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Ich verspotte meine Uni:: Wie sich Studenten bei Facebook über ihre Alma Mater lustig machen

Foto: Verspottet/Ruhr Universität Bochum

Uni-Spott auf Facebook So lästern Studenten über ihre Kommilitonen

An der Uni lässt sich gut spotten - über divenhafte Dozenten, bröckelnde Bauten oder beknackte Kommilitonen. Ein Bochumer Lehramtsstudent sammelt auf Facebook die schönsten Hochschul-Lästereien. Tausenden gefällt das.

Die Katastrophen lauern an jeder Ecke. Zum Beispiel auf dem Herren-Klo im Trakt der Naturwissenschaften. Ein Schwarm Fliegen hat sich dort eingerichtet und lässt sich partout nicht vertreiben. Und so taucht eines Tages ein Aushang auf.

Man wolle es fortan mit einer "team-basierten Strategie" versuchen, steht dort unter dem offiziellen Siegel der Ruhr-Uni Bochum. Jeder solle sich künftig bemühen, "vor (wahlweise auch nach) jedem Toilettengang durchschnittlich ein bis zwei Fliegen zu jagen und anschließend zu entsorgen".

Und weiter: "Unsere Berechnungen, unter Einbeziehung der Anzahl der Beschäftigten auf NA 4 Nord und der Anzahl der durchschnittlichen Toilettengänge, haben ergeben, dass sich die Fliegenbelastung auf diese Weise innerhalb nur eines Monats auf ein geringes bis mittleres Niveau senken lässt." Unterzeichnet hat das Schreiben angeblich Elmar Weiler, der Hochschulchef höchstpersönlich.

Original? Fälschung?

"Wir sind zwar offen für kreative Problemlösungen", sagt eine Uni-Sprecherin. "Aber eine vom Rektor angeordnete Fliegenjagd gibt es nicht."

Der Aufruf macht trotzdem die Runde, auf Facebook . Und nicht nur dieser: Auf der Seite "Verspottet: Ruhr-Universität Bochum"  postet der Lehramtsstudent Fabian Adamczewski, 24, was seine Kommilitonen ihm aus dem Leben an einer Massen-Uni so zuschicken - vom Fliegenproblem auf dem Herren-Klo über unmögliche Parkmanöver bis zum ungenießbaren Mensa-Essen.

Und das mit überraschendem Erfolg: Mehr als 13.000 Menschen gefällt die Seite inzwischen. Sie stillt ein offenbar drängendes Bedürfnis: Wie geht man mit den kleinen Absurditäten und den größeren Unannehmlichkeiten des Uni-Lebens um? Man teilt sie mit Leidensgenossen - und lacht darüber.

"Ich habe nie irgendeine Art von Werbung für die Seite betrieben", sagt Fabian Adamczewski. Die Likes kamen wie von selbst. 30 waren es schon am ersten Tag, als Adamczewski die Seite - aus dem Hörsaal heraus mit dem Smartphone - vor knapp zwei Jahren startete. Obwohl er lediglich seinen Sitznachbarn eingeweiht hatte. "Da war mir dann schon klar, dass dort ein gewisses Potenzial besteht."

Schnappschuss vom Campus: "Ein neuer gemütlicher Schlafplatz im NA04-Flur"

Schnappschuss vom Campus: "Ein neuer gemütlicher Schlafplatz im NA04-Flur"

Foto: Privat

Inzwischen erhält er pro Tag durchschnittlich 15 Einsendungen von Nutzern. Manchmal sind es kleine Alltagsbeobachtungen, die zeigen, was für ein kurioser Mikrokosmos die Universität mitunter ist.

Da bricht ein Dozent die Vorlesung ab, nur weil ein Papierflieger geworfen wurde. Da stöbert eine Studentin im vollbesetzten Hörsaal im Internet nach Unterwäsche. Da schläft jemand mitten auf dem Gang. Da setzen sich einige Studenten - aus welchen Gründen auch immer - mit Nudelsieben auf den Köpfen in eine Vorlesung.

Manchmal sind die Schnappschüsse auf der Spott-Seite allerdings auch weniger schmeichelhaft für die Hochschule. Kabel hängen von der Decke, ein Hörsaal-Pult baumelt aus seiner Verankerung, ein Eimer fängt Wasser auf, das durch die Decke tropft. Die Seite gibt einen schonungslosen Einblick, wie baufällig eine Hochschule in Deutschland aussehen kann.

Und wie reagiert die Ruhr-Uni auf die Häme? Erfreut. Das sagt zumindest Sabrina Kauschke, die in der Kommunikationsabteilung die offizielle Facebook-Seite der Uni betreut. "Es ist interessant zu sehen, was da passiert", sagt sie. Und manchmal ganz hilfreich, um die Arbeit des Hausmeisters besser zu koordinieren.

Zum Beispiel, als bei Facebook ein Foto dieses Schildes  auftauchte: "Private Toilette. Nicht zur allgemeinen Benutzung bestimmt." Ob die Inbesitznahme eine Reaktion auf die Fliegenplage an anderer Stelle war, ist nicht überliefert. Das Schild hat Kauschke jedenfalls schnell entfernen lassen. Den Eimer, der in einem Hörsaal das durch die Decke tropfende Wasser auffängt, musste sie dagegen stehen lassen. Aber immerhin hat Kauschke nach dem Facebook-Post nachgehakt, wie lang die Reparaturen dauern.

Der Uni-Spott ist mittlerweile auch andernorts populär: Ähnliche Seiten gibt es für die Universitäten Bonn , Köln , Bielefeld , Hannover , Bremen , St. Gallen  und Bern  - allerdings kommt keine bisher auf so viele Likes wie die aus Bochum.

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