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31. Juli 2013, 08:08 Uhr

Plagiatsvorwürfe

Wissenschaftler stellen sich hinter Lammert

Norbert Lammert soll sich in seiner Doktorarbeit aus ihren Werken bedient haben - doch zwei Wissenschaftler stützen nun den Bundestagspräsidenten. In der "Süddeutschen Zeitung" werfen die Politologen vielmehr dem anonymen Plagiatsjäger unseriöse Arbeit vor.

München - Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) erhält nach den Plagiatsvorwürfen gegen seine Doktorarbeit Beistand aus der Wissenschaft - ausgerechnet von zwei Forschern, bei denen Lammert sich angeblich unerlaubt bedient haben soll. Der Politologe Wolfgang Jäger sagte der "Süddeutschen Zeitung", der anonyme Autor der Vorwürfe habe eine fehlerhafte Dokumentation vorgelegt. "Der hat nicht seriös gearbeitet", sagte Jäger.

Der Aufstellung zufolge, die der anonyme Blogger im Internet veröffentlicht hat, soll sich Lammert bei dem Politikwissenschaftler Jäger bedient und ebenso wie dieser aus einem Buch zitiert haben, das es gar nicht gibt. Dies sei falsch, sagte Jäger nun. Er habe damals zwar den Titel fehlerhaft wiedergegeben, das Buch existiere jedoch. Den Vorwurf nannte Jäger einen "Witz".

Auch der Politologe Hans-Otto Mühleisen stellte sich hinter Lammert: "Ich kann bisher nichts erkennen, was auf ein Plagiat schließen lässt", sagte er der Zeitung. In der Arbeit Lammerts finden sich Ähnlichkeiten mit einigen Werken Mühleisens.

Bislang hat der anonyme Plagiatsjäger eigenen Angaben zufolge erst ein Drittel der Doktorarbeit Lammerts geprüft. Auf seiner Website behauptet er, in der Dissertation befänden sich auf 42 Seiten Textpassagen aus 21 Quellen, bei denen er Unregelmäßigkeiten festgestellt habe. Die Universität Bochum leitete auf Wunsch Lammerts eine Überprüfung der Vorwürfe ein.

Plagiatsjäger will weiter anonym bleiben

Der unter dem Pseudonym Robert Schmidt auftretende Plagiatsjäger sagte der "Welt", er wolle weiter anonym bleiben. "Ich möchte nicht in der Öffentlichkeit stehen", zitiert die Zeitung eine E-Mail. Darin schreibt er weiter, er sehe in der Untersuchung der Universität Bochum einen möglichen Interessenkonflikt, "da Herr Lammert als Honorarprofessor Mitglied der Fakultät ist und somit eine Befangenheit bestehen könnte".

Er habe die Dissertation seit Mitte Juni untersucht und rund 250 Arbeitsstunden investiert, erklärt der Plagiatsjäger demnach weiter. Er wehre sich zudem gegen den Vorwurf, eine politische Agenda zu verfolgen: "Ich hätte zum Beispiel auch wissenschaftliches Fehlverhalten prominenter SPD-Mitglieder öffentlich gemacht, aber das hat sich nicht so ergeben."

Erst Anfang des Jahres war Annette Schavan von ihrem Amt als Bundesbildungsministerin zurückgetreten, nachdem ihr der Doktortitel aberkannt worden war. Auch in diesem Fall hatte der Plagiatsjäger die ersten Hinweise auf Fehler in der Dissertation gegeben.

fdi/AFP/dpa

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