Rat vom WG-Psychologen Hilfe, meine Ex-Freundin wohnt bei mir

Liebe in der Wohngemeinschaft - das kann kaum gutgehen. Zur Vorhölle wird es, wenn die Partnerschaft zerbricht und die anderen Mitbewohner in den Streit hineingeraten. Der neue Fall für WG-Psychologe Ludger Büter dreht sich um einen tragischen Vierer.

Liebespaar (Archiv): Was geschieht nach der Trennung?
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Liebespaar (Archiv): Was geschieht nach der Trennung?


Wohngemeinschaften sind eine tolle Erfindung. Das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie spülen nicht ab, leeren fremde Nutella-Gläser, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Was tun?

WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag. Der Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der UniSPIEGEL-Leser. Schreibt uns, was euch in den Wohnwahnsinn treibt (wg-kummer@spiegel.de).

Jens schreibt:

Moin Herr Büter,

in unserer Vierer-WG geht es heiß her. Ich bin zu Beginn meines Studiums dort eingezogen, wir kannten uns alle nicht, haben uns aber schnell angefreundet. Nach einem Semester wurden dann zwei Zimmer frei - eingezogen sind meine damalige Freundin sowie eine gemeinsame Freundin von uns allen. Erst lief alles super, wir wurden eine richtige Familie.

Jedoch habe ich mich dann von meiner Freundin getrennt, was - wie Sie sich denken können - für Aufruhr sorgte. Ein paar Wochen später hat sich dann meine Ex-Freundin aus dem Staub gemacht: Sie bekam mit, dass ich mich wieder mit anderen Frauen treffe. Sie hat seitdem diverse WG-Verabredungen geschwänzt, auch Treffen mit den anderen Mitbewohnerinnen.

Wir verstehen uns mittlerweile wieder gut und können auch einfach befreundet sein. Ebenso verstehe ich mich super mit meinen beiden anderen Mitbewohnerinnen. Jedoch können sich diese beiden Parteien nicht mehr riechen. Jede Kleinigkeit eskaliert unverhältnismäßig.

Zum Teil sind persönliche Gespräche gar nicht mehr möglich. Per Whatsapp und Facebook schreiben sie sich Sätze wie: "Bleib, wo der Pfeffer wächst" und "Sieh zu, dass du endlich ausziehst!" Jetzt haben sie sich gegenseitig blockiert.

Ich habe schon zu vermitteln und zu moderieren versucht, das wurde jedoch schon schnell abgebrochen. Meine Ex-Freundin will jetzt ausziehen, doch das geht leider nicht Hals über Kopf. Bis dahin ist unsere Wohnung das Tor zur Hölle. Ich weiß langsam nicht mehr, wie ich damit umgehen soll.

WG-Psychologe Ludger Büter antwortet:

Lieber Jens,

Ihre Geschichte gibt eine häufige Erfahrung wieder, wenn Partnerschaften in WGs zerbrechen. Diese haben meist unter den Folgen zu leiden, weil die Gegenwart der Zerstrittenen die Stimmung aller in Mitleidenschaft zieht. Da die Sympathie fast nie gleich verteilt wird, bleibt auch die Bildung von Fraktionen nicht aus.

Ihre vormalige Beziehung erfolgreich auf eine Freundschaft zurückgeführt zu haben, ist sehr respektabel, weil das nur wenigen gelingt. Ihr Bemühen um Vermittlung zwischen den Mitbewohnerinnen ist jedoch gescheitert. Die Verärgerung sitzt offenbar zu tief. Freundschaftliche Verbundenheit schlug in Feindseligkeit um, die nicht mehr zu befrieden ist. Es bleibt nur, die Situation durch die Trennung, das heißt, den geplanten Auszug, zu bereinigen.

Bis zu diesem Zeitpunkt gehen sich die Streitenden so gut wie möglich aus dem Weg und versuchen, sich nicht mit den üblichen WG-Mitteln zu provozieren: Schmutz hinterlassen, Vereinbarungen, Grundregeln ignorieren.

Wirken Sie bei den Nachbarinnen darauf hin und glätten auch Sie mal eine Verwerfung, die Sie selbst nicht verursacht haben, das heißt: Räumen Sie z.B. auf, was jemand der oder den anderen im Trotz liegen ließ. Das wäre natürlich kein Rat auf Dauer, wohl aber für die gegebene Notlage.

Ihres ist ein sehr gutes Beispiel dafür, was aus WGs werden kann, die zu große Nähe und Verbundenheit geschaffen haben. Eine WG sollte niemals eine "richtige Familie" sein, weil die Investition an Gefühlen und Erwartungen zu groß und deren Austausch nicht stabil ist. Irgendwann möchte der Erste nicht mehr mitmachen, weil ihm oder ihr "alles zu viel", zu eng geworden ist. Aus dem Rückzug ergeben sich dann wie von selbst das Beleidigtsein der anderen, Strafmaßnahmen, "Revanchefouls" usw; also viel von dem, was Sie für Ihre WG beschrieben haben.

Sollte es also eine weitere WG mit Ihnen geben, bewahren und unterstützen Sie eine freundschaftliche Mitte zwischen den Extremen der "Familie" und trockener Geschäftsmäßigkeit. Das Nachrücken einer Partnerin passt hierzu übrigens nicht besonders gut.

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    Willkommen, Wehleidige, Schnorrer, Obersnobs: Eine WG ist an sich prima, sie spart Geld und spendet Gesellschaft. Wenn nur die Nervensägen in den Nachbarzimmern nicht wären. Lest hier: die Typologie elf potentieller WG-Genossen. mehr...

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fatherted98 18.02.2014
1. Tja...
...das kann boese auf die Psche gehen...wenn die EX es nebenann lautstark treibt und morgens durchgewalkt in die Kueche stolpert...und ihr neuer unten ohne hinterher....da heisst es rausschmeissen oder selber gehen...oder am Besten erst gar nichts in der WG anfangen...ist aber meist leichter gesagt als getan.
rockmadroll 18.02.2014
2. Tja,
wieder mal ein Bericht über Menschen, die die naheliegenste Lösung nicht sehen. Man kann auch gar nichts mit niemandem machen. Dann entstehen solche Probleme erst gar nicht.
sybilvane 18.02.2014
3. @rockmadroll
Ja, das erspart einem viele, wenn nicht alle Probleme im zwischenmenschlichen Bereich. Ist auf Dauer aber verdammt einsam...
unistudent 18.02.2014
4.
Super! Wieder einmal ein Artikel, welcher an Sinnlosigkeit kaum zu übertreffen ist. Man könnte ja in dieser Rubrik so viel Interessantes über den akademischen Bereich schreiben. SPON wandelt sich zum Unterhaltungsmedium...
forenaccount 18.02.2014
5.
Zitat von rockmadrollwieder mal ein Bericht über Menschen, die die naheliegenste Lösung nicht sehen. Man kann auch gar nichts mit niemandem machen. Dann entstehen solche Probleme erst gar nicht.
Sie sind ja mal 'ne fiese Spaßbremse.
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