Wetterfrosch-Nachwuchs Kachelmann, wir kommen

Auf dem Atlantik drohen Tiefausläufer, in Höhenlagen starke Winde und im Studio heftige Versprecher: An der Universität Leipzig trainieren Meteorologie-Studenten für ihren Einsatz als Wetteransager vor der Kamera.


Regentropfen: "Am Wochenende wird es leicht schaurig"
DDP

Regentropfen: "Am Wochenende wird es leicht schaurig"

Matthias Lesche macht einen großen Ausfallschritt nach links. "Hier im Westen...", beginnt er und zeigt auf ein Tief auf der Wetterkarte. Etwas holprig schlägt sich der 23-jährige Meteorologie-Student durch den Rest der Wettervorhersage. "Am Donnerstag wird es leicht schaurig", sagt er zum Schluss und meint eigentlich die dicken Regenwolken auf dem Schirm.

Seine Kommilitonen prusten los. Und auch Lesche kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Die Studenten sitzen auf dem Teppichboden im Fernsehstudio des Zentrums für Medien und Kommunkation (ZMK) der Leipziger Universität und schauen sich den ersten Probedurchlauf für den Wetterbericht vor der Fernsehkamera an. Geschmunzelt haben die Studenten bisher bei jedem Versuch, Regen und Sonne mit Hochs und Tiefs in Verbindung zu bringen.

Prognose bis zum Wochenende

Lesche nimmt die Lacher seiner Mitstudenten daher nicht krumm. Er ist einer von zwölf Meteorologie-Studenten, die am Dienstag ihr Wissen um das Wetter vor der Kamera unter Beweis stellen konnten. Anhand von Daten aus dem ZDF-Wetterbericht vom Vorabend gaben sie im Fernsehstudio im Keller des Seminargebäudes am Augustusplatz ihre Wetter-Prognose bis zum Ende der Woche ab.

TV-Ansager Jörg Kachelmann: "Schaut auch mal die Wetterkarte an"

TV-Ansager Jörg Kachelmann: "Schaut auch mal die Wetterkarte an"

Universitäts-Meteorologe Gerd Tetzlaff, Dekan der Fakultät für Physik und Geowissenschaften, sieht in der Fernsehausbildung eine Bereicherung des Fachstudiums. Die Meteorologie sei zwar eine Wissenschaft, die mit harten Fakten und mathematischen Methoden arbeite, man wolle den Studenten jedoch die Möglichkeit geben, ihr Wissen einmal im Jahr auch vor der Kamera unter Beweis zu stellen. Von allen elf Meteorologie-Studiengängen in Deutschland sei das bisher nur im Leipziger möglich.

MDR-Wetterfee Michaela Koschak schaut gebannt auf die ersten Fernsehversuche der Studenten im achten Semester. "Schön, dass ihr euch den Text nicht vorher ausgedacht habt", lobt die Diplom-Meteorologin. Auch sie schmunzelt über die kleinen Pannen der Studenten. "Haltet die Hand lieber gerade", meint sie, "sonst seht ihr aus wie ein Scheibenwischer." Und noch ein Tipp: "Schaut auch mal die Wetterkarte an."

Warmfronten im luftleeren Raum

Das ist für die angehenden Wetterfrösche gar nicht so einfach. Sie stehen vor einer blauen Wand, zeigen Kalt- und Warmfronten gewissermaßen im luftleeren Raum. Nur auf einer Leinwand vor ihnen sehen sie das Fernsehbild - spiegelverkehrt.

"Es ist gar nicht so schlimm wie es aussieht", meint Tanja Dressel. "Man hat soviel damit zu tun, nicht aus dem Bild zu laufen und in ganzen Sätzen zu reden, dass die zwei Minuten ganz schnell vorbei sind." Ein eigenartiges Gefühl sei es, sich hinter der Kamera ein Publikum vorzustellen. Zum Fernsehen will die 22-Jährige jedoch nicht. Erstmal stehen die Diplom-Prüfungen ins Haus.

"Der Bedarf an Meteorologen ist groß", sagt Koschak. Viele Studenten fingen das Studium an, brächten es dann jedoch nicht zum Abschluss. Viele strebten nach dem Diplom eine wissenschaftliche Karriere an. Dabei suchten gerade die Medien immer wieder Nachwuchsmeteorologen. "Vieles kann man lernen", sagte Koschak. Vor allem die Kombination aus wissenschaftlichem Arbeiten und dem "so-einfach-wie-es-nur-geht" über das Wetter reden mache viel Freude. "Einige Studenten haben sich gar nicht schlecht angestellt", lobte sie und nickt in die Richtung, in der die angehenden Wetterexperten noch immer über dem ersten Videoband fachsimpeln.

Von Jana Radow, ddp



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