Wehrpflicht-Aussetzung KMK-Präsident warnt vor Studenten-Springflut

Es wird an deutschen Hochschulen noch enger als erwartet: Wenn die Wehrpflicht im kommenden Jahr ausgesetzt wird, kommen gut 50.000 Studienanfänger mehr als geplant auf die Unis zu. Hochschulrektoren und Kultusminister verlangen mehr Geld für Studienplätze.
Bundeswehr-Rekruten: Drängen 2011 über 50.000 nicht Gezogene an die Hochschulen?

Bundeswehr-Rekruten: Drängen 2011 über 50.000 nicht Gezogene an die Hochschulen?

Foto: dapd

Die Wehrpflicht ist eine Form, eine Armee zu stellen, die sich kaum ein westliches Land mehr leistet. Sie kostet viel und ist den Anforderungen an eine Armee, die international kämpft, nicht gewachsen. Doch auch, wenn es an der Zeit scheint, sich von der Wehrpflicht zu verabschieden: Für Studienanfänger und für die deutschen Hochschulen wird die anvisierte Aussetzung des Zwangsdienstes im Jahr 2011 schwer wiegende Konsequenzen haben.

Erneut hat nun der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK) und Bayerns Kultusminister, Ludwig Spaenle (CSU), darauf hingewiesen, dass die deutschen Hochschulen 2011 bei Aussetzung der Wehrpflicht mit bis zu 50.000 zusätzlichen Studenten rechnen müssen. Die KMK habe daher einen Staatssekretärs-Ausschuss beauftragt, nach Wegen zu suchen, wie das Problem gemeistert werden könne. "Dann werden wir sehen, ob möglicherweise eine Ausweitung des Hochschulpaktes notwendig ist", sagte Spaenle der Tageszeitung "Handesblatt". Mit dem Pakt sollen zusätzliche Studienplätze finanziert werden.

GWK-Beschlüsse: Wer gibt wieviel für was?

Schon jetzt ist die Zahl derjenigen, die überhaupt in eine Kaserne einrücken, gering. Nur etwa jeder sechste junge Erwachsene geht zum Bund, über die Hälfte eines Altersjahrgangs wird weder fürs Militär noch zu einem Ersatzdienst herangezogen. Bereits im Juni war der KMK erstmals aufgefallen, dass eine Aussetzung der Wehrpflicht zu einer Studentenschwemme im kommenden Jahr führen kann. Ein Mitarbeiter der Hamburger Wissenschaftsbehörde sprach Ende September gegenüber SPIEGEL ONLINE sogar von knapp 60.000 jungen Männern, die früher als bislang gedacht in die Hochschulen strömen könnten.

War vor allem die bayerische CSU gegen ein Rütteln am Dienst mit der Waffe, sind sich die Unionsparteien inzwischen einig, dass die Wehrpflicht ausgesetzt werden soll. Ungünstiger könnte der Zeitpunkt für die Hochschulen allerdings kaum sein, denn schon ab nächstem Frühjahr wird es ohnehin ungemütlich eng in den Hörsälen. So viele junge Leute wie noch nie zuvor werden ein Studium aufnehmen, auch weil sich die Verkürzung der Gymnasialzeit auswirkt. Die doppelten Abiturjahrgänge strömen an die Hochschulen. In Bayern und Niedersachsen ist es 2011 so weit, sechs weitere Bundesländer folgen bis 2014. Auch die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, warnte, die Situation werde sich mit der Abschaffung der Wehrpflicht noch verschärfen.

Die Hochschulen würden zwar "alles daran setzen, dieser zusätzlichen Herausforderung gerecht zu werden", sagte Wintermantel. Doch dazu bräuchten sie die flexible Handhabung des Hochschulpaktes. Es müssten also Mittel früher fließen als bisher vorgesehen.

cht/AFP