Vorwürfe gegen Althusmann Kultusminister hat Doktorvater falsch zitiert

Falsche Seitenzahlen, unsaubere Zitate: Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann hat in seiner umstrittenen Dissertation nach SPIEGEL-Informationen den eigenen Doktorvater falsch zitiert.
Kultusminister Althusmann: Unsauber zitiert?

Kultusminister Althusmann: Unsauber zitiert?

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Hamburg - Neue Unstimmigkeiten in der umstrittenen Doktorarbeit von Niedersachsen Kultusminister: Nach SPIEGEL-Informationen hat der CDU-Politiker Bernd Althusmann in seiner Arbeit den eigenen Doktorvater nicht korrekt zitiert. An etlichen Stellen seiner Arbeit verweist er auf Werke seines Promotionsbetreuers Dieter Wagner, Vize-Präsident der Uni Potsdam, verstößt dabei aber mehrfach gegen die wissenschaftlichen Standards.

So bezieht sich Althusmann auf die Seite 275 einer Veröffentlichung seines Doktorvaters - der entsprechende Band hat aber nur 186 Seiten. Der Verweis kann also nicht stimmen und ist überdies inhaltlich falsch: Der Gedanke, den Althusmann aufgreift, ist in dem genannten Beitrag nicht zu entdecken.

In einer anderen Fußnote leitet der Doktorand seine Leser ebenfalls fehl, als er einen Aufsatz seines Doktorvaters und eines Co-Autoren erwähnt. Als Fundstelle nennt er Seite 172 eines Bandes; tatsächlich findet sich die Passage, an die sich Althusmann wörtlich anlehnt, etliche Seiten weiter vorne. Auch mit dem Literaturverzeichnis hat es der Minister offenbar nicht genau genommen. So führt er ein Werk seines Doktorvaters in einer Fußnote auf, nicht aber im Literaturverzeichnis. Zudem sind die Titel der Bücher, die Althusmann zitiert, vor Ungenauigkeiten nicht sicher: Aus "Institutionenökonomie und Neuer Institutionalismus" (Co-Herausgeber: Wagner) wird in der Fußnote "Neue Institutionenökonomie".

Althusmanns Dissertation gerät auf diese Weise zu einem Suchspiel für den Leser. Wenn nicht einmal die Werke desjenigen Wissenschaftlers, der die Arbeit betreut und begutachtet, ordnungsgemäß zitiert werden, dann ist Schlimmeres zu befürchten.

Die Dissertation könnte noch mehr Schwachstellen enthalten, als die "Zeit" in ihrer detaillierten Analyse vergangene Woche aufgezeigt hat. Demnach "fanden sich auf 88 von 114 Seiten Hinweise darauf, dass Althusmann sich großzügig aus fremdem geistigen Eigentum bedient hat, ohne dies in der notwendigen Weise deutlich zu machen". Althusmann betonte vorigen Mittwoch, dass es "keinen Täuschungsversuch von meiner Seite" gegeben habe. Für "mögliche handwerkliche Fehler" bat er um Entschuldigung. Die Uni Potsdam prüft die Vorwürfe.

lis
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