Doktorarbeit Von der Leyen weist Plagiatsvorwürfe zurück

Plagiatsjäger der Internetplattform "VroniPlag" werfen Ursula von der Leyen vor, Teile ihrer Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. Die Ministerin weist die Anschuldigung nun zurück. Sie habe selbst eine Überprüfung der Arbeit veranlasst.
Verteidigungsministerin von der Leyen (Archivbild): Weiß seit August von der Prüfung durch "VroniPlag"

Verteidigungsministerin von der Leyen (Archivbild): Weiß seit August von der Prüfung durch "VroniPlag"

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die Behauptung von Plagiatsjägern zurückgewiesen, sie habe für ihre Doktorarbeit ungebührlich abgeschrieben. "Den Vorwurf des Plagiats kann ich zurückweisen", teilte von der Leyen am Sonntag der "Funke"-Mediengruppe mit.

Auf der Internetseite der Plagiatsjäger "VroniPlag Wiki" hieß es am Wochenende, es gebe etliche Regelverstöße in der medizinischen Doktorarbeit von der Leyens. Die Dissertation von 1990 enthalte "zahlreiche wörtliche und sinngemäße Textübernahmen, die nicht als solche kenntlich gemacht sind".

Die Mitglieder des Netzwerks "VroniPlag" - benannt nach Edmund StoibersTochter Veronica Saß, die durch die Recherchen der Plagiatsjäger 2012 ihren Doktortitel verlor - berichten, sie hätten die 62 Textseiten der insgesamt 70 Seiten langen Dissertation gesichtet.

"Im üblichen Vier-Augen-Sichtungsprozess" habe man dabei "37 Textpassagen festgestellt, die gegen wissenschaftlich anerkannte und auch in der damals maßgeblichen Promotionsordnung geregelte Zitierregeln verstoßen", teilte Gerhard Dannemann, Professor an der HU Berlin, auf Anfrage des SPIEGEL mit.

"Experten an der Arbeit"

Es sei "nicht neu, dass Aktivisten im Internet versuchen, Zweifel an Dissertationen von Politikern zu streuen", erklärte von der Leyen der der "Funke"-Mediengruppe. Dass ihre Doktorarbeit ins Visier genommen worden sei, wisse sie dank eines Hinweises seit Ende August.

Sie habe noch am selben Tag die Medizinische Hochschule Hannover gebeten, ihre Dissertation durch eine fachkundige und neutrale Ombudsstelle überprüfen zu lassen. "Diese unabhängige Überprüfung wurde mir auch zugesagt", erklärte sie. "So weit ich weiß, sind die Experten bei der Arbeit."

Die medizinische Doktorarbeit aus dem Bereich Frauenheilkunde trägt den Titel: "C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung".

Ein Sprecher der Hochschule sagte, dass die Ombudsperson die Arbeit den gültigen Verfahrensregeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis (GWP) gemäß prüfe. "Mit dem vertraulichen Bericht über die Ergebnisse der Vorprüfung an die Hochschulleitung ist in den nächsten Tagen zu rechnen", kündigte er an. Danach sei mit der Einleitung einer förmlichen Untersuchung durch die GWP-Kommission zu rechnen.

Der Verdacht

VroniPlag geht nach eigenen Angaben davon aus, dass "konservativ geschätzt rund zwölf Prozent des Textes im Hauptteil der Arbeit" plagiiert sein sollen. Weiter heißt es, es lasse sich "der Verdacht wissenschaftlichen Fehlverhaltens nicht völlig von der Hand weisen".

VroniPlag hatte 2013 in der Doktorarbeit des damaligen SPD-Fraktionschefs Frank-Walter Steinmeier (SPD) 61 Plagiate gefunden. Die Uni Gießen hatte dann aber weder eine Täuschungsabsicht noch ein wissenschaftliches Fehlverhalten festgestellt und das Prüfverfahren eingestellt.

Im selben Jahr war hingegen der damaligen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) von der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität der Doktortitel aberkannt worden. Sie trat daraufhin zurück. Anfang 2011 war der CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg als Verteidigungsminister zurückgetreten, nachdem ihm die Universität Bayreuth den Doktortitel aberkannt hatte.

boj/AFP/dpa
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