Was kostet die Welt? Oslo, lieb und teuer

Ein, zwei Auslandssemester sind das beste Rezept gegen Fernweh. Aber wer soll das bezahlen? In einer neuen Serie berichten UniSPIEGEL-Autoren über Metropolen-Preise für Wohnen, Kino, Bier. Zum Start: Wie man in Oslo, der teuersten Stadt der Welt, eine Handvoll Kronen sparen kann.
Königliches Schloss in Oslo (2001): Die Stadt ist ein teures Pflaster

Königliches Schloss in Oslo (2001): Die Stadt ist ein teures Pflaster

Foto: dpa/dpaweb

London oder Paris - das sind ausgesprochen teure Pflaster. Aber das Leben in Oslo ist noch kostspieliger. Das zeigte eine Studie des das Beratungsunternehmen ECA International, das die Kosten für ausländische Geschäftsleute auf den Prüfstand setzte: Kleidung, Elektrogeräte, Auto, Lebensmittel, Dienstleistungen - nirgendwo in Europa zahlt man mehr als in Norwegens Hauptstadt.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam 2006 auch die britische Zeitschrift "Economist": Nach einer Analyse ihres Forschungsinstituts ist Oslo sogar die teuerste Stadt der Welt und hat nach 14 Jahren Tokio vom Spitzenplatz verdrängt. Die Schweizer Bank UBS führte Oslo ebenfalls auf Rang 1 ihrer Preisniveau-Liste mit einem standardisierten Warenkorb. Nur wenn man die Wohnkosten hinzurechnet, liegen London und New York noch davor. München ist dagegen harmlos und folgt als teuerste deutsche Metropole erst auf dem 17. Platz.

Kein Zweifel: Mit einer Handvoll Kronen kommt man als Student in Norwegens Hauptstadt nicht weit. Sie gilt als beschauliche Metropole, ist für Auslandssemester ein sehr sympathisches Studienziel und zugleich eine echte Herausforderung fürs studentische Budget. Sehnt man sich nach Luxus, wird es richtig schmerzhaft. Aber mit ein paar Tricks kann man trotzdem über die Runden kommen - ein Blick auf die wichtigsten Etatposten beim Auslandssemester plus ein kleiner Sprachkurs "Norwegisch für Anfänger".

Hütten & Paläste

Der traditionell größte Posten im Studenten-Budget schlägt auch in Oslo (rund eine halbe Million Einwohner) unerbittlich zu: Wohnen ist teuer! Als ausländischer Student kommt man für gewöhnlich in Häusern des Studentenwerkes SiO unter. Faustregel: Die Miete ist umso höher, je moderner und zentrumsnäher das studentische Zuhause ist.

Wer sich mit einem kargen Zimmer in einem Neubaublock am Stadtrand bescheidet, ist mit rund 2000 Kronen (rund 245 Euro) im Monat dabei. Wer es dagegen etwas zentraler oder schicker haben möchte, sollte noch einmal mindestens 50 Prozent drauflegen. Mit etwas Glück kann man dann allerdings in den vollkommen runden Zimmern eines ehemaligen Getreidesilos im Szenestadtteil Grünerløkka wohnen. Mit einiger Mühe ist es auch möglich, ein WG-Zimmer zu ergattern. Die Preise hier beginnen etwa bei 3000 Kronen (rund 365 Euro). Eine richtige eigene Wohnung mit viel Komfort ist für Studenten eher keine Alternative.

Busfahrt

Eine einfache Fahrt kostet 20 Kronen (rund 2,50 Euro). Dafür darf man sich eine Stunde lang in Oslos Bussen, Metros ("T-bane"), Straßenbahnen ("Trikk") und sogar auf den Fjord-Fähren herumtreiben.

Eine Studentenkarte für 430 Kronen (rund 53 Euro) im Monat lohnt sich durchaus, zumal es um Alternativen schlecht bestellt ist: Gebrauchte Fahrräder sind in Oslo nicht einfach zu bekommen. Eine fiese Abzockerei sind übrigens die Osloer Nachtbusse. Die fahren nämlich erstens nur am Wochenende, und zweitens muss man für sie ein besonderes Ticket für 50 Kronen (gut 6 Euro) pro Fahrt nachlösen.

Kinobesuch

Ein Kinoticket in Oslo ist für etwa 80 Kronen (knapp 10 Euro) zu haben - über dem deutschen Preisniveau, aber nicht unbezahlbar. Je nach Tageszeit und Wochentag kann der Preis dabei variieren.

Eine interessante Alternative zu den kommerziellen Kinos ist das "Cinema Neuf" im Haus des Norwegischen Studentenbundes ("Det Norske Studentersamfund"). Wer einmal eine Verbandsmitgliedschaft für 100 Kronen (gut 12 Euro) erworben hat (mehr dazu unter dem Stichwort "Bier"), kann zwei Mal pro Woche für 35 Kronen (rund 4 Euro 50) ins Kino gehen. Das Programm ist bunt aus Klassikern und aktuellen Filmen zusammengewürfelt.

Im zweiten Teil: Bier, Essen, Kopien...

Ein Bier, bitte

Die Osloer sind dem Alkohol durchaus nicht abgeneigt. Getrunken wird gern, trotz der auch in diesem Fall hohen Preise. In der Kneipe geht der halbe Liter Bier für etwa 55 Kronen (knapp 7 Euro) über die Theke. Billiger kommt weg, wer im Supermarkt kauft. Doch Vorsicht: auf öffentlichen Plätzen darf nicht getrunken werden. Außerdem gibt es ein Zeitlimit. Denn Bier wird im Supermarkt wochentags nur bis 20 Uhr verkauft, samstags sogar nur bis 18 Uhr.

Mitglieder des Norwegischen Studentenbundes müssen indes kaum fürchten, auf dem Trockenen zu sitzen. Nach dem Kauf einer Jahresmitgliedschaft für 100 Kronen (gut 12 Euro) können sie in den beiden Bars des Studentenbundes subventioniertes Bier kaufen. So sinkt der Preis für den halben Liter auf 35 Kronen (rund 4,50 Euro). Mit anderen Worten: Nach dem fünften Bier hat man die Mitgliedschaft wieder raus, außerdem kann man vergleichsweise billig ins Kino gehen (siehe Stichwort "Kino").

Warme Mahlzeit

Wie fast alles andere ist auch Essen ein recht teures Vergnügen in Oslo. Unter 200 Kronen (gut 24 Euro) geht in den Restaurants der Innenstadt eigentlich nichts. Dort zu essen kommt für Durchschnitts-Studenten deswegen wohl bestenfalls im Falle eines Elternbesuchs in Frage.

Etwas weniger edel, aber bezahlbar geht es im Stadtteil Grønland zu, wo kleinere Restaurants zum Beispiel Falaffel (30 Kronen) oder Chicken- beziehungsweise Lamm-Curry (50-60 Kronen, 6 bis 7 Euro) anbieten. Verträglich sind auch die Mensa-Preise. Das Tagesmenü gibt es für nur 39 Kronen (knapp 5 Euro).

Noch billiger geht es übrigens dort, wo man es kaum erwartet: im Osloer Rathaus. Die Kantine ist nämlich eine Stunde pro Tag auch für externe Gäste zugänglich. Für studentenfreundliche 35 Kronen gibt es dort ein täglich wechselndes Gericht, das man unter großformatigen Fotos von Friedensnobelpreis-Trägern wie Jimmy Carter oder Rigoberta Menchu verspeisen kann.

Kopie

Die Rechnung ist denkbar einfach: Eine Kopie in der Uni kostet eine Krone (12 Cent). Es ist vollkommen egal, wie viele Kopierkarten man im Uni-Buchladen "akademika" kauft, Mengenrabatt gibt es keinen.

Kopierte Kursmaterialien, in Deutschland als "Reader" bekannt, können in Oslo empfindlich teuer werden. Da muss man für das Material für einen Kurs schon einmal rund 1800 Kronen (rund 220 Euro) ausgeben.

Startklar zum Sprachkurs?"Flotte norske gummistövler" - Norwegisch für Anfänger

Norwegisch für Anfänger

  • Har du et persjonnummer? - Haben Sie eine Personennummer? (Ohne die läuft hier gar nichts)
  • Faen, jeg har ikke smurt langrennskiene mine! - Verdammt, ich habe meine Langlaufskier nicht gewachst! (Klarer Fall von dumm gelaufen)
  • Bare sju dager til sola snur! - Nur noch sieben Tage, bis die Tage wieder länger werden! (Der Norweger muss lange dunkle Winter ertragen)
  • Lesemateriellene for 200 euros?! Er de skrevet ut pa et gullpapir? - Kursmaterial für 200 Euro?! Ist das auf Goldpapier gedruckt?
  • Har du tatt kölappen? - Haben Sie schon eine Wartenummer gezogen? (Wartenummern gibt es überall, selbst wenn man gar nicht warten muss)
  • Se, det finnes ogsa flotte norske gummistövler! - Kuck mal, es gibt auch schicke norwegische Gummistiefel! (Gummistiefel sind wichtig, es regnet häufig in Oslo)
  • Har du allerede billetten din for Holmenkollen söndag? - Hast Du schon dein Ticket für den Holmenkollen-Sonntag?