Wissenschaftsrat Professoren sollen Lehren lernen

Wie wird die Lehre besser? Der Wissenschaftsrat fordert 1,1 Milliarden Euro von der Politik und mehr Professuren an deutschen Unis. In einigen Fächern will der Rat das Lehrpersonal sogar um ein Drittel aufstocken.


Der Wissenschaftrat forderte am heutigen Montag in Berlin 1,1 Milliarden Euro für die Verbesserung der Lehre an den deutschen Hochschulen. Dies sei eine "Mindestanforderung" für die Verbesserung der Lehre, der Betrag sei "moderat kalkuliert", hieß es in einer Pressemitteilung.

Peter Strohschneider, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, fordert 1,1 Milliarden Euro
DPA

Peter Strohschneider, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, fordert 1,1 Milliarden Euro

Mit etwa einem Drittel des Geldes sollen mehr Professoren berufen werden, die sich verstärkt der Lehre annehmen. Für eine Qualitätsverbesserung von Lehre und Studium seien "jährlich rund 1,1 Milliarden Euro zusätzlich notwendig, davon 357 Millionen Euro allein für bessere Betreuungsverhältnisse in stark nachgefragten Fächern", sagte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Peter Strohschneider.

Welche Fächer der Wissenschaftsrat für besonders hilfsbedürftig hält, berichtete der SPIEGEL am vergangenen Samstag in einer Vorabmeldung: Das Geld soll vor allem für mehr Professuren in den Sprach- und Kulturwissenschaften, sowie in Jura, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ausgegeben werden. In diesen Fächern soll die Zahl der Professoren um 33 Prozent, in anderen Fächern um zehn Prozent steigen, so der SPIEGEL unter Berufung auf den Wissenschaftsrat. Laut statistischem Bundesamt ist die Zahl der Professoren seit zehn Jahren nahezu unverändert. Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland 37.700 Lehrstühle.

"Es braucht mehr Geld"

Es dürften weder ein niedrigeres Anspruchsniveau, noch überlange Studienzeiten oder "dramatisch hohe Durchfallquoten" hingenommen werden, sagt Strohschneider weiter. Mit Appellen an das Engagement der Lehrenden sei es nicht mehr getan, sagt er, "es braucht auch mehr Geld".

Strohschneider verlangte außerdem mehr Respekt für die lehrenden Kollegen: "Leistungen in der Lehre müssen dasselbe Ansehen in Wissenschaft und Öffentlichkeit genießen wie Erfolge in der Forschung." Er forderte eine "neuartige Lehrkultur", die die Qualität der Lehre anerkenne und auszeichne. Es soll künftig Lehr-Professoren geben, die zwölf Stunden pro Woche statt der üblichen acht oder neun Stunden unterrichten müssen.

Wie der SPIEGEL berichtete, soll ein Teil der 1,1 Milliarden Euro jährlich auch für "professionelle Aus- und Weiterbildung" des universitären Lehrpersonals ausgegeben werden.

Als wichtigstes deutsches Beratungsgremium in Wissenschaftsfragen hat der Wissenschaftsrat großen Einfluss auf die Politik. Gemeinsam mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft war er auch für die Kür der Elite-Unis in der Exzellenzinitiative verantwortlich. Dabei wurden in den Jahren 2006 und 2007 insgesamt 1,9 Milliarden Euro für eine Verbesserung der Forschung an ausgewählte Universitäten verteilt.

Studentenvertreter, aber auch namhafte Professoren kritisierten damals, dass dieses Geld den Studenten aber wenig nütze - Raumnot und übervolle Vorlesungen werden kann man nicht abschaffen, indem man nur Geld für die Spitzenforschung verteile.

cht/AP,AFP



insgesamt 203 Beiträge
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Seite 1
kellitom, 19.10.2007
1. Deutsche Unis erreichen bald Aldiniveau
Auf dem Weg zu Unternehmen sinkt das Niveau deutscher Universitäten kontinuierlich auf Aldiniveau. Master und Bachelor statt Diplom sind Ausdruck dieses Niedergangs. Durch die Studiengebühren abgeschreckt, sinkt auch die Zahl der Studierenden. Geisteswissenschaften werden völlig vernachlässigt, das Einzige, was zählt, ist die Marktreife der Unis. Dieses beschränkte betriebswirtschaftliche Denken vieler Unileitungen ist Folge der neoliberalen Privatisierungswelle, die immer mehr Menschen in die Armut treibt und statt einer transparenten Demokratie eine Diktatur des Kapitals implantiert. Deutschlands Aldisierung auf allen Gebieten macht das Land der Dichter und Denker zum Land der Henker geistiger Werte.
ax0l0tl 19.10.2007
2.
Nunja..ich selbst habe in Freiburg studiert, hatte zwar nur Einblick in sehr wenige Fakultaeten, die sich jedoch unter anderem als Aushaengeschild der Universitaet schimpfen lassen duerfen. Mein Fazit: Wie dieser "Laden" als eliteuni-wuerdig bezeichet werden kann, ist mir unverstaendlich.
derien, 19.10.2007
3. sowas
im grunde genommen ist nicht die uni Elite, sondern einzelne fakultäten.Ich finde es sehr pauschal, eine Uni so zu etikettieren. Geht diese Definierung nicht irgendwie in der ganzen Ausführung verloren? Während Naturwissenschaften gern gefördert werden, sind die Geisteswissenschaften von ihrem Status definitiv unelitär, dafür sprichtja auch konstanz´s einziger kopfcluster. Und Aachen ist jetzt auch nicht gerade für seine Geisteswissenschaft mit hoher REputation versehen.
MamaMiracoli 19.10.2007
4.
Zitat von kellitomAuf dem Weg zu Unternehmen sinkt das Niveau deutscher Universitäten kontinuierlich auf Aldiniveau. Master und Bachelor statt Diplom sind Ausdruck dieses Niedergangs. Durch die Studiengebühren abgeschreckt, sinkt auch die Zahl der Studierenden. Geisteswissenschaften werden völlig vernachlässigt, das Einzige, was zählt, ist die Marktreife der Unis. Dieses beschränkte betriebswirtschaftliche Denken vieler Unileitungen ist Folge der neoliberalen Privatisierungswelle, die immer mehr Menschen in die Armut treibt und statt einer transparenten Demokratie eine Diktatur des Kapitals implantiert. Deutschlands Aldisierung auf allen Gebieten macht das Land der Dichter und Denker zum Land der Henker geistiger Werte.
Nunja, die Möglichkeit nach drei+ Jahren einen anerkannten Hochschulabschluss zu haben der einer Basisausbildung auf akademischem Niveau entspricht, finde ich nicht schlecht. Aber da wird es immer Menschen geben die der Meinung sind: "Mein Diplom ist das einzig Wahre, alles andere ist neumodischer Kram". Viel interessanter ist doch das Geschrei in Bezug auf mangelnde "hochqualifizierte" Fachkräfte und Hochschulabsolventen. Diese seien das Kapital Deutschlands. Und was wird getan diesem Problem entgegenzusteuern? Es werden Studiengebühren eingeführt. Das ist einfach nur grotesk. Da hat jemand die einfachsten ökonomischen Zusammenhänge verstanden... Mit der Einführung der Studiengebühren wurden sämtliche (betroffenen) Hochschulen zu "Elite"-Unis. Es können nämlich nur noch die hingehen die es sich leisten können.
bekennerschraiben, 19.10.2007
5. wir brauchen keine "elite" unis
Zitat von sysopWieder streiten deutsche Hochschulen um den begehrten Titel Elite-Uni. Wie gut sind die deutschen Universitäten? Wie wettbewerbsfähig sind sie im internationalen Vergleich?
1) sondern einen grossen besen, der den altbackenen und arroganten muff aus deutschen unis rausfegt - wir brauchen nicht nur leistungsfaehige, sondern auch leistungswillige professoren, und nicht etwa standardformate 2) eine deutsche jugend, welche in bildung eine chance und in leistung ein stueck lebensqualitaet sieht - wir brauchen nicht nur leistungsfaehige, sondern auch leistungswillige studenten, und nicht etwa standardformate
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