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Prominenter Plagiatsjäger: Hallo, ich bin der Goalgetter

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

VroniPlag-Gründer "Ich will das selbst in die Hand nehmen"

Unter dem Pseudonym Goalgetter gründete ein bayerischer Programmierer die Plagiatsjäger-Plattform VroniPlag und half, Silvana Koch-Mehrin als Abschreiberin zu entlarven. Doch dann wendeten sich seine Mitstreiter gegen ihn. Deshalb lüftet er jetzt im Interview das Geheimnis seiner Identität.

SPIEGEL ONLINE: Wie heißen Sie?

Heidingsfelder: Martin Heidingsfelder.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben VroniPlag gegründet, die Internetplattform, die die Plagiate in den Doktorarbeiten der FDP-Politiker Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis gefunden hat.

Heidingsfelder: Ja, ich bin der Mann, der sich im Internet Goalgetter nennt, das ist mein Pseudonym.

SPIEGEL ONLINE: Monatelang haben die Menschen gerätselt, wer Sie im richtigen Leben sind, nun nennen Sie Ihren Namen. Warum?

Heidingsfelder: In der vergangenen Woche hat es in verschiedenen Internetforen Einträge gegeben, in denen mein richtiger Name stand. Ich weiß nicht, wer das veröffentlicht hat oder wieso, aber ich habe mich sehr erschrocken. Dann habe ich am Mittwoch einen Anruf von einem Reporter bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Von welcher Zeitung?

Heidingsfelder: Von einer deutschen Boulevardzeitung. Der Reporter hat mich gefragt, ob ich Goalgetter bin, ich habe auf die Frage nicht geantwortet, aber ich habe Sorge, dass die Zeitung mich outet. Ich will das selbst in die Hand nehmen.

SPIEGEL ONLINE: Warum sind Sie überhaupt so lange anonym geblieben?

Heidingsfelder: Bei VroniPlag geht es nicht um den Einzelnen, sondern um die Leistung des Schwarms. Es spielt keine Rolle, was ich im richtigen Leben bin, Professor, Doktor, Student oder Kaufmann.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie einen Doktortitel?

Heidingsfelder: Nein.

SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie beruflich?

Heidingsfelder: Ich bin selbständiger Programmierer in Erlangen.

SPIEGEL ONLINE: Viele aus dem Schwarm von VroniPlag werfen Ihnen vor, ein Selbstdarsteller zu sein.

Heidingsfelder: Das liegt vor allem an dem Artikel über mich, der vor kurzem im SPIEGEL erschienen ist. Da waren viele aus dem Schwarm wütend, weil sie meinen, ich würde mich in den Vordergrund stellen.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie ein Selbstdarsteller?

Heidingsfelder: Ich bin nicht frei von Eitelkeiten, aber ich kann nichts dafür, dass sich die Medien vor allem für den Gründer von VroniPlag interessieren. Zudem habe ich bis Mitte Mai die Pressearbeit weitgehend alleine für das Wiki gemacht. Das bringt mich in eine schlechte Position.

SPIEGEL ONLINE: Der Schwarm hat Ihnen als Reaktion auf den SPIEGEL-Artikel auch das Recht aberkannt, das Ihnen uneingeschränkten Zugriff auf VroniPlag ermöglichte. Hat Sie das enttäuscht?

Heidingsfelder: Das war sicher kein Liebesbeweis. Einige Vorwürfe waren unsachlich, einige falsch, für andere Dinge habe ich mich schon länger entschuldigt oder freiwillig Buße geleistet. Der Status war mir gar nicht so wichtig, aber ich war enttäuscht, dass nur eine Person aus dem Schwarm mit mir persönlich über die Vorwürfe gesprochen hat. Diese Person hat dann übrigens ihre Meinung geändert und findet zum Beispiel den SPIEGEL-Artikel heute gar nicht mehr so schlimm.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es nun weiter mit dem Plagiats-Wiki?

Heidingsfelder: Keine Ahnung.

SPIEGEL ONLINE: Wie bitte?

Heidingsfelder: Ich weiß es nicht, ich bin ja nur ein kleiner Fisch im Schwarm. Aber ich denke, dass wir noch weitere Dissertationen als Plagiate entlarven werden. Vielleicht kommt wieder ein großer Fall. Vielleicht gerät VroniPlag auch in Vergessenheit. Realistisch betrachtet ist VroniPlag allerdings ein Selbstläufer.

SPIEGEL ONLINE: Fürchten Sie, dass sich Jorgo Chatzimarkakis oder Silvana Koch-Mehrin bei Ihnen rächen werden, jetzt, da sie wissen, wer Goalgetter wirklich ist?

Heidingsfelder: Nein, ich bin ja nur der Gründer. Aber Chatzimarkakis darf gerne mal bei mir anrufen und mit mir diskutieren. Er weiß ja jetzt, wie er mich finden kann.

Das Gespräch führte Takis Würger
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