Verkehrte Uni-Welt Ein Kängurujäger als erster Hetero-Beauftragter

Minderheitenschutz, Lesben-Partys und Hochschwulwoche, davon will Dave Allen, 22, nichts wissen. An einer australischen Uni vertritt der eher schlicht gestrickte Jurastudent fortan die Belange der Heteros - Studentenjux und politische Provokation zugleich.


Was Dave Allen mag, ist Bier. Was Dave Allen nicht mag, sind Kängurus. Zumindest schießt er gern auf die Hüpfer - er ist eben ein echter "Roo-Shooter". So nennt man Typen wie Allen Down under. Er selbst nennt sich einen "Kerl vom Land", einen "Redneck" (was etwa "reaktionärer Hinterwäldler" bedeutet). Seine Freundin, mit der er seit einem Jahr zusammen ist, stört sich an dem martialischen Hobby offenbar nicht.

Känguru auf dem Campus: Schieß doch, Dave

Känguru auf dem Campus: Schieß doch, Dave

Studenten der University of New England fanden, dass all dies Dave Allen zur Idealbesetzung für den Posten des "Heterosexuality Officers" macht. An der ländlichen Hochschule im australischen New South Wales soll der 22-Jährige Jurastudent fortan die streng heterosexuellen Interessen seiner Kommilitonen vertreten. Die Mission ist eher vage. Und so weiß Allen auch nicht viel zu antworten auf die Frage, was ihn im Amt derzeit beschäftige: "Nichts im Moment", sagte er der Zeitung "The Australian".

Und doch ist sein Job ein Politikum. Da reden sich die verschiedensten Campus-Gremien schnell in Rage. "Verrückt", urteilt etwa Craig Comrie, der Schwulen-Beauftragte der australischen Studentengewerkschaft. "Der Grund, weshalb Schwulen-Referate eingerichtet werden, ist doch, dass schwule Studenten auf dem Campus oft benachteiligt sind." Die Schaffung von Allens skurrilem Posten sei eine unfaire Reaktion auf die Erfolge der Schwulen- und Lesben-Vertretungen auf dem Campus.

Zahlen müssen bisher alle Studenten

Bereits im Februar hatte die Studentenvertretung der Universität in ihrer Quartalssitzung beschlossen, einen "Heterosexuality Officer" zu beschäftigen. Die Gegner werten das als schiere Provokation. Und provokativ ist Allens Berufung auch in finanzieller Hinsicht. Denn die Beiträge der Studenten für die verschiedenen Campus-Gremien sind derzeit stark umstritten.

Das australische System funktioniert ganz ähnlich wie an deutschen Hochschulen: Alle Studenten zahlen Pflichtbeiträge für Angebote, die sie unter Umständen nie nutzen. Was die Studentenvertretungen mit den Einnahmen anstellen, führt auch in Deutschland regelmäßig zu heftigem Zwist zwischen verfeindeten politischen Gruppen - nicht zuletzt über die Schwulen- und Lesbenreferate. Doch während der Semesterbeitrag an deutschen Unis überschaubar ist, verlangen die australischen Unis für Sportclub-Angebote, Kinderbetreuung oder subventioniertes Essen bis zu 480 australische Dollar. An vielen der 38 Hochschulen Down under kümmern sich queer officers um die Belange homosexueller Studenten.

Die australische Regierung hat nun angekündigt, die Beitragspflicht abzuschaffen - die Gremien wären dann auf freiwillige Spenden angewiesen. Studenten im ganzen Land laufen Sturm gegen diesen Plan und sagen, die Qualität des Studentenlebens stehe auf dem Spiel.

"Das ist pubertärer Quatsch"

Heten-Hüter Dave Allen verfügt über ein 1000-Dollar-Budget jährlich. Nur gerecht, findet er: "Jeder sollte gleich behandelt werden, und jeder sollte einen fairen Anteil vom Studentenbeitrag bekommen." Wogegen oder wofür er mit dem Geld kämpfen soll, weiß er nicht recht. Als "The Australian" ihn fragte, ob denn die Heterosexuellen eine marginalisierte Minderheit auf dem Campus seien, gab er sich ahnungslos: "Ich habe dazu keine Studie gemacht und kann nicht sagen, welchen prozentualen Anteil wir bilden."

Die meisten Campus-Gruppen empfinden Allens Ernennung deshalb als "Ohrfeige" für Minderheiten auf dem Campus - oder schlicht als studentischen Gag. Selbst in der Politik beschäftigt man sich damit. Senator Barnaby Joyce, der einst als Rugby-Star an der University of New England studierte, empörte sich über den Hetero-Beauftragten: Die Schaffung des Postens sei "eine Verschwendung" von Studentengeld, die Idee "voreingenommen und pubertär". "Es scheint so, als wollten sie bewusst provozieren. Dabei ist es großer Quatsch", sagte Joyce. "Statt sich um einen Hetero-Beauftragten zu kümmern, sollten die Studenten lieber rausgehen und sich ehrenamtlich engagieren."

Dave Allen kann all die Aufregung nicht verstehen und sagt, ihm gingen Homosexuelle "am Arsch vorbei", solange sie keine Sonderrechte beanspruchten. "Es ist doch egal, ob jemand hetero oder schwul, schwarz, weiß oder gestreift ist", findet er. "Wenn es aber losgeht mit 'Oh, wir brauchen nur für uns allein einen Platz zum Rumhängen', dann ist das Mist - kommt doch einfach mit in eine Kneipe und trinkt ein paar Bier mit uns."

Jens Radü



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