Wettbewerb Weltraumhotel für Multimillionäre

Ihr Blick reicht weit in die Zukunft: Darmstädter Architektur-Studenten entwarfen ein Weltraumhotel. In zwanzig Jahren könnte der kühne Plan realisiert werden, schätzen sie.

Von Manuel J. Hartung


Futuristisch: In der Orbit-Absteige gibt es ein Schwimmbad und einen Servicekern

Futuristisch: In der Orbit-Absteige gibt es ein Schwimmbad und einen Servicekern

Die Schwärze des Alls absorbiert fast jeden Lichtstrahl. Die Erde erscheint von weitem wie eine kleine blaue Kugel mit weißen Flicken. Nur ein länglicher Körper mit silberfarbener Tünche durchbricht die Dunkelheit - das Weltraumhotel "space on line".

So sehen zumindest drei Architektur-Studenten die Zukunft des Astro-Tourismus. Mit ihrem kühnen Entwurf einer Orbit-Absteige gewannen Melanie Klaus, Stefan Böhm und Frank Wallroth den ersten Preis bei einem Wettbewerb der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt.

Die Juroren honorierten nicht nur das Aussehen, sondern auch die Urlaubsvision des Kosmo-Trios: Jeder Gast schwebt mit seinem Spaceanzug in einer Wohnkugel, mit der er durch die Station fliegen kann. Ansonsten ist die Galaxie-Herberge so komfortabel wie jedes irdische Hotel. Sogar den Swimmingpool haben die Studenten auf die Verhältnisse im All angepasst: Die Weltraum-Touristen wanken durch einen abgeschlossenen Raum und treffen hin und wieder auf Wasserblasen. Im Servicekern des Hotels gibt es auch Restaurants in drei verschiedenen Zeitzonen - Jet-lag ade.

Visionärer als die Ingenieure

Entwarfen ein Spacehotel: Frank Wallroth (links), Melanie Klaus und Stefan Böhm

Entwarfen ein Spacehotel: Frank Wallroth (links), Melanie Klaus und Stefan Böhm

Zwölf Wochen bastelten die drei Darmstädter an ihrem Hotel-Modell, zeichneten am Computer, verformten Plastik, kneteten Wachs. Die Planung forderte sie allerdings mehr heraus als der Bau des Modells: "Im Weltraum sind Konventionen wie Decke, Wand und Boden nicht mehr existent", berichtet Baumeister Frank Wallroth, Student im 13. Semester. "Richtig visionär" wollten die angehenden Architekten sein - im Gegensatz zu den Raumfahrt-Ingenieuren: "Die betrachten nur die technischen Möglichkeiten", mäkelt Wallroth. Das Spacehotel überschreite dagegen die Grenze des Machbaren.

In zwanzig bis dreißig Jahren könnte die Kosmos-Herberge jedoch verwirklicht werden, schätzt der 27-jährige Student. Dann könnten neue Raketen das schwere Hotel ins All tragen. Bislang sei das unbezahlbar. Einen Markt für den Weltraumurlaub haben die Darmstädter auch ausgemacht - der amerikanische Multimillionär Dennis Tito habe dies vorexerziert.

Doch allein mit dem Spacehotel geben sich die drei Darmstädter in ihrer Vision nicht zufrieden. "Aus dem Hotel könnte sich eine Weltraum-Stadt von 500 Kilometern Länge entwickeln", phantasiert Wallroth.

Zunächst träumt der 27-Jährige allerdings von einem herkömmlichen Flug ins All. "Das wäre natürlich klasse." Ein kleiner Teil seines Wunsches erfüllt sich in einigen Monaten. Dann wird das Kosmo-Trio den Gewinn des Wettbewerbs einlösen: Die drei Junior-Architekten düsen nach Französisch Guayana, zum Stützpunkt der Europäischen Weltraumbehörde ESA - und sehen dort zu, wie eine Ariane-Rakete in den Himmel abhebt.



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