Virtuelle Unis Online-Studenten sind keine Autisten

Digital ist Trumpf an den deutschen Unis: Überall entstehen neue virtuelle Studiengänge. Eine neue Untersuchung zeigt, dass Online-Studenten keineswegs vereinsamen - sie sind sogar kontaktfreudiger als andere Studenten.


Gütersloh - Ein Studium via Internet eröffnet ganz neue Perspektiven: 24 Stunden täglich, sieben Tage pro Woche, von jedem Ort mit Internetanschluss aus können die Studenten auf eigene Faust Lehrmaterial abrufen oder im Datenbestand der Bibliothelen stöbern. Dass die "Virtuelle Universität" keineswegs zur Vereinsamung der Studenten führen muss, zeigt eine neue Untersuchung der Güterloher Bertelsmann Stiftung und der Paderborner Heinz Nixdorf Stiftung. Im Vergleich zu Kommilitonen an realen Hochschulen kommunizieren Online-Studenten sogar häufiger miteinander und mit ihren Dozenten.

Für die Studie zum Lernen per Mausklick wurden rund 5000 Studenten konventioneller Studiengänge und 350 Online-Studenten befragt. "Während fast ein Viertel der Online-Studenten mit ihren Dozenten per Computer über Lehrinhalte diskutierte, suchten nur zehn Prozent der anderen Studenten im selben Zeitraum ihre Professoren auf", teilten die Stiftungen mit. Fast die Hälfte der Internet-Studenten gab an, in den vergangenen Tagen mit ihren Kommilitonen über den Lehrstoff gesprochen zu haben. Dagegen tauschten sich nur 37 Prozent der konventionellen Studierenden untereinander aus.

Zudem zeigen sich die Online-Studierenden auch recherchefreudiger als die konventionell Studierenden. Das gilt sowohl für Recherchen im Internet als auch in der Bibliothek. So nutzen bei Unklarheiten 78 Prozent der Online-Studenten das Internet, von den Präsenzstudenten nur 39 Prozent. Und in der Bibliothek klären 78 Prozent der Online-Studenten offene Fragen, aber lediglich 26 Prozent der Präsenzstudenten.

Die Untersuchung basiert auf Erkenntnissen aus dem Projekt "Wirtschaftsinformatik Online", das von den beiden Stiftungen gefördert wird. Zum virtuellen Studiengang haben sich die Universitäten Saarbrücken, Göttingen, Kassel und Leipzig zusammengeschlossen und bieten mit insgesamt acht Vorlesungen einen Teil des Hauptstudiums online an. Rund 500 Teilnehmer pro Semester nutzen derzeit das Studium per Mausklick.



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