Widerspruch gegen Uni-Entscheidung Koch-Mehrin will Doktortitel zurück

Silvana Koch-Mehrin nimmt die Aberkennung ihres Doktortitels nicht hin. Nach Informationen des SPIEGEL hat die FDP-Politikerin Widerspruch gegen die Entscheidung der Uni Heidelberg eingelegt - der Streit könnte vor Gericht landen.
FDP-Politikerin Koch-Mehrin: Klage vor dem Verwaltungsgericht?

FDP-Politikerin Koch-Mehrin: Klage vor dem Verwaltungsgericht?

Foto: dapd

Heidelberg - Die vergangenen Wochen waren für Silvana Koch-Mehrin alles andere als erfolgreich. Erst entzog ihr die Universität Heidelberg wegen Plagiaten den Doktortitel. Dann konterte der Uni-Dekan Koch-Mehrins Vorwürfe, die Hochschule habe die Schwächen der Arbeit schon lange gekannt. Und Ende Juni verließ die 40-Jährige den EU-Forschungsausschuss, nachdem massive Kritik an ihrer Mitgliedschaft in dem Gremium laut geworden war.

Nun kämpft Koch-Mehrin um ihren Ruf - und um ihren Doktortitel. Die Europaparlamentarierin hat nach SPIEGEL-Informationen Widerspruch gegen die Entscheidung des Promotionsausschusses der Uni Heidelberg eingelegt, ihr den Titel zu entziehen. Hält die Uni an der Entscheidung fest, könnte Koch-Mehrin vor dem Verwaltungsgericht klagen.

Der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät hatte ihr im Juni den Doktortitel entzogen, weil die Dissertation "in substantiellen Teilen aus Plagiaten besteht", wie Dekan Manfred Berg sagte. Demnach waren auf rund 80 Textseiten der Dissertation über 120 Stellen zu finden, die "nach Bewertung des Promotionsausschusses als Plagiate zu klassifizieren sind".

Die Plagiate stammen aus über 30 verschiedenen Publikationen, von denen zwei Drittel nicht im Literaturverzeichnis zu finden sind. Laut Berg legten Quantität und Qualität der nachweisbaren Plagiate zwingend die Schlussfolgerung nahe, Koch-Mehrins Dissertation stelle keine "selbständige wissenschaftliche Arbeit" im Sinne der Promotionsordnung dar: "Angesichts der Vielzahl und des systematischen Charakters der Plagiate kann kein Zweifel daran bestehen, dass sich Frau Koch-Mehrin in ihrer Dissertation fremdes geistiges Eigentum angeeignet und als das eigene ausgegeben hat."

In "jedweder Weise disqualifiziert, für die Forschung zu sprechen"

Die Plagiatsaffäre Koch-Mehrin hatte sich zur Belastung für die FDP entwickelt. Die Entscheidung der Politikerin, ihr Mandat im Europaparlament trotz der Aberkennung des Doktortitels zu behalten, stieß in der Parteispitze auf Unverständnis. In der FDP-Führung hofft man noch auf einen freiwilligen Mandatsverzicht Koch-Mehrins, ansonsten, so ein Spitzenpolitiker Ende Juni im SPIEGEL, müsse man sie "an ihre Verantwortung als Parlamentarierin erinnern".

Bisher hat Koch-Mehrin ihr Mandat im EU-Parlament noch nicht zurückgegeben. Allerdings verzichtete sie auf einen Platz im EU-Forschungsausschuss, nachdem es auch aus der eigenen Partei harsche Kritik gegeben hatte. "Frau Koch-Mehrin hat nicht die nötige Sensibilität aufgebracht, um ihre geplante Mitgliedschaft im Forschungsausschuss rückgängig zu machen", hatte etwa der FDP-Abgeordnete Holger Krahmer gesagt, ehe Koch-Mehrin sich freiwillig aus dem Gremium zurückzog. "Die Situation belastet die Arbeit der anderen liberalen Abgeordneten."

Auch führende Wissenschaftler hatten vehement einen Verzicht Koch-Mehrins gefordert. Plagiate seien kein Kavaliersdelikt, sagte der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Karl-Ulrich Mayer. Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Peter Gruss, sprach von einem "verheerenden Signal, wenn sich jemand für die Belange der Forschung politisch einsetzen soll, der selbst Prinzipien des wissenschaftlichen Arbeitens verletzt und das geistige Eigentum anderer nicht achtet". Es gebe, so Gruss, eine "unselige Titelhuberei". Koch-Mehrin habe sich in "jedweder Weise disqualifiziert, für die Forschung zu sprechen".

Koch-Mehrin ist nicht das einzige FDP-Mitglied, dem in den vergangenen Wochen ein akademischer Grad aberkannt wurde. Erst vor wenigen Tagen hatte auch Jorgo Chatzimarkakis (FDP) seinen Doktortitel verloren. Er wolle die juristische Begründung der Uni Bonn abwarten, verkündete Chatzimarkakis, und "eine erneute Doktorarbeit in Angriff nehmen".

ulz