Weltweites Uni-Ranking Deutschland auf Platz zwei hinter den USA

Internationale Uni-Rankings sind umstritten, aber jährlich kommen neue. An der Spitze des neuen Shanghai-Rankings stehen die üblichen Verdächtigen. München, Heidelberg und drei weitere deutsche Hochschulen schaffen es ins obere Fünftel. Überraschend: Insgesamt ist Deutschland zweiter Sieger.

LMU München: Die beste deutsche Uni in der Shanghai-Liste - auf Rang 52
REUTERS

LMU München: Die beste deutsche Uni in der Shanghai-Liste - auf Rang 52


So richtig glücklich können europäische Unis über internationale Hochschulranglisten nie sein. Auf den vorderen Plätzen drängeln sich meist die US-amerikanischen Elite-Unis, allenfalls britische Nobel-Hochschulen schaffen es noch in die Spitzengruppe.

Und wie die Listen zustande kommen, darüber gibt es immer wieder Frust und Aufregung. Zuletzt gestand der Macher des "Times"-Ranking, dass viel zu wenig Hochschullehrer befragt wurden. Die "Times"-Liste, mit der eigentlich die besten Unis der Welt gekürt werden sollen, sei deshalb beinahe wertlos.

Jetzt erschien die neue Version einer anderen Uni-Rangliste, herausgegeben von der Jiao-Tong-Universität in Shanghai. Auch hier wird Jahr für Jahr aufgelistet, welche Unis die Macher für die Besten halten.

Das Ergebnis der neuen Liste aus Shanghai: Die amerikanischen Unis von Harvard in Massachusetts sowie Berkeley und Stanford in Kalifornien belegten die ersten drei Plätze.

Die Masse macht's: Deutschland schafft Rang zwei

Gemessen daran, wie viele Unis eines Landes unter den besten 500 Hochschulen vertreten sind, belegte Deutschland allerdings hinter den USA den zweiten Platz. Insgesamt 39 deutsche Unis schafften es unter die Top 500, die beste wurde die Ludwig-Maximilians-Universität in München auf Platz 52, die TU München schaffte es auf den 56. Rang. Auch die Unis in Heidelberg, Bonn und Göttingen schafften es zumindest unter die besten Hundert.

Die Top Ten stellen neben den üblichen Verdächtigen aus den USA nur noch zwei Einrichtungen in Großbritannien: Die Universität von Cambridge auf Platz fünf sowie Oxford auf Platz zehn. Die beste Uni außerhalb der USA und Europas wurde die Universität von Tokio auf Platz 20.

Auch das Jiao-Tong-Ranking ist umstritten. Kritisiert wird etwa, dass vor allem nach Gesichtspunkten der Forschung und nicht der Ausbildung an den Unis entschieden wird. Ausschlaggebend sind etwa die Zahl der Nobelpreisträger und andere Auszeichnungen sowie Veröffentlichungen in Fachmagazinen wie "Nature" und "Science". Französischsprachige Fachblätter fallen beispielsweise raus.

In Deutschland gibt es die Ranglisten seit gut 20 Jahren, einige internationale Rankings kommen hinzu. Die Liste aus Shanghai erscheint seit 2003. Die Listen sind so folgenreich wie umstritten: Gute oder schlechte Platzierungen können an Universitäten zu starken Schwankungen der Bewerberzahlen führen - was die Finanzierung dort, wo hohe Studiengebühren fällig werden, direkt beeinflusst. Für Hochschullehrer ist der Ruf einer Hochschule ein Entscheidungsfaktor in ihrer Karriereplanung, und auch die Politik bleibt nicht unbeeinflusst von Ranking-Ergebnissen.

Europäische Hochschulen beklagen regelmäßig, sie würden benachteiligt. Die EU plant daher für kommendes Jahr, eine eigene Liste zu erstellen.

otr/AFP



insgesamt 21 Beiträge
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Zorpheus 13.08.2010
1. Die Größe machts
"Ausschlaggebend sind etwa die Zahl der Nobelpreisträger und andere Auszeichnungen sowie Veröffentlichungen in Fachmagazinen wie "Nature" und "Science"." Zumindest bei dem deutschen Hochschulranking wurden diese Zahlen nicht mit der Größe der Unis, also der Zahl der Mitarbeiter oder Studenten, ins Verhältnis gesetzt. Deshalb sind unter den deutschen Elite-Unis auch nur die großen Massen-Unis.
Montanabear 13.08.2010
2. Weltweites Uni-Ranking
Zitat von Zorpheus"Ausschlaggebend sind etwa die Zahl der Nobelpreisträger und andere Auszeichnungen sowie Veröffentlichungen in Fachmagazinen wie "Nature" und "Science"." Zumindest bei dem deutschen Hochschulranking wurden diese Zahlen nicht mit der Größe der Unis, also der Zahl der Mitarbeiter oder Studenten, ins Verhältnis gesetzt. Deshalb sind unter den deutschen Elite-Unis auch nur die großen Massen-Unis.
Ja, das scheinen mir sehr populistische Kriterien zu sein. Wir wissen, dass viele Erkenntnisse "untergehen" , weil sie nicht ins Englische übersetzt werden.
Hermes8 13.08.2010
3. Wo die Punkte herkommen...
Zitat von sysopInternationale Uni-Rankings sind umstritten, aber jährlich kommen neue. An der Spitze des neuen Shanghai-Rankings stehen die üblichen Verdächtigen. München, Heidelberg und drei weitere deutsche Hochschulen schaffen es ins obere Fünftel. Überraschend: Insgesamt ist Deutschland zweiter Sieger. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,711763,00.html
Überraschend ist daran überhaupt nichts. Bis in die 30er Jahre war Deutschland absolute Weltspitze in der Wissenschaft und hat Nobelpreise gesammelt. Dann hat man die besten Wissenschaftler mit Berufsverboten belegt bzw. aus dem Land gejagt. Einstein dürfte nur das prominenteste Beispiel unter tausenden sein. Bis in die 60er Jahre war Deutschland dann zumindest noch gutes Mittelmaß und hat weiterhin ab und zu Nobelpreise erhalten. Danach jedoch kamen allerlei dogmatisch motivierte Hochschulreformen, die zum Ausbau von Fachbereichen führten, deren Nutzen zumindest teilweise fragwürdig ist. Die klassischen Stärken wurden dabei vernachlässigt, Kapazitäten gingen ins Ausland. Und schließlich wird in den letzten 15 Jahren gespart, dass es quietscht. Man braucht das Geld schließlich für die Rentner und deren Wählerstimmen, und da müssen Bildung und Forschung dann eben zurückstehen. Wenn wir also nicht Lorbeeren aus vergangenen Jahrzehnten vergleichen, sondern den Status Quo, dann sieht es relativ düster aus in der deutschen Hochschullandschaft.
kuk24 13.08.2010
4. Platz 50
Zitat von sysopInternationale Uni-Rankings sind umstritten, aber jährlich kommen neue. An der Spitze des neuen Shanghai-Rankings stehen die üblichen Verdächtigen. München, Heidelberg und drei weitere deutsche Hochschulen schaffen es ins obere Fünftel. Überraschend: Insgesamt ist Deutschland zweiter Sieger. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,711763,00.html
Diese Lesart der Statistik erscheint mir recht eigenwillig. Weniger optimistisch stimmt doch, dass die am besten beurteilte Universitaet des groessten Landes Westeuropas auf dem 52. Platz landet, hinter Hochschulen aus England, Frankreich und den Niederlanden.
wmueller4711 14.08.2010
5. Welches Statistikverfahren wurde verwendet ?
Deutschland auf Platz zwei, hinter den USA. Bei einem Marathon wird bei dem Ziel nach den ersten 500 Laeufern die Nationalitaet der Laeufer bestimmt und danach der Sieger und zweite Sieger bestimmt. Dabei spielt es keine Rolle ob der 500te Laeufer 1 Stunde spaeter ankommt.
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