Weiß-blaue Exzellenzen Elite san mir sowieso

Bayern führt zum kommenden Wintersemester zehn so genannte Elitestudiengänge an seinen Hochschulen ein - für zunächst rund 300 Studenten. Allerdings darf sich fast jede Universität im Freistaat mit dem Etikett schmücken.


Rutsch-Skulptur an der TU München: "Alle müssen dabei sein"
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Rutsch-Skulptur an der TU München: "Alle müssen dabei sein"

In der ersten Phase sollen zehn Elitestudiengänge und fünf internationale Doktorandenkollegs für etwa 300 Studenten an den Start gehen. Bis 2005 sollen dann insgesamt rund 20 Elitestudiengänge und zehn Doktorandenkollegs aufgebaut werden. Damit wolle die Landesregierung ein international konkurrenzfähiges Spitzenangebot schaffen, sagte Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) am Dienstag. Der Freistaat lässt sich die werbewirksame Aktion insgesamt 14 Millionen Euro kosten. 223 neue Stellen sollen geschaffen werden.

Allerdings sind die auserwählten Vorzeige-Studiengänge recht breit gestreut: Von den elf bayrischen Universitäten kommen neun zum Zuge. Nur Passau und Bamberg bleiben vorerst außen vor. Sie sollen aber in der zweiten Phase berücksichtigt werden. "Alle müssen beteiligt sein", sagte Stoiber. Im Endausbau sollen etwa 1200 Top-Studenten ausgebildet werden.

Naturwissenschaften bevorzugt

Die bayrischen Hochschulen hatten insgesamt 104 Vorschläge eingereicht, von denen 29 in die engere Auswahl kamen. Eine Kommission unter Beteiligung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wählte schließlich 15 Angebote aus. Das Gremium entschied sich für fünf naturwissenschaftliche Studiengänge, drei aus den Ingenieur- und zwei aus den Geisteswissenschaften. Auch bei den fünf Doktorandenkollegs überwiegen die Naturwissenschaften.

Zu den geförderten Projekten zählt beispielsweise ein viersemestriger interdisziplinärer Master-Studiengang "Osteuropa-Studien", bei dem die Universitäten Erlangen-Nürnberg, München und Regensburg mit dem Osteuropa-Institut und anderen Forschungseinrichtungen kooperieren. Projekte aus den Naturwissenschaften umfassen die Studienfächer Angewandte Mathematik, Physik oder Materialwissenschaften. In den Wirtschaftswissenschaften sollen sich Studenten mit Instrumenten der Informatik auseinandersetzen.

Bei jedem der fünfzehn Eliteangebote arbeiten mehrere Hochschulen zusammen, wobei die beiden Münchner Universitäten bei der Mehrheit der Projekte die Federführung haben.

Mit dem Projekt des "Elitenetzwerkes" setzt sich das Bundesland Bayern deutlich von den Vorschlägen von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn ab, die ganze Universitäten zu Elitehochschulen erheben will. Die Bundesminister der Länder fordern dagegen, einzelne Fächer an bis zu 100 Universitäten als Elitestudiengänge zu adeln. Ziel sei ein "Elite-Campus Deutschland", der bis ins Ausland strahle. Nach Ansicht von Bulmahn braucht Deutschland aber eine "Spitze, kein Hochplateau". Bulmahn will "international sichtbare Markennamen", vergleichbar etwa Oxford oder Harvard.

"Wir haben ein langfristiges Elitekonzept beschlossen und bereits weitgehend verwirklicht", warb der bayrische Wissenschaftsminister Thomas Goppel. Die Elitestudiengänge sollen nicht zu Lasten der allgemeinen Universitätsausbildung gehen, betonte er. Unklar ist allerdings, ob die bayrischen Hochschulen vom Sparkurs Stoibers verschont werden. Goppel und andere Bildungspolitiker der CSU hatten dies gefordert.



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