Völlig schwerelos im Weltraum Duschen impossible?

Durch das All sausen ist eine feine Sache, nur die Körperpflege kommt dabei regelmäßig zu kurz. Darmstädter Studenten wissen Rat gegen Astronautenschweiß in der Raumkapsel - sie entwickelten eine Weltraumdusche.


Duschen geht doch: Das Darmstädter Studententeam
TU Darmstadt

Duschen geht doch: Das Darmstädter Studententeam

Eine Gruppe von Maschinenbau-Studenten der TU Darmstadt hatte in diesem Jahr die Gelegenheit, in der Schwerelosigkeit ihre Idee für eine Weltraumdusche zu testen. Im kommenden März können sie bei Parabelflügen ihre Versuchsreihe fortführen. Die europäische Raumfahrtagentur ESA unterstützt das Darmstädter Projekt.

Ein ESA-Aushang an der Uni brachte das Studententeam auf den Geschmack. 30 europäische Forschungsprojekte in der Schwerelosigkeit sollten unterstützt werden, Teamkoordinator Michael Rösch und seine Kommilitonen suchten nach einem passenden Experiment. Weil sich Wasser in der Schwerelosigkeit eigene Wege sucht und Astronauten häufig mit der Körperpflege hadern, sannen die Studenten auf Abhilfe.

Alltagsmühen der Raumfahrt: Fang den Tropfen

"Entweder müssen Astronauten in einer Duschkabine die schwebenden Wassertropfen per Hand einfangen, verreiben und danach wieder absaugen, oder es stehen nur Frischetücher und Waschlappen zur Verfügung", schildert Michael Rösch die Alltagsmühen der Raumfahrer.

Mit Hilfe eines elektrischen Feldes wollen die Darmstädter Studenten die Tropfen gezielt auf die Körper der Astronauten lenken. In den vergangenen Monaten starteten sie in einem umgebauten ESA-Airbus erste Versuche: Über dem Atlantik steigt das Flugzeug steil in die Höhe und geht dann in einen Sturzflug mit dem Verlauf einer Parabel über - also etwa die Flugbahn eines in die Luft geworfenen Steines. Für knapp 30 Sekunden entsteht dabei eine Beinahe-Schwerelosigkeit im Inneren des Airbus.

Die Studenten experimentierten mit einer großen Metallröhre, in deren Mitte eine Stabelektrode angebracht war und ein elektrisches Feld erzeugte. "Wir haben dabei vier Flugbahnen der Tropfen gefunden: von oben nach unten, im Bogen nach unten, im Kreis um die Elektrode herum und auch eine Abstoßreaktion in die entgegengesetzte Richtung", erklärt Rösch.

Kühne Vision von der Space-Herberge

Künftig müsse geprüft werden, welche Voraussetzungen für die gewünschte Flugbahn gegeben sein müssen. "Vielleicht können die Astronauten am Ende auch verschiedene Waschprogramme nutzen."

Missionslogo der ESA-Kampagne

Missionslogo der ESA-Kampagne

Die Beschäftigung mit Raumfahrt-Problemen hat an der TU Darmstadt bereits Tradition. Erst kürzlich entwickelten Architekturstudenten das Weltraumhotel "space on line" - und gewannen mit ihrer kühnen Vision für den künftigen Astro-Tourismus den ersten Preis bei einem Wettbewerb der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt. Die angehenden Architekten träumen davon, dass die Kosmos-Herberge schon in zwanzig, dreißig Jahren verwirklicht und zu einer gigantischen Weltraumstadt weiter entwickelt werden könnte.

Die Darmstädter Parabelflieger waren selbst überrascht, als sie den Zuschlag der ESA erhielten. Bei der Auswahlrunde mussten sie zunächst die praktische Durchführbarkeit, den wissenschaftlichen Nutzen und die Sicherheit des Experiments nachweisen.

Tauglichkeits-Test in der Druckkammer

Zudem entsprach vom ursprünglichen Team nur ein Maschinenbauer den Flugtauglichkeits-Anforderungen - drei flugtaugliche Ersatz-Flieger mussten her. Doch dann konnte das "Team Darmstadt" an der ESA-Kampagne teilnehmen.

Das Projekt könnte nach Ansicht von Michael Rösch noch an der Stärke des elektrischen Feldes scheitern: "Ab einer gewissen Größenordnung ist es für die Menschen gefährlich." Allerdings gebe es kaum Erkenntnisse über die Verträglichkeit elektrischer Felder.

Ein anderes Problem ist für die Studenten die Finanzierung der Forschung; die Kosten für Reise und Tauglichkeitsprüfungen summieren sich auf mehrere tausend Mark. "Für die Vorbereitung auf die Parabelflüge brauchen wir dringend Sponsoren", sagt Rösch.



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