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Plagiatsjäger: Auf wen sich der Schwarmzorn richtet

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

VroniPlag-Gründer degradiert Der Zorn des Schwarms

Geltungsüchtig, selbstherrlich, uneinsichtig: So schelten anonyme Plagiatsjäger im Netz einen ihrer Mitstreiter - und haben ihm nun besondere Nutzerrechte entzogen. Der Mann ist der Gründer der Plattform VroniPlag, die mehrere Politiker als Abschreiber überführte.

Es geht ihnen gegen den Strich, dass sie jetzt immer öfter selbst zum Thema werden: Die Plagiatsjäger der Plattform VroniPlag , die mit ihrer Arbeit Politiker wie Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis in Bedrängnis gebracht haben. Sie selbst mögen noch nicht einmal den Begriff "Plagiatsjäger", sie nennen sich "kollaborative Dokumentaristen".

Sie wollen nicht im Rampenlicht stehen, sie wollen anonym bleiben. Jedenfalls die meisten. "Mein Interesse ist es, dass über Plagiate und Plagiatoren berichtet wird", schreibt einer von ihnen im Chat. Er nennt die Berichte über VroniPlag und die Menschen dahinter "Homestorys". Ein anderer findet: Die Homestorys würden von den wichtigen Fragen ablenken, von den Wissenschaftsbetrügern, den schlampigen und dreisten Dissertations-Abschreibern.

Zuletzt war der SPIEGEL der Frage nachgegangen: Wer steckt eigentlich hinter den Plagiatsjägern? Auch darüber haben sie sich nicht gerade gefreut, zumal einer von ihnen, der Gründer der Plattform, darin sehr prominent vorkam und abgebildet war, auf dem Golfplatz, mit einer Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen.

Jetzt lesen die VroniPlag-Leute in Zeitungen und auf Websites zahlreiche weitere Berichte über sich. Auf einmal sind nicht mehr Guttenberg, Koch-Mehrin und all die anderen Politik-Doktoren die Hauptfiguren, sondern sie selbst. Es habe einen "Putsch im Schwarm" gegeben, heißt es jetzt, so als ob die Aktivisten der Plattform ihren Anführer entmachtet hätten. Was ist da geschehen?

Technisch geschah nichts, was nicht in vielen anderen Wikis dauernd geschieht: Die Benutzerrechte eines VroniPlag-Nutzers wurden verändert. Er nennt sich online Goalgetter und hatte als Gründer der Plattform den Status eines "Bürokraten" - das heißt, er durfte anderen Nutzern Administratorenrechte erteilen und wieder entziehen. Jetzt wurde er selbst zurückgestuft auf den Status eines "Administrators" - das heißt er darf weniger als zuvor, aber immer noch mehr als normale Nutzer: Administratoren (kurz: Admins) können unter anderem Seiten löschen und wiederherstellen, Seiten vor der Bearbeitung schützen, Benutzer sperren und die Optik der Wikioberfläche anpassen.

Faszination Anonymität: Was machen die da im Dunkeln?

Das Wort Entmachtung ist für diesen Vorgang ein bisschen zu groß, zumal die VroniPlagger schon vorher gemeinschaftlich entschieden, ob jemand als Admin neu hinzukommen darf. Auch wurde kein Anführer weggeputscht, denn es entspricht ja gerade dem Wesen eines Wikis, dass es nicht den einen Chef gibt, sondern viele, die gemeinsam arbeiten.

Aber die Aufregung um das technische Detail "Bürokratenrechte" offenbart, welche Faszination von der Anonymität der Plagiatsjäger ausgeht. Die Öffentlichkeit interessiert sich eben nicht nur für abschreibende Politiker, sondern auch für jene, die sie überführen.

Degradiert wurde der VroniPlag-Gründer immerhin. Die anderen Admins der Seite hatten darüber abgestimmt - und bis auf drei Enthaltungen für den Entzug der "Bürokraten"-Rechte gestimmt. Es ist eine eher symbolische Aktion, die sagen soll: Goalgetter, mit Deinen Ansichten und Aktionen sind wir nicht einverstanden.

Die VroniPlag-Leute werfen Goalgetter Unberechenbarkeit und dauernde Alleingänge vor. Er habe sich nicht an Absprachen gehalten. Einige loben in Forenbeiträgen zwar seinen "Initiativgeist", andere finden aber: Goalgetter trete deutlich zu oft als Chef von VroniPlag auf, dränge sich in die Medien und gefährde die "Integrität des Projekts". Es taucht auch der Vorwurf auf, Goalgetter wolle VroniPlag kommerziell nutzen. Immer wieder habe man sich mit ihm zusammengesetzt, aber das Gefühl gehabt, gegen eine Wand zu reden. Der Ärger schwelte seit langem, nach der SPIEGEL-Geschichte kam es jetzt zur Abstimmung.

Als Streit wollen die Plagiatsjäger das alles nicht verstanden wissen. Die Abstimmung über die Degradierung Goalgetters zeige ja gerade, dass man sich in vielen Dingen einig sei.

Goalgetter selbst weist die Vorwürfe zurück, will ausführlich dazu aber erst in ein paar Tagen Stellung nehmen. Er schreibt lediglich: "Die schwere Last, ein Bürokrat zu sein, ist von mir abgefallen."

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