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19. Dezember 2001, 10:11 Uhr

Web-Quiz

Wer wird Revolutionär?

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Wer von Günther Jauch und seinen Millionenspielchen die Nase voll hat, kann jetzt im Internet eine schräge Variante des TV-Straßenfegers testen. "Wer wird Revolutionär?" heißt das Polit-Quiz einer linken Kölner Studentengruppe.

Olaf Bartz: Der legitime Jauch-Nachfolger
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Olaf Bartz: Der legitime Jauch-Nachfolger

Am Anfang ist es noch ganz einfach. "Welchen Verlag wollten die 68er enteignen - Bauer, Läufer, Springer oder Turm?" Wie beim RTL-Vorbild starten die 15 Quizfragen auf ziemlich niedrigem Niveau. Und wie beim Original wird es von Stufe zu Stufe schwerer: Bei der Frage nach den Bestandteilen der DDR-Flagge - Hammer und Sichel? Hammer und Zirkel? - ist möglicherweise schon die Zeit für den Einsatz des 50:50-Jokers oder der Publikumsfrage gekommen. Wer die höchsten Spiel-Weihen erringen will, der muss beispielsweise wissen, welcher Literaturnobelpreisträger wegen Wehrdienstverweigerung im Knast saß.

Nach der richtigen Antwort (Bertrand Russell war's) locken dann kein Feuerwerk und kein Geldkoffer, sondern nur eine Million wertlose Punkte. Und ein trockenes "Bravo" auf dem Bildschirm. Dass es nicht mindestens ein virtueller Vaterländischer Verdienstorden ist, enttäuscht dann schon - schließlich stammen die Fragen "zum größten Teil aus der Politik, und zwar aus deren linker Hälfte", schreibt Webmaster Olaf Bartz auf der Homepage.

Zeit für ein bisschen Revoluzzer-Romantik

Olaf Bartz hat seine Magisterarbeit über die 68er an der Uni Köln geschrieben, ist dort jetzt Doktorand und das Mastermind hinter dem Ratespiel der Kölner Alternativen Liste. Auf hartnäckiges Befragen gibt er zu, dass der Ulk-Quiz "nicht ganz drogenfrei" entstanden sei: "Das war schon eine Schnapsidee und hat uns mächtig Spaß gemacht."

Der erste Mann im Weltall (Gagarin oder Plemplemov?) ist bei "Wer wird Revolutionär?" ebenso gefragt wie die Ergänzung des SED-Lieds "Die Partei, die Partei, die hat…" Ja was denn nun? Ein Problem? Immer Recht? Keine Ahnung? Schwarze Konten? Politisch gesehen alles korrekt, textlich gesehen gilt natürlich nur eine Antwort.

Auch aktuelle Statements schimmern bei den Antworten durch: Wie hieß doch gleich der Hamburger Law-and-Order-Politiker, der dieses Jahr so erfolgreich bei der Landtagswahl war? Otto Schill? Oder Ronald Schily? Und wirklich nur noch absolute Insider dürften wissen, dass der einzelne Buchstabe der Göttinger Aktivistengruppe "Antifa (M)" nicht für Mao- oder Marxisten, sondern schlicht für "Mittwoch" steht.

Oops, schon wieder keine Ahnung

Bei zu schnellen Antworten bleibt das Spiel manchmal hängen. Wer partout nicht weiter weiß, hat nicht gleich verloren: Wie beim TV-Vorbild eilen das Publikum, ein 50:50-Joker und ein Prominenter zu Hilfe.

Revolutionäre mit Fachkenntnissen gesucht

Revolutionäre mit Fachkenntnissen gesucht

Darauf verlassen kann man sich indes nicht immer. Zwar hat das Publikum fast immer Recht. Aber manche Promis stammeln sich Seltsames zurecht: Jürgen W. Möllemann hat schon mal einen völligen Blackout - "keine Ahnung". Und Britney Spears (die den Stones-Gassenhauer "Satisfaction" coverte) reagiert gereizt auf die Frage nach dem "Street Fighting Man": "Da war ich doch noch gar nicht auf der Welt! Diese alten Sachen kenn ich nicht. Meine neue CD heißt übrigens...".

Bei der studentischen Zielgruppe kommt das Kölner Quiz offenbar an. "Wir kriegen jede Menge positive Mails", sagt Olaf Bartz. Besonders dankbar für das Rateangebot im Netz zeigte sich der Leipziger StuRa: Die Fragen hätten, hieß es in einer Mitteilung, einen ganzen Abend gerettet, der sonst von langweiligen Protokollfragen geprägt gewesen wäre.

Haben Sie das Zeug zum Revolutionär? Einige besonders prachtvolle Fragen aus dem Polit-Quiz...

Frage 1 - für 200 Mark:
Welchen Begriff prägte Winston Churchill für die Grenze zum "Ostblock"?

A: Der große Graben
B: Eiserner Vorhang
C: Schwedische Gardinen
D: Maschendrahtzaun

Wofür steht das M bei Antifa (M)?

Wofür steht das M bei Antifa (M)?

Frage 2 - für 500 Mark:
In den achtziger Jahren protestierte die Friedensbewegung gegen...

A: Den Doppelbeschluss
B: Den Dreifachen Rittberger
C: Das literarische Quartett
D: Die Fünf Freunde

Frage 3 - Für 1000 Mark:
Wie heißt die Zeitung der SPD?

A: Vorwärts
B: Rückwärts
C: Ab durch die Mitte
D: An der nächsten Ecke rechts

Frage 4 - für 2000 Mark:
Was rief Gerhard Schröder zu seinen Juso-Zeiten am Zaun des Kanzleramtes?

A: Helmut, du Arschloch!
B: Lasst mich gehen!
C: Ich will hier rein!
D: Ich gestehe alles!

Frage 5 - für 16.000 Mark:
In einem Song von Jennifer Warnes heißt der Refrain: "First we take Manhattan, then we take..."?

A: Berlin
B: Munich
C: Cologne
D: Frankfurt

Frage 6 - für 125.000 Mark:
Wie hießen Schokoladenweihnachtsmänner in der DDR?

A: Jahresendzeitschokoladenhohlkörper
B: Zeitrechnungsbeginnfeierkonfekt
C: Wintersonnwendkakaomassefigur
D: Vorjahreswechselsüßstatuette

Frage 7 - für 500.000 Mark:
Dolores Ibarruri, Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Spaniens, trug die Bezeichnung...

A: La Extremadura
B: La Guantanamera
C: La Passionaria
D: La Revolucionaria

Frage 8, und - Tusch! - die Eine-Million-Mark-Frage:
Die revolutionäre japanische Studentenbewegung der 1960er/70er Jahre hieß...

A: Kaizen
B: Meiji
C: Tiananmen
D: Zengakuren


Wie jetzt? Das wissen Sie wirklich nicht? Dann schnell hier zu den richtigen Antworten...



Antwort 1:
Wenn's nicht der Maschendrahtzaun war, dann wohl der Eiserne Vorhang.

Antwort 2:
Das gute A.

Antwort 3:
Vorwärts. Obwohl "An der nächsten Ecke rechts" viel schöner wäre.

Antwort 4:
Na klar - er wollte rein.

Antwort 5:
Berlin.

Antwort 6:
Alles hübsch, es waren aber Jahresendzeitschokoladenhohlkörper.

Antwort 7:
Reingefallen! Nicht La Revolucionaria, sondern La Passionaria.

Antwort 8:
Zengakuren. Dafür ein trockenes Bravo.

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