Wach-Roboter Marvin allein zu Haus

Nachts, wenn alles schläft, schiebt Marvin einsam Wache: Neuseeländische Studenten haben einen Roboter entwickelt, der selbständig durch die Gänge der Universität von Waikato patrouilliert - mit freundlichen Grüßen an Douglas Adams.

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Marvin-Foto im "New Zealand Herald"

Marvin-Foto im "New Zealand Herald"

Marvin? Das ist doch.. genau: der paranoide Androide aus dem Douglas Adams-Klassiker "Per Anhalter durch die Galaxis". Ein dauerfrustrierter Blechkamerad mit einem Elektrohirn von Planetengröße, dem seine unvorstellbare Intelligenz schwer zu schaffen macht. Außerdem sind da noch diese gräßlichen Schmerzen in allen Dioden unten an der linken Seite. "Ich kriege schon Kopfschmerzen, wenn ich bloss versuche, mich auf euer Niveau runterzudenken", lautet ein typischer Satz des Depri-Roboters.

Ein blecherner Namensvetter in Neuseeland dürfte kaum bessere Laune haben. Den einen oder anderen pangalaktischen Donnergurgler könnte er sicher vertragen, wenn er nachts einsam durch die Hochschulgänge sausen muss. An der Universität von Waikato steht Marvin allerdings als Abkürzung für "Mobile Autonomous Robotic Vehicle for Indoor Navigation" und ist noch auf dem Weg zum Superhirn. Seine studentischen Schöpfer dressierten ihn darauf, allein das Labor zu erkunden - und bei Eindringlingen oder ungewöhnlichen Vorkommnissen gleich den Sicherheitsdienst zu alarmieren.

Marvin hält die Augen offen

Die Mechatronik-Studenten rüsteten den eineinhalb Meter großen Roboter mit einer Rundum-Kamera, zwei 12-Volt-Batterien und einem Entfernungsmesser aus. Bei seinen Fahrten schafft er ein Tempo von bis zu 35 Studentenkilometern und ist mit einem satellitengestützten Ortungssystem verbunden. Wie die Zeitung "New Zealand Herald" berichtet, verfügt Marvin zusätzlich über Spracherkennungs-Software, hört aber ausschließlich aufs Wort seiner Erfinder.

10.000 neuseeländische Dollar (rund 9500 Mark) kostet der Blechgeselle und soll nach und nach ein höheres Niveau künstlicher Intelligenz erreichen. Seine neuronalen Netze basieren auf menschlichen Hirnmustern. "Bald wird Marvin selbst lernen und seinen Schöpfer nicht mehr brauchen", sagte Projektleiter Dale Carnegie, "wir müssen lediglich die Stufe festlegen, bei der er auf Menschen verzichten kann."

Ob Marvin als reines Sicherheits-System kommerziell verwertbar ist, lässt Carnegie offen. Aber er ist sicher, dass die Roboter-Fähigkeiten für jeden Bedarf angepasst werden können, sobald sie ausgereift sind. Das Labor in Waikato arbeitet jetzt an weiteren Roboter-Projekten für die Landwirtschaft.



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