Weltweites Uni-Ranking Heidelberg, Top of the Flops

Beim internationalen Messen und Wiegen kassiert Bildung, made in Germany, meist bittere Schlappen. Jetzt hat die britische "Times" mit einem Ranking nachgelegt. Die beste deutsche Hochschule schafft nur Rang 45.


Im Reigen der Hochschul-Rankings gehört das "The Times Higher Education Supplement" zu den seriösen Adressen. Für deutsche Bildungsanstalten hat die alljährliche Veröffentlichung einen Haken: Die Uni-Tester von der Insel stufen sie regelmäßig ziemlich schlecht ein.

Deutsche Spitze, internationales Mittelmaß: Uni Heidelberg
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Deutsche Spitze, internationales Mittelmaß: Uni Heidelberg

Wie schon im vergangenen Jahr zeigt sich die Universität Heidelberg dabei als Einäugiger unter den Blinden. Die beste deutsche Hochschule kommt auf Rang 45. Das sind immerhin zwei Plätze besser als bei der Vorerhebung.

Unter die besten 100 schafft es außer Heidelberg nur noch die LMU München mit Platz 55. Die TU München, die TU Berlin und die Universität Göttingen, im vergangenen Jahr noch unter den ersten 100 vertreten, fielen allesamt zurück: die TU München auf Rang 105, Göttingen auf Rang 114 und die Berliner TU auf Rang 154.

Auf den Plätzen an der Sonne tat sich wenig: Der ewige Sieger Harvard landet abermals ganz oben, gefolgt vom MIT, Cambridge, Oxford und Stanford. Die Rivalen Cambridge und Oxford tauschten immerhin die Plätze. Das Times-Ranking sieht traditionell Hochschulen aus der englischsprachigen Welt ganz vorne.

Europäische Nachbarn besser

Doch im Medaillenspiegel für akademische Meriten sind auch andere Länder an der einst stolzen Bildungsnation Deutschland vorbeigezogen: Frankreich, die Schweiz, Kandada oder Australien können bessere Plazierungen vorweisen. Die Pariser Kaderschmiede Ecole Polytechnique schaffte mit Platz 10 einen beachtlichen Einbruch in die Phalanx der angelsächsischen Universitäten. Universitäten aus Spanien, Italien oder Griechenland sucht man bei den guten und mittleren Platzierungen vergeblich.

Top-Unis laut "Times"

Hochschule Punktzahl
1. Harvard 100
2. MIT 86,9
3. Cambridge 85,8
4. Oxford 83,9
5. Stanford 83,4
6. Berkeley 80,6
7. Yale 72,7
8. Caltech 71,5
9. Princeton 64,8
10. Ecole Polytechn. 61,5
(...)
45. Heidelberg 39,6
55. München (LMU) 34,8
105. München (TU) 28
112. Berlin (HU) 27,4
114. Göttingen 27,2
142. Frankfurt 25,3
154. Berlin (TU) 24,7
172. Berlin (FU) 23,3
172. Aachen (RWTH) 23,3
Zu den Kriterien gehören die Zahl ausländischer Studenten und Dozenten, die Betreuungsrelationen zwischen Hochschullehrern und Studenten sowie Daten darüber, wie häufig Veröffentlichungen von Forschern in der Fachliteratur zitiert wurden. Der wichtigste Faktor war aber eine Umfrage unter Wissenschaftlern - sie sollten die weltweit besten Einrichtungen in ihrem Fachgebiet nennen, über die sich ein Urteil zutrauten.

Auch das in der wissenschaflichen Gemeinde als transparent anerkannte Ranking der Universität Shanghai bringt eine ähnliche Rangfolge: Harvard, Cambridge und Stanford obenauf, die Münchener Uni als beste deutsche Hochschule unter ferner liefen.

Für die deutschen Hochschulen läge es bei solchen Zahlen nahe, sich geschlossen in den Schmollwinkel zurückzuziehen oder sich über fragwürdige Kriterien und eine ungerechte Methodik zu beklagen.

Stattdessen feiern Fakultäten einzelne Lichtblicke. So klopften sich die Heidelberger Mediziner dafür auf die Schulter, dass sie im Ranking der medizinischen Fakultäten Platz 16 erreichten. Und die RWTH Aachen gab am Dienstag eigens eine Pressemitteilung heraus, um ihr Abschneiden im Ranking der technischen Hochschulen herauszustreichen - Platz 28.

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