Elite-Uni Oxford Weiße Bewerber haben bessere Chancen

Abgelehnte Kandidaten nörgeln gern, dass die Elite-Unis Oxford und Cambridge unfair auswählen. Jetzt belegen Zulassungsdaten: In manchen Fächern haben weiße Bewerber tatsächlich viel bessere Aussichten auf einen der begehrten Studienplätze.
Studenten der Elite-Uni Oxford: Minderheiten haben's oft schwerer

Studenten der Elite-Uni Oxford: Minderheiten haben's oft schwerer

Foto: © Paul Hackett / Reuters/ Reuters

Immer wieder müssen sich die britischen Spitzenuniversitäten Oxford und Cambridge den Vorwurf gefallen lassen, weiße Bewerber in ihrem harten Auswahlverfahren zu bevorzugen. Und immer wieder beteuern die Eliteeinrichtungen, dass allein die Leistung zähle und dass man gleichzeitig auf ethnische Vielfalt großen Wert lege.

Die Zeitung "The Guardian" hat nun jedoch Daten der Universität Oxford ausgewertet , die belegen: Weiße Bewerber haben bessere Chancen. Besonders in begehrten Fächern wie Medizin und Management hätten sie viel höhere Aussichten, angenommen zu werden, obwohl ihre Schulnoten nicht besser sind. In den Jahren 2010 und 2011 bekam insgesamt jeder vierte weiße Bewerber in Oxford einen Studienplatz, aber nicht einmal jeder fünfte Kandidat, der einer ethnischen Minderheit angehörte.

Cambridge weigerte sich, aktuelle Daten herauszugeben, da eine Aufschlüsselung nach Fächern und Bewerbernoten zu aufwendig sei. Ältere Daten ließen allerdings einen ähnlichen Trend vermuten, heißt es in dem Artikel. Oxford und Cambridge haben das in der Vergangenheit oft so erklärt: Aus einigen Bevölkerungsgruppen bewürben sich sehr viele Schüler für bestimmte Fächer. Dadurch sinke für Minderheiten der Anteil der Bewerber, die tatsächlich zugelassen werden könnten.

Doppelt so gute Chancen auf einen Studienplatz in Medizin

In den besonders beliebten Fächern sei die Kluft zwischen erfolgreichen weißen und nichtweißen Kandidaten allerdings so groß, dass sich das nicht mit den unausgeglichenen Bewerberzahlen rechtfertigen lasse, schreibt der "Guardian".

Weiße Bewerber für das Fach Medizin, die in ihrem Schulabschlusszeugnis dreimal oder öfter die Spitzennote A* stehen hätten, haben demnach doppelt so gute Chancen auf einen Studienplatz wie Angehörige einer Minderheit mit denselben sehr guten Noten. 43 Prozent der weißen Leistungsträger werden angenommen - und nur 22,1 Prozent der nichtweißen.

In Wirtschaft und Management bekam jeder fünfte weiße Kandidat ein Angebot, aber nur jeder zehnte Vertreter einer Minderheit. Weiße Schulabgänger mit außergewöhnlich guten Noten im A-Level-Zeugnis, das für den Hochschulzugang entscheidend ist, hatten eine Erfolgsquote von 44 Prozent - die anderen kamen nur auf knapp 30 Prozent. In den Rechtswissenschaften gibt es hingegen keinen statistisch signifikanten Unterschied.

"Das ist ziemlich beängstigend", sagt eine Studentenvertreterin

Eine Sprecherin der Universität sagte dem "Guardian": Man habe nie behauptet, dass die Bewerberzahlen der einzige Faktor seien, der über die ungleichen Erfolgschancen von Schülern mit ähnlichen Noten und unterschiedlicher Hautfarbe entscheide. "Wir prüfen das weiterhin sorgfältig auf mögliche Erklärungen."

Allerdings kenne die Uni die A-Level-Noten ihrer Bewerber zum Zeitpunkt des Auswahlverfahrens gar nicht, da die Schüler ihre Prüfungen erst danach schrieben. Stattdessen seien Eignungstests, ältere Zeugnisse und Interviews entscheidend. Diese seien aber in die Auswertung nicht mit eingeflossen, kritisierte die Sprecherin. Auch eine Sprecherin der Universität Cambridge nannte die Analyse oberflächlich, weil sie solche und andere Faktoren außer Acht lasse.

Rachel Wenstone von der nationalen Studentenvertretung NUS zeigte sich hingegen schockiert über die Zahlen. "Das ist ziemlich beängstigend", sagte sie. In einigen Fakultäten in Oxford gebe es offenbar strukturelle Diskriminierung. "Die Universität muss sich sofort darum kümmern."

son