Wehrpflicht-Aus Bund und Länder zahlen gemeinsam für mehr Studienplätze

Bis zu 59.000 zusätzliche Erstsemester kommen im nächsten Jahr an deutsche Hochschulen, weil die Wehrpflicht fällt. Die Kosten dafür wollen sich Bund und Länder teilen, beschlossen Bundeskanzlerin Angela Merkel und zwei Ministerpräsidenten. Es geht um bis zu 1,5 Milliarden Euro.

Volles Audimax (in Trier): Erstsemesterrekord 2011 so gut wie sicher
DPA

Volles Audimax (in Trier): Erstsemesterrekord 2011 so gut wie sicher


Die Studentenmassen, die im kommenden Herbst auch wegen der Wehrpflicht-Aussetzung auf die Hochschulen zukommen, sind mit Bataillon unzureichend beschrieben.

In der Stärke mehrerer Brigaden gehen 2011 bis zu 59.000 junge Erwachsene mit Hochschulreife nicht mehr zum Wehr- oder Zivildienst, sondern zusätzlich an die Hochschulen. Damit rechnet nun auch offiziell die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK). Dass die Flut kommt, ist seit dem Sommer bekannt. Unklar war nur, wer für die zusätzlich benötigten Studienplätze zahlen soll.

Aus den Bundesländern hieß es reflexartig: Schuld an der Schwemme ist der Bund, denn er schafft den staatlichen Zwangsdienst ab und verursacht somit das Problem. In den Länderkassen herrscht Ebbe, sparen wollen viele Bundesländer gerade an der Hochschulbildung. Der Bund wies die alleinige Verantwortung zunächst zurück. Wie beim Hochschulpakt sollten Bund und Länder gemeinsam für die Mehrkosten aufkommen.

Die Einigung, für mehrere Zehntausend zusätzliche Studienanfänger aufzukommen, kam am Mittwochabend. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer (CDU, Sachsen-Anhalt) und Klaus Wowereit (SPD, Berlin) vereinbarten, dass Bund und Länder sich die Mehrkosten teilen. Damit bestätigten die Spitzenpolitiker eine Meldung der GWK vom Vortrag, in der die Ministerrunde eine gemeinsame Finanzierung angekündigt hatte.

Einen konkreten Finanzbedarf nannten Merkel, Böhmer und Wowereit am Dienstag nicht. Die GWK geht aber davon aus, dass der Hochschulpakt, mit dem Bund und Länder Studienplätze paritätisch finanzieren, um 0,9 bis 1,5 Milliarden Euro anwachsen muss. Auch ohne die zusätzlichen Studieninteressierten nach dem Ende der Wehrpflicht wachsen die Zahlen durch steigende Abiturientenzahlen und geburtenstarke Jahrgänge an. Der Rekord vom laufenden Wintersemester wird damit sehr sicher übertroffen.

cht



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Mathe-Freak 16.12.2010
1. ...
Und für was soll das Geld dann verpulvert werden? Weder werden mehr Lehrräume geschaffen noch mehr qualifiziertes Personal eingestellt. Am Ende gibt es ein neuen Kaffeeautomaten und die Gas/Stromrechnung wird ohne Verzug bezahlt... was für ein beschiss.
gorge11, 16.12.2010
2. Kosten?
Zitat von sysopBis zu 59.000 zusätzliche Erstsemester kommen im nächsten Jahr an deutsche Hochschulen, weil die Wehrpflicht fällt. Die Kosten dafür wollen sich Bund und Länder teilen, beschlossen Bundeskanzlerin Angela Merkel und zwei Ministerpräsidenten. Es geht um bis zu*1,5 Milliarden Euro. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,735030,00.html
Das sind keine Kosten. Die jungen Männer treten ceteris paribus früher ins Arbeitsleben ein, zahlen somit mehr ordentliche Steuern und Beiträge. Sie kriegen dadurch aber kein Jahr früher Rente.
movfaltin 17.12.2010
3. Schön wär's
Zitat von gorge11Das sind keine Kosten. Die jungen Männer treten ceteris paribus früher ins Arbeitsleben ein, zahlen somit mehr ordentliche Steuern und Beiträge. Sie kriegen dadurch aber kein Jahr früher Rente.
Man könnte auch sagen: Die jungen Männer treten z.T. früher ins Arbeits*losen*leben ein - und müssen stärker alimentiert werden. Die Anzahl der inländischen Arbeitsplätze lässt sich durch sowas summa summarum wirklich nicht erhöhen - im Gegenteil. Somit kann auch das Steuer- und Abgabenaufkommen tendenziell nicht erhöht werden mit solchen Taschenspielertricks.
amarildo 17.12.2010
4. Mal nachdenken
Zitat von sysopBis zu 59.000 zusätzliche Erstsemester kommen im nächsten Jahr an deutsche Hochschulen, weil die Wehrpflicht fällt. Die Kosten dafür wollen sich Bund und Länder teilen, beschlossen Bundeskanzlerin Angela Merkel und zwei Ministerpräsidenten. Es geht um bis zu*1,5 Milliarden Euro. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,735030,00.html
Die Abschaffung der Wehrpflicht kommt 46 Jahre zu spaet fuer mich.
opar 19.12.2010
5. Erst machen die Länder ein fürchterliches Theater
um ihre Zuständigkeit für Schule und Hochschule, und wenn es dann Geld kostet, wollen sie plötzlich nichts mehr davon wissen. Die Länder machen sich, mal wieder, lächerlich.
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