Wahlkampf brachial RCDS attackiert junge SPD-Studentin

"Bildung darf nicht vom Konto der Eltern abhängen": Das fordere auf Wahlplakaten in NRW ausgerechnet eine Studentin, die selbst freiwillig Studiengebühren zahle, schimpfen unionsnahe Studenten vom RCDS. Gerade darum wisse sie, wovon sie rede, kontert Sozialdemokratin Jennifer Metzlaff.

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Am Sonntag werden in Nordrhein-Westfalen Bürgermeister und Kommunalparlamente gewählt. Zur Wahl steht auch Jennifer Metzlaff, 23, im Duisburger Bezirk Hamborn. Die Sozialdemokratin studiert Tourismus- und Eventmanagement am European Business College in Düsseldorf, einer privaten betriebswirtschaftlichen Fachhochschule. Bisher war die junge, blonde Frau der Öffentlichkeit höchstens für ihr hübsches Gesicht bekannt - sie lieh es der SPD für ein Wahlplakat gegen Studiengebühren. Slogan: "Bildung darf nicht vom Konto der Eltern abhängen. Und deshalb wähle ich SPD."

Der Ring Christlich-demokratischer Studenten (RCDS), die Hochschulorganisation der Union, nimmt kurz vor der NRW-Wahl und der Bundestagswahl die Studentin und die SPD aufs Korn: Die privaten Hochschulen, die Metzlaff in Düsseldorf und Dublin besuchte, kosten Geld. Sie zahle "freiwillig 3540 Euro pro Semester", das beweise die Unglaubwürdigkeit der SPD, attackiert der RCDS Metzlaff in einer ziemlich hochtourigen Pressemitteilung.

Die "Plakat-Frau" veröffentliche auf ihrer Seite im Berufsportal Xing "pikante" Details. Sie besuche eine private Hochschule, weil ihr eine öffentliche offenbar nicht gut genug sei. O-Ton RCDS: "Einen Hörsaal jener Kategorie, in dem sie auf dem Plakat abgebildet ist, dürfte die Kommilitonin aus ihrem Studienalltag gar nicht kennen." Das Anti-Gebührenplakat mit Metzlaff sei eine "Frechheit gegenüber allen Eltern, die hart arbeiten, um ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen" - und damit, kleiner hat der RCDS es nicht, eine "bildungspolitische Blamage der SPD".

"Das ist absoluter Nonsens"

Was die Unions-Studenten nicht sagen, aber der Xing-Eintrag zeigt: Metzlaff jobbte nach ihrer Volljährigkeit zunächst als Kellnerin im Fußballstadion, absolvierte dann ein Praktikum und arbeitete bis März dieses Jahres als studentische Hilfskraft im Büro eines SPD-Bundestagsabgeordneten - klingt nicht direkt nach mit dem goldenen Löffel aufgewachsener Tochter reicher Eltern.

Ihr Studium habe es in dieser Form nur an der privaten EBC Düsseldorf gegeben, verteidigt die Studentin sich in ihrem erst am späten Donnerstagnachmittag aktualisierten Xing-Profil gegen die Anwürfe.. Es folgen die erbosten Zeilen: "Für alle, die es ganz genau wissen wollen: Mein Studiengang wird nicht an einer staatlichen Schule angeboten. Gerade weil ich weiß, wie schwierig es ist, Studiengebühren zu bezahlen, bin ich gegen generelle Studiengebühren, wie sie CDU und FDP für alle Unis in NRW eingeführt haben."

Eine Sprecherin des SPD-Bundesvorstands sagte SPIEGEL ONLINE, Metzlaff habe ihr Studium selbst finanziert - sie wisse daher genau, wovon sie spreche. Weil Metzlaff selbst Gebührenzahlerin sei, sei es "Unsinn zu konstruieren, dass die Studentin nicht gegen Studiengebühren sein dürfe". Für das Plakat der SPD habe sie sich freiwillig und unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Es sei "Nonsens, dass ihr daraus nun ein Strick gedreht werden soll".

Begonnen habe die junge Frau ihr Studium, als die EBC noch eine Berufsfachschule war. Es handle sich bei der Schule auch sicher nicht um eine Elite-Einrichtung. Laut "Leipziger Volkszeitung" fallen an der EBC pro Monat Studiengebühren von 590 Euro an. Ein Auslandssemester an der EBS in Dublin, wo Metzlaff nach eigenen Angaben ebenfalls studierte, koste 2000 Euro.

Am Sonntag ist Metzlaff in Duisburg für die Jusos Kandidatin zur Bezirksvertretung des Duisburger Stadtbezirks Hamborn - und bis zur Bundestagswahl steht sie auch für die SPD gegen Studiengebühren ein. Die Sozialdemokraten halten daran fest, dass sie schon die richtige Person fürs Plakat gefunden haben: "Niemand ist prädestinierter, über Studiengebühren zu urteilen, als jemand, der sie selbst zu tragen hatte", so SPD-Sprecher Stefan Giffeler.

cht

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