Feiern für Fortgeschrittene Kann ich mein Bier aufbeißen?

Zisch und offen - Möchtegern-Rocker machen sich und anderen gern mal ein Bier mit den Zähnen auf. Die Party-Experten Sebastian Leber und Nana Heymann erklären, was Zahnärzte dazu sagen, und sie stellen Alternativen vor. Teil 3 der Feier-Ratschläge: Wie kriege ich lässig ein Flasche auf?
Schlechte Idee: Ein Bier mit den Zähnen öffnen

Schlechte Idee: Ein Bier mit den Zähnen öffnen

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Egal, was Ihnen Freunde, große Brüder oder welche Trunkenbolde auch immer weismachen wollen: Tun Sie es nicht! Denken Sie nicht mal dran. Erfahrene Zahnärzte können Ihnen Geschichten von abgesplitterten Schneide- und zerkratzten Backenzähnen erzählen, die nur dran glauben mussten, weil irgendein Möchtegern sich für einen Rock'n'Roller hielt. Zum Mitschreiben: Kronkorken bestehen aus Blech, und Blech nix gut für Zähne! Sollten Sie Ihr Bier also unbedingt mit den Zähnen öffnen wollen, dann überreden Sie bitte einen naiven Mitmenschen, es mit seinen zu tun. Haben Sie vielleicht einen kleinen Bruder?

Ansonsten gibt es auch gesündere Methoden, ohne Flaschenöffner ein Bier zu entkorken. Alle hier vorgestellten wurden getestet und für gut befunden.

1. Feuerzeug mit Hebelwirkung. Der Klassiker. Mit der linken Hand umklammert man den Flaschenhals, so dass zwischen Kronkorken und Zeigefinger knapp ein Zentimeter Luft bleibt. Genau dort - am besten nicht direkt über einem Knöchel - setzt man dann mit der rechten Hand das untere Ende des Feuerzeugs an. Durch Herunterdrücken des Feuerzeugs auf der einen Seite drängt es auf der anderen nach oben. Diese Technik muss man üben, am besten an langen, langweiligen Nachmittagen in der Pubertät. Nachteil: Feuerzeuge können zersplittern, und wenn es ganz dumm läuft, landen Teile davon im Auge.

2. Schlüssel. Funktioniert nur, wenn das obere Ende des Schlüssels eine gerade Kante hat. Technik ist dieselbe wie beim Feuerzeug. Alternativ eignen sich auch Schraubenzieher, Plastikküchenbretter oder der Metallgriff vom Locher. Klingt martialisch, tut aber nicht weh.

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Feiern für Fortgeschrittene: Die Nacht sei mit euch

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3. Oberschenkel. Zwei Bierflaschen senkrecht nebeneinander halten, langsam oben zusammenführen, bis der Verschluss von Flasche A direkt über den von Flasche B ragt. Dann beide Flaschen festhalten, mit dem Schenkel oder Knie von unten gegen den Boden von Flasche B schlagen, so dass sie den Verschluss von Flasche A absprengt. Beim Einüben der Technik drohen blaue Flecken, doch sie funktioniert. Vorteil: Sieht spektakulär aus. Nachteil: Eine Flasche bleibt ungeöffnet.

4. Tischkante. Flasche dicht und möglichst senkrecht an eine Kante halten, so dass die Zähne des Kronkorkens über den Rand zeigen. Dann mit Schwung von oben auf den Deckel schlagen. Vorteil: Gelingt praktisch immer. Nachteil: Hinterlässt Schrammen in Möbelstücken und Fenstersimsen, sofern die aus Holz oder weichem Plastik bestehen. Am besten eignen sich Bierkästen oder unzerstörbar harte Treppenstufen in Mietshäusern, draußen auf der Straße die Bürgersteigkante.

5. CD. Mit der linken Hand hält man die Flasche etwa im 30-Grad-Winkel von sich weg, der Hals zeigt also schräg Richtung Zimmerdecke. Mit der Rechten führt man die CD wie eine Frisbee, schwingt sie mit einer Drehung im Handgelenk und knallt sie von unten gegen den Korkenrand. Braucht Übung und macht Kratzer am Rand der CD. Anfänger benutzen besser unbeschriebene Rohlinge.

6. Blatt Papier. Einmal längs falten. Einmal quer falten. Dann drei Mal hintereinander längs falten und das Papier anschließend zu einem Hufeisen biegen. Es ist nun so stabil, dass man es ansetzen kann wie einen ordinären Flaschenöffner.

Dies ist ein Auszug aus dem Buch "Nachts sind alle Katzen blau. Feiern für Fortgeschrittene", erschienen im Goldmann-Verlag.