Vorspiel zum Uni-Start Wir wären dann so weit

2. Teil: Larissa mit Mama im Möbelhaus: "Deine Kommode verursacht Chaos"


Ergebnis des Ikea-Einkaufs: Tochter Larissa gegen Mama, 3:0
Hans Rohr

Ergebnis des Ikea-Einkaufs: Tochter Larissa gegen Mama, 3:0

Ich hatte Tage, wenn nicht Wochen, für die Wohnungssuche eingeplant, letztlich reichte ein Samstagvormittag. Danach hatte ich meine Tübinger Geisteswissenschafts-WG gefunden.

Lena, 21, Sandra, 20, und ich. Ein weibliches Philosophen-Trio, wir mochten uns sofort. Rhetorik, Philosophie, Volkswirtschaftslehre, Politik- und Medienwissenschaften unter einem Dach. Mein Traum von philosophischen Gesprächen am Frühstückstisch mit Marmeladenklecksen auf dem Platon-Werk scheint wahr zu werden.

Nächste Hürde: die Möbel-Einkaufstour mit meiner Mutter. Sie erwähnt immer wieder gern, dass sie ebenfalls mit 19 Jahren ausgezogen ist und nützliche WG-Erfahrung hat. Natürlich fährt sie mit mir zum Möbelhaus - schließlich hat sie zu jedem Einrichtungsteil einen Tuning-Tipp für mehr Stauraum parat: Eigentlich ist sie gegen die Kommode, die Chaos verursacht, und für einen Schrank. Und sie findet mein ausgesuchtes Metallbett zu wuchtig, und eigentlich ist der niedliche Holzschreibtisch zu klein. Ich denke an meinen Vater, der ist da unkomplizierter. Gut, er findet irgendwie alles schön. Hauptsache es passt ins Zimmer und ist stabil, hat er gesagt.

Aber mein Vater ist nicht da. Drei Stunden liefen meine Mutter und ich durch die Modellzimmer. Genauso lange unterbreitete mir meine Mutter Kompromissvorschläge, volle drei Stunden hielt ich dagegen - und setzte mich durch. Schließlich muss ich dort wohnen. Sie kann sich ja in die Küche setzen, wenn sie mich besucht. Das Ergebnis unseres Ausflugs: eine blaue Kommode, der niedliche Schreibtisch, ein roter Nachttisch, das Holzregal, das es "schon vor 30 Jahren" gab, behauptet die mütterliche Einrichtungsexpertin, und ein Metallbett, das einfach nicht ins Auto passt und erst mal dort bleiben muss.

Küchentipps im Heimwerker-Paradies

Wir sitzen im Auto, ich bin glücklich und vor allem müde. Mama nicht, sie hat noch mehr Tipps: "Nimm nicht zu viele Klamotten mit, die passen nicht in deine neue Kommode." "Du brauchst noch einen Rollcontainer für deine Ordner und Blätter." "Bettlaken haben wir vergessen." "Erinnere mich dran, dass ich dir einen kleinen Wäschekorb besorge und dir den Sandwichmaker mitgebe." Ich nicke nur noch, schalte das Radio ein und schwöre, in den nächsten drei Monaten kein Möbelhaus mehr zu betreten.

Eine Woche später ist es so weit: mit Möbelpaketen im Umzugswagen geht es nach Tübingen, per Aufzug in die Wohnung im vierten Stock und ran an den Akkuschrauber. Mit dabei: meine Mutter, die sofort die Küche wienert, und das Heimwerker-Dreamteam, bestehend aus Vater und Freund.

Ich wage mich an die Kleinteile, schließlich will ich bei meinem Einzug nicht nur rumsitzen, doch schon beim Nachttisch gebe ich auf. Zu viele Teile und kein Plan. Der nächste Versuch: der Laptop-Tisch. Ich sortiere, schraube, werkle und bastle. Nach zwei Stunden steht er. In der gleichen Zeit haben die Männer den Nachttisch, mein Bett und die Kommode aufgebaut. Aber ich studiere ja auch Geisteswissenschaften, nicht Ingenieurwesen oder Holztechnik. Und meine Mama muss sich wohl daran gewöhnen, in der Geisteswissenschafts-WG auf krummen Küchenstühlen zu sitzen.

insgesamt 34 Beiträge
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Roque Spiegel 07.10.2011
1. ...
Zitat von sysopBevor*Fabienne, Marc und Larissa*an der Uni starten, müssen sie*lernen, sich zu Hause abzunabeln und woanders zu wohnen. Das bedeutet: Mutter-Tochter-Zwist im Möbelhaus, Sächsisch-Crashkurs im Einwohnermeldeamt -*und Lampenfieber vor dem ersten Hochschul-Tag. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,788910,00.html
Oh je, das wird wieder böses Blut in diesem Forum geben.
lmike, 07.10.2011
2. Sehe ich auch so..
Zitat von Roque SpiegelOh je, das wird wieder böses Blut in diesem Forum geben.
Nur, warum werden hier immer wieder Studierende vorgestellt die nicht arbeiten können?
loncaros 07.10.2011
3. t
Auf "Was studierst du" Smalltalk hätte ich auch keine Lust wenn ich so ziemlich das reaktionärste, rückständigste Fach der ganzen Uni belegen würde.
Roque Spiegel 07.10.2011
4. ...
Zitat von lmikeNur, warum werden hier immer wieder Studierende vorgestellt die nicht arbeiten können?
Es fällt tatsächlich auf, dass hier fast nur Studenten von Geisteswissenschaften eine Plattform geboten wird. Nur würde ich das nicht als Diskriminierung oder Böswilligkeit von Seiten des Spiegels ansehen - ich glaube, angehende Ingenieure haben schlichtweg weder Lust noch Zeit sich geistig für den Spiegel öffentlich zu entblößen.
diefreiheitdermeinung 07.10.2011
5. Vielleicht ist es heute anders
aber als ich damals in Berlin studierte nahm ich mir fuer einen sehr niedrigen Betrag ein moebliertes Zimmer bei einer alten Dame, die nicht ganz unfroh dass sie jemanden in der Wohnung hatte, der auch mal eine kleine Reparatur machen konnte. Vorteil: der Besuch im Moebelgeschaeft entfiel und es gab beim Einzug keinen Stress. Nachteil: Damenbesuch nach 10 Uhr gabs nicht. Basta. Spaeter nahm ich mir eine ebenfalls moeblierte 1 1/2 Zimmer Wohnung mit Moebeln, die zwar stabil und alt aber sicher nicht "cool" waren in einer sog. Mietskaserne, 3. Hinterhof, Toilette auf dem Halbstock, transportable Notdusche zu umgerechnet 25 Euro im Monat. Aber ich nehme an, auf den Standard will heute kein Student mehr zurueck. Mich und meine Kommilitonen hats weder umgebracht noch haben wir deswegen den Abschluss nicht geschafft.
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