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Studenten auf Wohnungssuche: Absurde Unterkünfte

Foto: Basecamp Bonn

Ungewöhnliche Studentenwohnungen Wer hilft, wohnt billiger

300 oder sogar 400 Euro für ein Zimmer? Viel zu teuer, finden viele Studenten. Sie suchen nach preiswertem Wohnraum. Und stoßen auf ungewöhnliche Angebote: ausrangierte Eisenbahnwaggons, Altenheime, Problemstadtteile.

Erst kam der Zulassungsbescheid, dann ging das Suchen los: Vor ein paar Tagen hatte Noam, 19, die ersehnte Nachricht bekommen. Der Abiturient hatte sich an der Uni Düsseldorf für das Fach Sozialwissenschaften beworben - und jetzt die Zusage in der Tasche. "Seitdem suche ich nach einem bezahlbaren Zimmer", sagt der 19-Jährige. Und das ist gar nicht so leicht.

"Unter 300 Euro gibt's gar nichts, nicht mal in den Stadtteilen, von denen in allen Foren dringend abgeraten wird", sagt Noam, "das ist richtig krass. Ich habe da schon 15-Quadratmeter-Zimmer gesehen, die für 350 Euro und mehr angeboten wurden." So viel Geld aber kann und will er nicht ausgeben: "Das ist einfach viel zu viel."

Ansturm auf die Wohnheim-Wartelisten

Seitdem die Hochschulen seit Anfang August ihre Zulassungsbescheide für das Wintersemester verschicken, suchen derzeit wieder bundesweit zehntausende Erstsemester eine neue Bleibe. Dass es erneut eng wird auf dem Wohnungsmarkt, merken die Studentenwerke vor Ort mit als erste.

"In Großstädten wie Berlin stehen schon tausende Interessenten auf den Wartelisten für Wohnheimzimmer", sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk. In München etwa liegt die Zahl der gemeldeten Interessenten für die insgesamt 11.000 Wohnheimplätze derzeit bei knapp 5000, berichtet Julia Wölfle vom dortigen Studentenwerk: "Das wird in den kommenden Wochen nochmal deutlich nach oben gehen."

Der dringende Bedarf an preiswerten Studentenunterkünften ist also da - und manchmal führt die Not zu kreativen und überraschenden Lösungen.

Notunterkunft im Schlafwagen

Eigentlich ist das Basecamp in Bonn ein Hostel, das mit seinen ungewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeiten wirbt. Die Gäste können hier in 16 Retro-Wohnwagen und zwei US-Airstreams übernachten, das Hostel präsentiert sich als "Indoor-Vintage-Fake-Campingplatz ". Wer will, kann auch in einem VW-Bus oder in einem Trabbi schlafen- oder in einem der beiden ausrangierten Schlafwagen der Bahn.

Wie schon im vergangenen Wintersemester haben das Hostel und die Universität Bonn auch für diesen Herbst eine Kooperation vereinbart: Das Basecamp stellt die beiden Waggons für Erstsemester zur Verfügung, die noch kein Zimmer gefunden haben. 80 Schlafplätze können genutzt werden, 70 Euro pro Woche kostet die ungewöhnliche Unterkunft inklusive Frühstück. Dauerhaft einziehen können die Studenten hier aber nicht: Die Aktion ist bis Ende Oktober befristet - in der Hoffnung, dass dann alle Schlafwagen-Bewohner eine richtige Unterkunft gefunden haben.

Singen mit Älteren

Pro Quadratmeter Wohnung eine Stunde Hilfe im Monat - das ist das Prinzip von "Wohnen für Hilfe", einem Zusammenschluss von bundesweit mittlerweile 26 Initiativen . Die setzen auf Wohnpartnerschaften zwischen Jung und Alt: Statt in Euro zahlen die studentischen Untermieter mit Hilfeleistungen. Die können ganz unterschiedlich aussehen: Haushalts- oder Gartenhilfe, Einkaufen oder gemeinsame Unternehmungen - Pflegedienstleistungen sind jedoch grundsätzlich ausgenommen.

Das gilt auch für ähnliche Projekte, bei denen Studenten direkt in Seniorenwohnheime einziehen. Angeboten wird das beispielsweise in Kiel und Saarbrücken. "Bei uns wohnen zur Zeit acht Studenten", sagt Uta Weber vom Kieler Seniorenpflegeheim Kurt-Engert-Haus. 216 Euro monatlich zahlen die Nachwuchsakademiker hier normalerweise an Miete - können die Summe aber durch regelmäßige Mitarbeit im Haus reduzieren.

WG-Platz im Problemviertel

Foto: Tausche Bildung für Wohnen / Mustafa Tazeoglu

Frei Wohnen gegen soziales Engagement - dieses Tauschangebot macht der Verein "Tausche Bildung für Wohnen " in Duisburg-Marxloh. In dem sozial schwachen Viertel können sechs Studenten einen Platz in einer Wohngemeinschaft erhalten, wenn sie im Gegenzug 20 Stunden im Monat bei sozialen Bildungsprojekten helfen. Sie sind dann als Paten im Stadtteil unterwegs, um die Bildungschancen der dort wohnenden Kinder zu verbessern.

"In erster Linie handelt es sich dabei um Nachhilfe für die Kinder aus Marxloh", sagt Mustafa Tazeoglu, der die Idee für das Projekt zusammen mit Christine Bleks entwickelt hat und dafür auch schon ausgezeichnet wurde. Die ersten WG-Zimmer sind mittlerweile belegt, Anfang Oktober beginnt der regelmäßige Nachhilfe-Unterricht - und für die Paten parallel dazu auch das Wintersemester.

Leseraufruf
Foto: Marijan Murat/ dpa

Gesucht: Studenten auf Wohnungssuche. Schimmelnde Kühlschränke, durchgeknallte Mitbewohner, fensterlose WG-Zimmer -Leseraufruf: Wohnungssuche von Euren schlimmsten Erfahrungen. Die Einsendung berechtigt zur anonymen Veröffentlichung.