Gadgets für die WG E-Mails von der Waschmaschine

Ein Jahr lang wohnen Uni-Absolventen zusammen in einer WG in Bern und entwickeln intelligente Alltagsgegenstände. Einen digitalen Busfahrplan gibt es schon - aber der Kühlschrank ist immer noch dumm.

SWISSCOM.CH

Eine Waschmaschine, die E-Mails schickt, wenn sie fertig ist; ein Türöffner, der per App bedient wird; Blumentöpfe, die über LED den Wasserstand anzeigen - und Musik, die nur in dem Raum zu hören ist, in dem man sich gerade befindet: So könnte einmal die Wohngemeinschaft der Zukunft ausgestattet sein.

Das glauben jedenfalls die Informatiker Daniel Geppert und Johannes Neumaier sowie der Designer Thomas Petrig. Ein Jahr lang haben sie in einem sanierten Altbau in der Schweizer Hauptstadt Bern gewohnt. Ihre Mission: im Auftrag des Schweizer Telekommunikationsanbieters Swisscom eine WG für das digitale Zeitalter auszurüsten. Nicht mit Flachbildschirmen, Laptops und Spielekonsolen, sondern mit Alltagsgadgets. Ihr Budget: 24.000 Schweizer Franken, gut 22.000 Euro.

Geppert, Neumaier und Petrig haben die WG mit zahlreichen Alltagserleichterern ausgestattet. Die aufwendigste Erfindung war ein Busfahrplan in Echtzeit. Dafür nutzen sie frei zugängliche Daten der Verkehrsbetriebe und lassen die Abfahrten von der Haltestelle um die Ecke anzeigen - stilecht mit Leuchtdioden. "So muss sich keiner mehr kurz vor der Arbeit durch die App klicken, um zu wissen, wann die nächste Straßenbahn fährt", sagt Petrig. Trotz aller digitaler Helfer gibt es aber noch reichlich Bedarf - zum Beispiel nach einem Kühlschrank, der automatisch Bier nachbestellt. Diesen können vielleicht die neuen Mitbewohner entwickeln, die im Oktober die alte Truppe abgelöst haben.

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
helmut.alt 17.11.2015
1.
Eine solche elektronische Übertechnisierung ist überflüssig wie ein Kropf weil die persönliche Entscheidungsfreiheit und der Gestaltungsspielraum auf der Strecke bleiben. Man gibt einen Teil seiner freien Entscheidungen auf und wird von Geräten manipuliert.
großwolke 17.11.2015
2.
Es gibt inzwischen so viele gute und sinnvolle Erfindungen im Smart-Home-Bereich, die das Alltagsleben leichter machen können, wenn man denn auf sowas steht. Trotzdem hält sich nach wie vor die blöde Idee mit dem smarten Kühlschrank in den Köpfen. Der Unterschied? Bei den meisten anderen Geschichten geht es entweder um ein bisschen zusätzlichen Komfort, der nach der Anfangsinvestition nix mehr kostet, oder um Gadgets, die aktiv Geld einsparen, Strom und Heizung in den meisten Fällen. So ein selbstbestellender Kühlschrank fällt da in allen Kategorien raus. Zum einen wäre der Dienst nur für einen kleinen Teil der Lebensmittel nützlich. Denn wer will schon tagein, tagaus immer wieder das exakt Gleiche essen und trinken? Und zum anderen würde so ein Gerät den Bedarf an einer Dienstleistung erschaffen, die das Leben komplizierter macht (ich muss sicherstellen, dass ich zu den Lieferzeiten zuhause und ansprechbar bin) und außerdem den Lebensmitteleinkauf nachhaltig verteuert. Wenn der Supermarkt sich die Lieferung nicht direkt bezahlen lässt, schlägt er die Kosten unsichtbar aufs gesamte Angebot auf. Die Idee, immer frische Milch dazuhaben ohne alle paar Tage in den Supermarkt rennen zu müssen, mag beim ersten Hören ansprechend klingen. Aber der richtig große Mehrwert kommt dabei nicht rum, und dafür ist die Umsetzung gar nicht mal so einfach und daher vermutlich eher auch etwas teurer.
fleischzerleger 17.11.2015
3.
Der Kühlschrank wird auch weiterhin dumm bleiben und genauso wenig zukünftig smarter werden. Das hat er mit anderen smarten Geräten gemeinsam, die alle nicht besser in bestimmten Situationen funktionieren können als deren Entwickler es sich vorgestellt haben.
Stäffelesrutscher 17.11.2015
4.
»Die aufwendigste Erfindung war ein Busfahrplan in Echtzeit. Dafür nutzen sie frei zugängliche Daten der Verkehrsbetriebe und lassen die Abfahrten von der Haltestelle um die Ecke anzeigen - stilecht mit Leuchtdioden. "So muss sich keiner mehr kurz vor der Arbeit durch die App klicken, um zu wissen, wann die nächste Straßenbahn fährt", sagt Petrig.« Es handelt sich offenbar um die Haltestelle Papiermühle. Dort fährt keine Straßenbahn, das nur nebenbei. Und einen Bahnfahrplan im 15-Minuten-Takt wird man ja wohl noch im Kopf haben können. Alarm bei Betriebsstörung wäre die einzige Nutzanwendung, die mir sinnvoll erscheint.
esteba9 17.11.2015
5. Stanislaw Lem
hat sich zu dem Thema schon vor etlichen Jahren seineGedanken gemacht. Siehe in seiner Kurzgeschichtensammlung "Test" unter "Die Waschmaschinentragödie". Erschienen auf deutsch 1971, als Taschenbuch bei Fischer.
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© UNI SPIEGEL 5/2015
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