Campus-Studie Wanka sorgt sich um politisches Desinteresse von Studenten

Sie wünschen sich ein gutes Gehalt, Politik ist vielen Studenten dagegen egal. Bildungsministerin Wanka appelliert an junge Menschen, sich mehr einzumischen.
Studenten im Hörsaal: Mit Studium und Karriere beschäftigt, aber nicht mit Politik

Studenten im Hörsaal: Mit Studium und Karriere beschäftigt, aber nicht mit Politik

Foto: Jan Woitas/ dpa

Die Studenten in Deutschland verlieren das Interesse an Politik. Nur knapp ein Drittel der Studenten hat starkes Interesse an aktuellen Ereignissen. Vor 20 Jahren war es noch fast die Hälfte. Das ergibt der neue Studierendensurvey, der vom Bundesbildungsministerium vorgestellt wurde.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) macht die Entwicklung Sorgen: "Dieser Befund ist bedauerlich", sagt sie, "gerade zum 25. Jahrestag des Mauerfalls möchte man eindringlich an die junge Generation appellieren, die politische Freiheit in unserem Land zu nutzen und gerade auch für die Belange von Studenten aktiv zu werden", sagte sie bei der Vorstellung des Survey.

Nur 24 Prozent sind die Themen Politik und öffentliches Leben sehr wichtig. Auch für die Arbeit der politischen Gremien an ihrer eigenen Hochschule interessiert sich nur ein Drittel. Von einem "Tiefstand in der Wichtigkeit des Politischen für Studierenden" sprechen die Forscher der Universität Konstanz, die für die Studie Studenten in ganz Deutschland befragt haben. Eine andere, bislang unveröffentlichte Studie der Bundesregierung, über die der SPIEGEL am Wochenende berichtete, hatte diesen Trend bestätigt.

Bitte mehr Praxisbezug

Die Konstanzer Forscher erklären die politische Trägheit mit einer zunehmenden Komplexität von Politik, "deren Undurchschaubarkeit und Unübersichtlichkeit mehr Desinteresse" hervorrufe. Es gebe einen "allgemeinen Trend zur politischen Passivität und Apathie". Andere machen die neuen Studienstrukturen verantwortlich, die wenig Zeit lassen für andere Interessen.

Alle zwei bis drei Jahre befragt die Arbeitsgruppe Hochschulforschung der Universität Konstanz Studenten an Universitäten und Fachhochschulen zu ihrer Studiensituation. Die erste Studie erschien Anfang der achtziger Jahre, Auftraggeber ist das Bundesbildungsministerium. Es geht um den Zeitaufwand im Studium, Erwartungen an den Arbeitsmarkt oder Studienanforderungen.

Die heutigen Studenten erwarten in ihrem Studium eine gute fachliche Ausbildung und hoffen auf einen sicheren Arbeitsplatz und ein gutes Gehalt. Viele wünschen sich einen stärkeren Praxisbezug: 41 Prozent der Studenten an Universitäten, 20 Prozent an Fachhochschulen.

Mit ihrem Studium sind viele Studenten trotzdem zufrieden. Offenbar haben sich die Bedingungen in den Bachelor- und Master-Studiengängen inzwischen verbessert. 67 Prozent finden Aufbau und Struktur ihres Studiengangs gut.

Studentenvertreter kritisieren steigenden Druck

Der freie Zusammenschluss der StudentInnenschaften (fzs) warnt allerdings davor, in Jubelstimmung zu verfallen: "Die Ergebnisse der Umfrage dürfen nicht von den Problemen an den Hochschulen ablenken", sagt Isabella Albert vom fzs-Vorstand. Die Zahl der Studenten, die psychologische Hilfe in Anspruch nehmen, steige, die Beratungsstellen seien überlaufen: "Der Druck der Studierenden ist immens. Das ist keine Situation, mit der wir zufrieden sein können."

Als Ursache sieht der fzs unter anderem die Konkurrenz der Studenten, die durch fehlende Master-Plätze ausgelöst wird. "Dieser Mangel führt zu starken Rivalitäten in den Bachelor-Studiengängen." Studenten werde suggeriert, sie hätten persönlich versagt, wenn sie keinen Master-Platz bekommen: "Dabei scheitern sie am politisch herbeigeführten Mangel. Eine manipulatorische Glanzleistung", sagt Isabella Albert.

Die Erhebung, für die 5000 Studierende in ganz Deutschland befragt wurden, zeigt auch, wie unterschiedlich viel Zeit Studenten für ihr Studium aufbringen müssen. Fachhochschüler beschäftigen sich im Schnitt 31,6 Stunden pro Woche mit ihrem Fach, Uni-Studenten etwa eine Stunde weniger. Auch die Unterschiede zwischen den Fächern sind enorm. Soziologen kommen auf 22,6 Stunden, Tiermediziner arbeiten mit 44,6 Stunden fast doppelt so viel.

mer/AFP/dpa
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