Wildes Uni-Ritual Studenten protestieren nackt gegen Nacktlauf-Verbot

Splitternackt auf eisigen Wegen: Der Präsident der amerikanischen Tufts-Universität hat die Flitzer satt. Der winterliche Nacktlauf sei zu gefährlich und arte in ein "Massaker" aus. Mehr noch als verstauchte Knöchel besorgt den Uni-Chef allerdings der massive Alkoholkonsum seiner Erstsemester.

Tufts-Nacktlauf, 2008: So geht es nicht weiter, zitiert wickedlocal.com den Uni-Präsidenten

Tufts-Nacktlauf, 2008: So geht es nicht weiter, zitiert wickedlocal.com den Uni-Präsidenten

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Lange hat Lawrence Bacow die volltrunkenen Studenten auf seinem Campus gewähren lassen. Jedes Jahr im Dezember feiern dort vor allem die Erstsemester an der renommierten Privat-Uni mit einem Nacktlauf und viel Alkohol, dass sie die ersten Monate des Uni-Lebens überstanden haben.

Bei eisigen Temperaturen und oft auf verschneiten und vereisten Wegen rennen sie rund um den Platz The Quad, manche ziehen völlig blank, andere behalten Unterhosen und BHs an oder schützen sich mit Mützen und Handschuhen gegen die Kälte.

Der Spaß ist an vielen US-Unis beliebt, doch meist rennen die Studenten im Sommer, etwa beim kalifornischen Undie Run, der züchtiger und in Unterwäsche, aber ebenso mit exzessivem Trinken abläuft.

Schnapsleiche im Vorgarten des Uni-Präsidenten

Als 2002 zwei Tufts-Studenten beinahe an einer Alkoholvergiftung starben und mehrere Knochenbrüche, verstauchte Knöchel und Handgelenke verarztet werden mussten, wollte Uni-Präsident Bacow das "Massaker", wie er es nannte, schon beenden - doch Studenten überzeugten ihn, sie bekämen die feiernde Meute schon in den Griff.

Wie bei einem Sportereignis schützten im Jahr darauf Absperrungen die nackten und halbnackten Läufer vor Zuschauern, Uni-Mitarbeiter streuten und salzten die Wege, auf denen die barfüßige Studentenhorde über den hügeligen, winterlichen Campus rannte. Sogar Essen wurde verteilt, damit die Studenten nicht auf leeren Magen trinken. "Leider mussten wir feststellen, dass diese Maßnahmen das Ereignis nur noch größer gemacht haben", sagte ein zerknirschter Bacow der Zeitung "Boston Globe".

Nacktlauf an der Tufts-Universität

2007 ging es beim Naked Quad Run an der Tufts-Universität recht gesittet zu - zumindest auf dem Streckenabschnitt, den dieses Amateurvideo auf YouTube zeigt. SPIEGEL ONLINE konnte Inhalt und Herkunft nicht überprüfen.

Jetzt soll endgültig Schluss sein. Zwölf Studenten im Krankenhaus, davon zwei mit lebensbedrohlichen Alkoholwerten, einer in Polizeigewahrsam - das sei die Bilanz des Laufs im vergangenen Dezember, sagte Bacow. Man sei "nur knapp einer Tragödie entgangen". "Weil wir den Lauf nicht mehr kontrollieren können, können wir diese 'Tradition' nicht fortführen", schrieb der Präsident in einem Meinungsbeitrag für die Campus-Zeitung "Tufts Daily".

Präsident: "Perverse Besäufniskultur"

Die Studenten allerdings wollen sich ihr Event, das seit den siebziger Jahren zum Ende des Herbstsemesters steigt, nicht nehmen lassen. "In einem friedlichen, nüchternen Protest gegen die Entscheidung des Präsidenten", rannten in der Nacht zum Dienstag mehrere Dutzend Studenten über den Campus, um den Naked Quad Run zu retten, berichtete die Uni-Zeitung "Tufts Daily". Der hochschuleigene Sicherheitsdienst sah den Studenten zu, schritt aber nicht ein, berichtete ein Augenzeuge.

Bereits im vergangenen Sommer hatte sich Präsident Bacow über eine "perverse Besäufniskultur" auf seinem Campus beklagt, nachdem ein Student nach einem Sieg der lokalen Football-Mannschaft betrunken in seinem Vorgarten zusammengebrochen war. Die Alkohol-Opfer-Statistik aus dem vergangenen Jahr, die der Präsident zitiert, klingt tatsächlich dramatisch: Einen Monat nach Semesterbeginn waren schon 16 Undergraduate-Studenten der Uni mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus gewesen, im Juni zählte die 9500-Studenten-Hochschule schon 60 hospitalisierte Schnapsleichen.

Die Uni will derweil Vorschläge von Studenten sammeln, wie sich das Semesterende feiern lässt, ohne sich betrunken auszuziehen. Zwei Studentenvertreter begrüßten in der Campus-Zeitung die Initiative ihrer Hochschule. Studentenvertreterin Sarah Habib kritisierte den spontanen Nacktlauf-Protest ihrer Mitstudenten als falsch - sie sollten doch lieber einen Winter-Karneval oder Konzerte organisieren oder sich Alternativen zum Nacked Run ausdenken. Für die Gewinne des Ideenwettbewerbs lobte die Uni iPad-Tabletcomputer aus.

Ein Student, der am Montagabend für den Lauf demonstrierte, aber seinen Namen nicht in der Studentenzeitung "Tufts Daily" lesen wollte, sieht schwarz für solche zahmen Reformvorschläge: Das die Campus-Polizei nicht eingegriffen habe, zeige, dass die Veranstaltung nicht zu stoppen sei. "Es wird wieder passieren. Und es werden noch mehr Leute werden."



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
DonLucio 16.03.2011
1. Kann eigentlich so schlimm nicht sein
Zitat von sysopSplitternackt auf eisigen Wegen: Der Präsident der amerikanischen Tufts-Universität hat die Flitzer satt. Der winterliche Nacktlauf sei zu gefährlich und arte in ein "Massaker" aus. Mehr noch als verstauchte Knöchel besorgt den*Uni-Chef allerdings der massive Alkoholkonsum seiner Erstsemester. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,751288,00.html
Da wir ja den Amerikanern über kurz oder lang alles nachmachen, steht also demnächst bei uns ein Totalverbot aller studentischen Verbindungen wie Burschenschaften und Corporationen ins Haus. Dort werden bekanntlich regelmäßig die "Füchse" (aka Erstsemester) solange "in die Kanne" geschickt, bis (buchstäblich) der Arzt kommt. Aber der ist ja zumeist in Form eines Alten Herrn nicht weit. Andererseits: Da sich die Korporierten hierzulande ja nicht nackig machen und notorisch sowieso keine Mädels dabei sind, dürfte sich die hiesige Empörung gering halten bzw. gar nicht erst einstellen.
fatherted98 16.03.2011
2. Erstaunlich...
..das die prüden Amis nackisch durch die Gegend laufen...zwar besoffen aber doch nackt...hmm... Letzlich ist das wohl nur eine Art Mutprobe oder Ritual...leider. Zumindest das Nacktbaden und oben ohne sonnen sollte in den USA bundesweit erlaubt werden. Vielleicht ist das ein erster Schritt?
jumbo991 16.03.2011
3. Barfuß
Man läuft den Lauf schon mit Schuhen.
gemamundi 16.03.2011
4. Sponti-Tradition auch in West-Germany 1975.... ;-)) =
Zitat von fatherted98..das die prüden Amis nackisch durch die Gegend laufen...zwar besoffen aber doch nackt...hmm... Letzlich ist das wohl nur eine Art Mutprobe oder Ritual...leider. Zumindest das Nacktbaden und oben ohne sonnen sollte in den USA bundesweit erlaubt werden. Vielleicht ist das ein erster Schritt?
Komm mal runter - DIE prüden Amis gibt es im echten wahren wirklichen Leben so wenig wie die ordnungsliebenden oder die stoffeligen und kartoffelfressenden Deutschen = einen -geringen- Teil meiner Jugend habe ich in den USA (Miami,Milwaukee,New York,usw...)verbracht,später noch 6 Monate in Barcelona - Spanien im Umbruch für 'n jungen,politischen,offen schwulen Menschen war auch nicht schlecht.. - DAS angeblich jeweils landestypische wurde stets nur als Karikatur gesehen,so es vorkam. UND : Nacktflitz-Happenings und auch Nacht-Nackt-Lauf-Wettbewerbe hab ich in den 70ern in NRW mitgemacht - für die 'Burschenschaften' war die Teilnahme verpönt - hach,die ganz ganz Alten haben wohl recht - alles kommt wieder..;-)) Bei Winterkälte übrigens erfrischend, so ein Nackt-Nacht-Lauf - schafft 'n klaren Kopf für die wichtigen und richtigen Ziele - auch die im und für's Studium ! Auf schummeln und abschreiben wären wir doch NIE gekommen - DAS wäre zu systemtypisch gewesen - nur für Kriecher und Schleimer, sowas....
Turcem 16.03.2011
5. Kultur
Welch ein bereicherndes "kulturelles" Ritual!!! Was ist noch daran ethisch? Wir werden zwar nackt geboren, aber das sollte nicht bedeuten, dass wir splitternackt durch die Welt laufen müssen/dürfen! Einfach unnormal hemmungslos!
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