Wohnraumnot in Hochschulstädten  Hier warten Studierende am längsten auf ein Zimmer im Wohnheim

Zum Semesterbeginn hoffen wieder Zehntausende Studierende auf einem Platz im Wohnheim. Neue Zahlen zeigen, wo die meisten Studierenden warten.

Wohnung gesucht: Schwarzes Brett der Berliner Humboldt-Universität
Ulrich Baumgarten/ picture alliance/ DPA

Wohnung gesucht: Schwarzes Brett der Berliner Humboldt-Universität

Von Franca Quecke


Erstes Semester, neue Stadt - keine Wohnung. Wie auch in den vergangenen Jahren steigt zu Beginn des Wintersemesters die Wohnungsnot für Studierende: Allein in den sechs Hochschulstädten mit den längsten Wartelisten hoffen derzeit 25.600 Studierende auf einen Platz im Wohnheim, zeigen bisher unveröffentlichte Zahlen des Deutschen Studentenwerks (DSW).

In München ist die Lage am dramatischsten: Zum Start des Wintersemesters hoffen 12.000 Studierende auf einen Platz im Wohnheim - vor gut einem Jahr waren es noch rund 11.200. Dahinter folgen Berlin, Stuttgart und Hamburg.

Um auf die Wartelisten zu kommen, müssen Bewerber nachweisen, dass sie an der jeweiligen Hochschule eingeschrieben sind. Nach Angaben des DSW bieten 57 Studenten- und Studierendenwerke bundesweit rund 194.000 Wohnheimplätze für Studierende. In der Regel wohnen sie dort auf 18 bis 25 Quadratmetern.

"Preisgünstiger, bezahlbarer Wohnraum für Studierende ist dramatisch knapp geworden", sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks. Derzeit würde die Zahl der staatlich geförderten Wohnheim-Kapazitäten nicht einmal mehr für zehn Prozent der Studierenden ausreichen.

München: Chance auf Wohnheimplatz höher, als es aussieht

Auf den Wartelisten stehen allerdings auch Bewerber aus früheren Semestern, betont das Studentenwerk in München. Das heißt: Nicht alle Studierenden, die aktuell noch auf der Liste stehen, suchen tatsächlich noch nach einem Zimmer.

"Die Erfahrung zeigt, dass die Studierenden, die schon länger auf der Warteliste stehen, also vordere Plätze belegen, Angebote häufig ablehnen, weil sie zwischenzeitlich eine Bleibe gefunden haben", so das Studentenwerk.

Innerhalb eines Jahres könnten in der Regel rund 6000 Studierende in Münchner Wohnheime einziehen - also rund die Hälfte derer, die aktuell noch auf der Warteliste stehen. Dementsprechend würden aktuelle Bewerber eher eine Chance bekommen, als es die reine Zahl vermuten lasse.

Forderung: 25.000 zusätzliche Wohnheimplätze

Die Daten des Studentenwerks passen zu den Ergebnissen des Studentenwohnreports 2019, der vor kurzem veröffentlicht wurde. Demnach müssen Münchener Studierende für eine 30-Quadratmeter-Wohnung durchschnittlich 717 Euro warm zahlen - die höchsten Mieten im bundesweiten Vergleich. Sowohl in München als auch in Frankfurt am Main, Darmstadt, Berlin und Konstanz stiegen die Mieten im vergangenen Jahr um mindestens sechs Prozent an, so die Studie.

"Selbst wenn die Studierendenzahl in den kommenden Jahrzehnten sinken sollte, ist mittel- und langfristig nicht mit einer Entspannung der Wohnungsmärkte zu rechnen," sagt Meyer auf der Heyde. Dementsprechend fordert das DSW von Bund und Ländern, Mittel für soziale Wohnraumförderung auch für den Erhalt und den Bau von Studierendenwohnheimen einzusetzen - und konkreter: bundesweit mindestens 25.000 zusätzliche Wohnheimplätze.

Mehr Geld für den Wohnheimbau fordert auch der Freie Zusammenschluss von Studentinnenschaften (fzs). Und: Eine weitere und regelmäßige Bafög-Erhöhung. Denn an der aktuellen Wohnungsnot hätte auch die Bafög-Reform vor wenigen Monaten wenig geändert: "Der dort vorgesehene Betrag für das Wohnen liegt gerade einmal bei 325 Euro. Damit kann man in vielen Städten nicht mal ein kleines WG-Zimmer bezahlen", so Leonie Ackermann, Vorstandsmitglied im fzs.

Wohnungsnot bei Studierenden
    Und jetzt sind Sie dran: Stehen Sie momentan auch auf der Warteliste, rutschen aber nicht nach? Pendeln Sie täglich mehrere Stunden mit dem Zug oder dem Auto, weil Sie vor Semesterbeginn kein Zimmer mehr gefunden haben? Wo wohnen Sie, wohin müssen Sie? Bei wie vielen Wohnungen und Zimmern haben Sie sich schon beworben und trotzdem immer eine Absage erhalten? Schreiben Sie uns eine E-Mail.


insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
curiosus_ 22.10.2019
1. Und wo...
..warten die Studierenden nun am längsten? Nichts dazu im Artikel. Die reine Anzahl der Wartenden gibt darüber keine Auskunft.
dennis.schroeder1 22.10.2019
2. Reine Anzahl unsinnig
Finde ebenfalls die reine Anzahl unsinnig. München ist viel größer wie z.B die studentenstadt Oldenburg. Logisch, dass dort mehr warten. Aufgrund der Größe der Stadt, gibt es auch mehr Wohnungen.
eunegin 22.10.2019
3. alles relativ...
Ohne Verhältnis von Plätzen, Suchenden und Studierenden (ggfs. Erstsemestern) macht das nicht allzu viel Sinn.
MisterD 22.10.2019
4. In gewisser Weise ist es mir unverständlich...
warum alle Studienanfänger in die Hochburgen stürmen und sich dann darüber wundern/beschweren, dass man keine Zimmer kriegt (und die Hörsäle zu voll sind und es zu wenig Seminarplätze gibt, und und und...)... Die deutsche Hochschullandschaft ist, im Vergleich zu den USA oder Großbritannien, sehr homogen. Ob ich an der Uni Greifswald, Uni Duisburg-Essen, der TUM oder der RWTH studiert habe, entscheidet nicht über meine Karriere. Insofern ist man einfach selbst Schuld, wenn sich München antut, während man in Greifswald 10 Semester studieren kann, während das Geld in München nur für 2 Semester gereicht hätte...
blauclaude 22.10.2019
5. Studenten
Ja, dieser Begriff ist doch seit links/ grün/ divers etc völlig weg vom Fenster. Warum darf München hier derartig schreckliche Begriffe weiter verwenden? Ich würde den Rektor abnahmen, eine angemessene Diskussionsrunde aufsetzen - politisch so fein, einseitig und ASTA konform wie sich HH und Göttingen verhalten. Dann kann aus München ja was werden - komisch, die sind im jeden Ranking in jedem relevanten Fach - MINT, Jura, BWL etc unter den top 3. nur nicht bei den IMM Fächern. Da ist Berlin weit vorne (Irgendwas Mit Medien). Die Linken an den Unis sind eine Qual und Belästigung - Lautstärke einer aktivistischen Minderheit prägen die Unis. Zum ....
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