Virtuelle Unis Prüfungen per Videokonferenz

Ob Referats-Präsentation via Chat oder mündliche Prüfungen vor einer Videokamera: Wer an der Virtuellen Universität der Fernuni Hagen studiert, kann sich vom klassischen Studentenleben weitgehend verabschieden.

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Für die Fernuniversität Hagen sind Neue Medien in der Lehre ein alter Hut. Bereits 1996 gab es die erste mündliche Examensprüfung bei einer Videokonferenzschaltung; seither folgten über hundert weitere Prüfungen, bei denen sich Prüfer und Student nur per Kamera und Bildschirm in die Augen sehen konnten. Auch CD-Roms setzte die Fernuni in ihren Lehrgängen schon früh ein, so dass die Entwicklung einer Virtuellen Universität als Leitbild "ein nahe liegender, logischer und konsequenter Schritt" war, wie der Hagener Rektor Helmut Hoyer betont. Neben den beiden komplett online vorliegenden Studiengängen Elektrotechnik ("ET online") und Informatik haben auch etliche andere Fachbereiche virtuelle Lehrangebote ins Netz gestellt; das Spektrum reicht vom simplen Vorlesungsscript als pdf-Datei bis zum elektrotechnischen Laborpraktikum. Dabei lässt sich ein Roboter im Keller der Hagener Hochschule über das Internet programmieren und durch eine Halle steuern. Wer sich mit "gast" als Usernamen und Passwort einloggt, kann beispielhafte Lehrangebote aus früheren Semestern testen - der Roboter ist allerdings nicht dabei.

Voraussetzung für die Nutzung der regulären Angebote ist der Studentenstatus an der Fernuniversität. Jeder Kurs kostet Materialgebühren - ganz gleich, ob der Kurs als (gedruckter) Lehrbrief oder in der Online-Version belegt wird. Unter dem Strich zahlen Vollzeit-Studenten wie der angehende Informatiker Thomas Neumann 400 bis 600 Mark pro Semester.

"Natürlich sind Online-Kurse eigentlich viel billiger in Herstellung und Vertrieb", sagt Firoz Kaderali, Direktor des Forschungsinstituts für Telekommunikation an der Fernuniversität und einer der Initiatoren von "ET online". Am liebsten würde Kaderali, 57, die virtuelle ET-Ausbildung deshalb per Internet zahlungswilligen und bildungshungrigen Surfern verkaufen. Doch das lassen die NRW-Hochschulgesetze bisher nicht zu: Die Fernuni darf auf diese Weise keine eigenen Einnahmen verbuchen, Gebühren für ein Studium an staatlichen Hochschulen sind (noch) nicht zugelassen.

Neben der Virtuellen Universität in Hagen wird derzeit mit Unterstützung der Bundesregierung auch eine Virtuelle Fachhochschule aufgebaut. Und einen Internet-Überblick über die deutschen Online-Bildungsangebote hat die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung eingerichtet. Weltweit als Vorbild virtueller Bildung gilt die britische Open University von Milton Keynes, die mit massiver staatlicher Unterstützung aufgebaut wurde und bereits 200.000 eingeschriebene Studentinnen und Studenten zählt.

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