Forschung im EADS-Auftrag Drohnen, wollt ihr friedlich fliegen?

Neuer Ärger um wirtschaftsnahe Forschung: In Potsdam untersuchte ein Uni-nahes Institut im Auftrag von Rüstungsfirmen die zivile Nutzung von Drohnentechnik. Studentenvertreter sind empört über die Nähe ihrer Uni zum Konzern EADS.
Heron-Drohne: Wenig "politische und gesellschaftliche Akzeptanz" für zivile Flüge

Heron-Drohne: Wenig "politische und gesellschaftliche Akzeptanz" für zivile Flüge

Foto: DPA / Rheinmetall

Weil das Geld bei Hochschulen chronisch knapp ist, kooperieren immer mehr Unis mit Firmen - darunter auch Rüstungsunternehmen. Genau darüber ärgern sich schon länger viele Studenten. Sie fragen sich: Wo beginnt gekaufte Wissenschaft? Und wie kann ich verhindern, dass Forschungsergebnisse meiner Hochschule genutzt werden für Waffen und militärisches Know-how?

In Potsdam eröffnete 2010 das Brandenburgische Institut für Gesellschaft und Sicherheit (Bigs). Und über dieses Institut sind nun Details bekannt geworden, die unter dessen Kritikern für neuen Unmut sorgen könnten.

An dem Institut sind neben der Uni Potsdam auch der Konzern EADS, Rolls-Royce und die Sicherheitsfirma IABG beteiligt, Unternehmen also, die auch an Rüstung verdienen. Auf seiner Internetseite schreibt das Institut zu seinen Zielen: Das Bigs wolle die "Interdisziplinarität des Problems 'Sicherheit' analysieren" und "letztlich die Freiheit und Sicherheit nachhaltig" stärken.

Es widmete sich in der Vergangenheit unter anderem der Frage, wie sich militärische Drohnen-Technik im zivilen Bereich nutzen lässt, berichtet die Tageszeitung "taz"  und zitiert aus einer Bigs-Studie: Vekehrswege und Versorgungstraßen ließen sich demnach gut mit Drohnen überwachen, es fehle nur die "politische und gesellschaftliche Akzeptanz".

Was nun Studentenvertreter wütend macht, ist der Gesellschaftsvertrag, den die Uni zur Gründung des Bigs geschlossen hat, aus dem ebenfalls die "taz" zitiert. Mehrheitseigner ist demnach eine Transfergesellschaft, an der wiederum die Uni Potsdam die Mehrheit hält. Kann die Uni also entscheiden, was am Bigs passiert? Offenbar nicht allein, denn in allen wichtigen Fragen sei eine Mehrheit von 75,1 Prozent in der Gesellschafterversammlung vorausgesetzt, schreibt die "taz". EADS hält 25 Prozent an der Gesellschaft und habe bei allen wichtigen Entscheidungen das letzte Wort.

Wie verträgt sich das mit der Freiheit von Wissenschaft und Forschung? Gut, sagt Tim Stuchtey, geschäftsführender Direktor des Bigs. An seinem Institut sei nur ein kleiner Teil tatsächlich Auftragsforschung und bei der sei es normal, dass der Auftraggeber bestimmt, woran geforscht wird. Die Rüstungsfirma EADS beeinflusse die Ergebnisse nicht, der 25-Prozent-Anteil ermögliche es dem Unternehmen lediglich, in gesellschaftsrechtlichen Fragen ein Veto einzulegen. Die Uni habe "über die Transfergesellschaft in allen Gremienfragen die Möglichkeit, Nein zu sagen".

Studentenvertreter befürchten Einflussnahme

Der Antimilitarismusreferent im Potsdamer Asta, Armin Olunczek, sagte der "taz" dazu, er habe den Eindruck, "dass die Geldgeber die Ausrichtung stark beeinflussen". Auch der Soziologieprofessor Jürgen Mackert äußerte sich, an seinem Institut ist der Studiengang "Military Studies" angesiedelt. "Wir sind ein universitärer Studiengang, dem die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre am Herzen liegt", sagte er. "Wir kooperieren deshalb nicht mit einem Institut, an dem die Rüstungsindustrie beteiligt ist."

Was dem Studentenvertreter Olunczek missfällt, kritisieren viele Studenten an deutschen Hochschulen. So hat beispielsweise die Uni Bremen mindestens ein Dutzend Mal ihr Tabu gebrochen, keine Rüstungsforschung zu betreiben. Das belegten interne Recherchen im vergangenen Sommer. In Bremen und in vielen Städten haben sich deswegen Aktionsgruppen und Arbeitskreise zusammengefunden, etwa in Augsburg, Braunschweig, Köln und Gießen; die "Frankfurter Allgemeine" schrieb bereits von einer "Bewegung".

fln