Weltweites Ranking Top 50 ohne deutsche Unis

Bei internationalen Bildungsvergleichen ist "made in Germany" alles andere als ein Gütesiegel. In einer neuen Hochschulrangliste zogen Rivalen aus Großbritannien, Frankreich und der Schweiz an Deutschland vorbei. Top of the Flops: eine süddeutsche Uni auf Platz 58.


Harvard ganz vorn, knapp dahinter der britische Doppelpack Cambridge und Oxford: Klangvolle Namen schmücken die ersten drei Plätze der Liste der weltbesten 200 Hochschulen. Bildungsexperten gilt das Ranking der Hochschulbeilage der "Times", dem "Times Higher Education Supplement (THES)" und des Karrierenetzwerkes QS als seriöse Messlatte für Spitzenleistungen - jedenfalls soweit man Hochschul-Ranglisten überhaupt für sinnvoll hält.

Harvard University: Verteidigte den ersten Platz
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Harvard University: Verteidigte den ersten Platz

Umso bitterer, dass akademische Bildung made in Germany auch 2006 nur unter ferner liefen rangiert. Lediglich zehn deutsche Hochschulen schafften den Sprung in die Top 200. Und um die erste zu entdecken, muss man mit dem Finger die Liste entlang schon ziemlich weit nach Süden - bis zu Rang 58 für die Universität Heidelberg, die im Vergleich zum Vorjahr Plätze einbüßte.

Die anderen deutschen Exzellenzanwärter und Drittmittelkönige, diese Woche noch in nationalen Rankings als Gewinner gefeiert, müssen sich international noch etwas weiter hinten anstellen. Die TU München liegt auf Platz 82 (Vorjahr 105), die Ludwig-Maximilians-Universität München fiel von Position 55 auf 98 zurück. Ein schwacher Trost für die einstmals stolze Bildungsnation: Mit Ulm (158) und Tübingen (170) haben es zwei weitere deutsche Unis erstmals ins Ranking geschafft.

An der Spitze tauschten Big Player wie Yale, Berkeley, das Imperial College London und Princeton die Plätze unter sich, ein bisschen rauf, ein bisschen runter, doch im Vergleich zum Vorjahr ist viel Kontinuität zu erkennen. Ein guter Ruf verdirbt schließlich nicht so schnell. Und der wichtigste Bewertungsfaktor im Ranking war eine Umfrage unter Wissenschaftlern - sie sollten bis zu 30 herausragende Einrichtungen in ihrem Fachgebiet nennen.

Gute Platzierungen für Frankreich und Schweiz

Zu den weitere Kriterien zählten die Zahl ausländischer Studenten und Dozenten, die Betreuungsrelationen zwischen Hochschullehrern und Studenten, die Meinung von Personalexperten weltweit sowie Daten darüber, wie häufig Veröffentlichungen von Forschern in der Fachliteratur zitiert wurden.

Eindeutig dominant sind im "Times"-Ranking Universitäten aus den USA. Aber andere europäische Länder machen vor, dass Spitzenforschung und Ausbildung nicht allein der US-amerikanischen Ivy League vorbehalten sind, vorneweg die Briten mit gleich drei Unis unter den Top Ten und der London School of Economics auf dem 17. Rang. Es folgen unter anderem die Ecole Normale Supérieure (Platz 18) und die Ecole Polytechnique (37) aus Frankreich; die Schweiz landete mit der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (24) und der Universität Genf (39) ebenfalls zweimal in den Top 50. Auch Australien, China, Kanada und Japan sind locker an den Deutschen vorbei gezogen.

Vielleicht können sich einige der deutschen Unis bald mit dem Gedanken an eine bessere Zukunft trösten - am kommenden Freitag wird der Exzellenz-Wettbewerb entschieden, bei dem es um Milliarden für die Spitzenforschung geht. Im Vergleich zur finanziellen Ausstattung der Schwergewichte aus den Vereinigten Staaten sind das freilich nur Peanuts.

agö



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