Was kostet die Welt Damaskus, würzig und wild

Syriens Hauptstadt ist romantisch, orientalisch, chaotisch. Wer in Damaskus leben will, braucht starke Nerven und Spaß am Feilschen. Autor Marc Röhlig weiß, wie Sprachstudenten am besten wohnen und feiern, und das unschlagbar günstig - Basar-Crashkurs inklusive.

Marc Röhling

Damaskus wirkt neben anderen Großstädten wie ein Raumschiff, so fremd, so eigensinnig ist die Stadt. Und doch würde Damaskus ganz trotzig behaupten, die anderen seien die Fremden. Denn sie selbst war schon vor allen anderen da: Damaskus nennt sich älteste Stadt der Welt, Überlieferungen attestieren ihr erste Siedlungen bereits vor rund 3500 Jahren.

Syriens Hauptstadt hat die Zeit genutzt, um einen ganz eigenen Lebensrhythmus zu finden. Im Herzen liegt die Altstadt, umgeben von jahrhundertealten Mauerteilen. Sie ist Herberge der Omajaden-Moschee, bedeutender christlicher Kapellen und Resten des römischen Jupiter-Tempels. Auf engstem Raum leben hier verschiedenste Kulturen und Religionen beieinander und lassen die schmalen Gassen ständig vibrieren.

Wer durch die Winkel und Innenhöfe schlendert, spürt, dass es hier vor Jahrhunderten schon so war. Und dass dennoch jede Generation ihre Zeichen hinterlässt: Clubs und Internetcafés stecken in den alten orientalischen Häusern, Plakate künden von neuen Ausstellungen und Events.

Zwischen traditionellem Islam und dröhnende Disco-Beats

Wie eine ruhige Insel wirkt die Altstadt, verglichen mit den Hochhäusern der neuen Stadtviertel. Hier stehen die Botschaften, hier liegt die Uni, hier schlägt ein anderer Takt. Hier knattern Autos, Minibusse und abenteuerliche Lastwagen auf zehn Spuren um die Betonklötze der Hotels und Wohnbezirke.

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Basar-Crashkurs: Wie, sie will nicht feilschen?

Vieles passt nicht zusammen: Damaskus kennt den traditionellen Islam. Mehrmals am Tag erfüllen sonore Muezzin-Rufe die Luft, Frauen huschen mit schwarzem Schleier über den Markt, Männer tragen die Bärte lang. Ebenso kennt Damaskus die Moderne. Sobald die Sonne untergeht, werden ganze Stadtviertel zur Flaniermeile, Mädchen schlendern in knappster Kleidung durch die Gassen, die Männer tragen rasante Haarschnitte und zu viel Parfum. Bis in die Morgenstunden dröhnen die Bässe der Discotheken.

Damaskus ist wie ein Gewürzmarkt, ein wilder, bunter Mix verschiedenster Zutaten. Sprachstudenten kommen, um hier Arabisch zu lernen. Fusha, das Hocharabisch, ist dem syrischen Dialekt Amiyye zumindest näher als manche anderen arabischen Dialekte. Sprachkurse bieten die Universität und eine Reihe von Sprachinstituten an. Syrische Tandempartner und Privatlehrer buhlen um die Gunst der vielen Sprachstudenten aus aller Welt, die in der Damaszener Nacht um die Wette feiern.

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