbedingt am deutschen Staat bzw. am Bildungssystem liegt, dass in Deutschland weniger "Arbeiterkinder" studieren? In Deutschland gibt es so viele Möglichkeiten auf 2. Bildungswege zum Abitur oder zur Fachhochschulreife zu kommen (z.B. in BaWü: Berufliche Gymnasien, Berufskollege,etc...). Jeder der halbwegs etwas kann und die Hochschulreife will, wird sie bekommen und kann also auch studieren. Nur wollen viele Kinder, die aus der "Arbeiterschicht" kommen gar nicht studieren, dies ist meine persönliche Erfahrung. Warum, weiss ich auch nicht, evtl. aufgrund der Beeinflussung ihrer Eltern ("lern lieber was gescheites, einen Beruf..") Des Weiteren wird hier von einer falschen Grundannahme ausgegangen: Egal aus welcher Schicht man kommt, die Begabung/Intelligenz ist gleich verteilt auf alle Schichten. Auch interessant ist es, was in manchen Ländern noch als Studium durchgeht ;-). Wenn zb jede Krankenschwester bei uns ebenfalls ihr Diplom an einer "Hochschule" machen würde, hätten wir auch einen höheren Studentenanteil. So manche Berufsausbildung in Deutschland ist anderswo ein volles Studium. mfg
Quintus, 25.09.2008
3.
Die Sache ist doch ganz einfach: Unter dem Strich lohnt sich ein Hochschulstudium in Deutschland kaum. Mit einer guten Ausbildung macht man in vielen Faellen den besseren Schnitt. Ein Studium ist anstrengend, teuer und am Ende verdient man kaum mehr. Junge Akademiker werden in vielen Bereichen schlicht ausgebeutet, sei es als Arzt, Jurist oder Informatiker. Erwartet werden Wochenarbeitszeiten von 50+, Flexiblitaet (wer braucht schon ein festes Umfeld, Freunde und am Ende noch eine Familie) und vieles mehr wird verlangt; Und das fuer 2000 netto - Schwarzarbeit ist fuer die meisten Akademiker schwierig und ein ueber Jahrzehnte gewachsenes festes Umfeld, dass einem in der Not zur Seite steht, bzw. in vielen Alltagsdingen (vom Umzug bis zum Hausbau) wertvolles Geld spart, traemt der Akademiker meistens nur. Wer kein Workaholic ist, nicht permanent im Hotel beim Kunden schlafen will, mit dem stimmt schon irgendwas nicht. So ist ein Studium eher Luxus fuer Menschen, die es sich eben leisten koennen zu studieren.
Joerg Brauer 25.09.2008
4.
Interessant fand ich die These, dass viele Kinder aus sozial schwaecheren Familien aus finanziellen Gruenden keine Semester oder Praktika im Ausland absolvieren. Ich habe selbst mehrere Jahre im Ausland arbeiten und studieren duerfen und auch in der Ferne meine Diplomarbeit geschrieben, nach meiner Rueckkehr habe ich etliche meiner Kommilitonen dafuer zu begeistern versucht, weil die Jahre im Ausland aus meiner Sicht eine unglaublich wertvolle Erfahrung waren. Zum einen auf persoenlicher Ebene, zum anderen haben sie mich aber auch beruflich durch das aufgebaute Kontaktnetzwerk sehr viel weiter gebracht, von der fachlichen Entwicklung ganz zu schweigen Der Clou daran: Eine Praktikantenverguetung weit jenseits der 1000-EUR-Marke netto monatlich und Reisekosten werden uebernommen. Dennoch hatte niemand Interesse. Nur mit den finanziellen Gegenbenheiten kann es also wenig zu tun haben. Viel mehr schreckten viele davor zurueck, ganz allein in einem fernen Land zu landen und ihr Leben dort neu organisieren zu muessen, gleichzeitig war die Aufgabe der Wohnung hierzulande ein grosses Hindernis. Interessant waere fuer mich also eine Untersuchung, inwiefern Mobilitaet und eine gewisse Risikofreude mit dem sozialen Status korrelieren. Ich habe da aus meinen eigenen Erfahrungen ein paar Theorien, aber es waere mal interessant zu sehen, wie sich das ueber die gesamte Gesellschaft verteilt verhaelt. Grundsaetzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Nachkoemmlinge aus der Oberschicht grundsaetzlich risikofreudiger und offener fuer Neues eingestellt sind, was ihnen natuerlich gerade heutzutage einen gewissen Vorteil verschafft. Fakt ist, dass der soziale Aufstieg ohne die Bereitschaft kalkulierbare Risiken einzugehen nur schwer gelingen kann, wer immer auf der absolut sicheren Seite bleibt verpasst viele Chancen. Das faengt bei der Entscheidung zwischen Studium und Ausbildung an und endet spaeter bei der Frage nach der Wahl von Wohnort und Arbeitsplatz.
EvilMoe, 25.09.2008
5.
Ich sehe das ebenfalls so, dass viele Leute nicht studieren wollen. Wer wirklich studieren will, kann zumindest seine FH Reife auf "humanem" Weg nachholen. Nur ist die Frage ob sich das überhaupt lohnt. Ich bin selbst Abiturient und kann den Gedanken des "Nicht-studieren" nachvollziehen. In der Regel ist man als Student mit 26/28 Jahren fertig, ab diesem Zeitpunkt fängt man an Geld zu verdienen. Der Realschüler, der mit 16 Jahren in die Lehre gegangen und nun fest angestellt ist, hat in dieser Zeitdifferenz von +-10 Jahren wesentlich mehr Geld verdient als ein Student. Wenn man sich mit einem bestimmten Lebensstandard zufrieden gibt, reicht einem das bis dahin erwirtschaftete Gehalt vollkommen aus. Auch ein Studium ist heutzutage keine Jobgarantie mehr und es ist utopisch zu denken, dass jeder Student gleich Managergehälter bekommt, die Möglichkeit besteht, aber sie ist nun mal gering. Man studiert hingegen eher, weil man auch im späteren Leben geistig gefördert werden möchte, nicht mehr und nicht weniger. Ich denke nicht, dass das Studieren heute noch was mit dem sozialen Standpunkt zu tun hat. Es gibt mittlerweile div. Möglichkeiten ein Studium zu finanzieren. Sei es über Stipendien oder anderen Sachen.
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