Feuerwehr als WG-Vermieter Tatütata, der Bachelor ist da

WG-Zimmer an mutige Brandbekämpfer zu vergeben: Die Freiwillige Feuerwehr in Wuppertal löst ihr Nachwuchsproblem nach dem Prinzip Studentenverbindung. Sie bietet Wohnungssuchenden eine günstige Bleibe - wenn die sich am Löschzug beteiligen.

Feuerwehreinsatz in Oberhausen (Archivbild): Mit frischen Ideen neue Feuerwehrleute finden
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Feuerwehreinsatz in Oberhausen (Archivbild): Mit frischen Ideen neue Feuerwehrleute finden


Gleich neben dem Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr in Wuppertal-Ronsdorf haben Löschzug-Mitglieder ein Haus gekauft - nicht für Einsatzfahrzeuge, Drehleiter, Wasserschläuche oder Atemmasken, sondern für Studenten.

Die Brandbekämpfer möchten sie dort in eine WG locken und werben bereits an der Uni mit einem leicht holprig formulierten Plakat: "KEINE Studentenheim-Atmosphäre im riesen Betonblock", preist die Feuerwehr darauf die 140-Quadratmeter-Bude an, "bei uns wohnt Ihr mitten im schönen Ronsdorf, in einem eigenen, voll möblierten, denkmalgeschützten Fachwerkhaus!"

Für 225 Euro plus Nebenkosten gibt es außerdem einen Kaminofen und eine fertig eingerichtete Küche inklusive Spülmaschine. Der Haken? Steht ganz am Schluss: "Das Mietverhältnis setzt eine engagierte und aktive Mitgliedschaft im Löschzug voraus."

Zusammen kochen, zusammen löschen

Ein günstiges Zimmer gegen treue Mitarbeit im Verein - ganz neu ist dieses Prinzip nicht. Burschenschaften nutzen seit jeher die Engpässe auf dem Wohnungsmarkt, um sich mit preiswerten Studentenzimmern in noblen Gründerzeit-Villen attraktiv zu machen.

Für die Freiwillige Feuerwehr in Wuppertal geht es aber nicht allein um Nachwuchswerbung. Sie setzt außerdem auf den logistischen Vorteil ihres Projekts: Brandlöscher, die direkt neben dem Gerätehaus wohnen, sind schneller einsetzbar. Aus dem Studenten-Bett ins Löschfahrzeug sozusagen - Feuerwehrleiter Ulrich Zander rechnet es in der in der "Stadtzeitung Wuppertal" vor: "Durch die Nähe bedeutet das beim Ausrücken einen Zeitgewinn von zwei bis drei Minuten." Das könne bei einem Brand von entscheidender Bedeutung sein.

Ein Student ist bereits in die Feuerwehr-WG eingezogen. Bis zum Beginn des Wintersemester sollen auch die anderen drei Plätze besetzt sein - nach Wunsch der Feuerwehr am liebsten mit Studenten des Fachs Sicherheitstechnik. Aber auch alle anderen Fachrichtungen, sagen die Brandschützer, sind willkommen.

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Ratgeber fürs Zusammenwohnen: Was nun, Herr WG-Psychologe?

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
ftester 07.08.2015
1. Coole
Idee, bei uns müssen Mitarbeiter der Kommune automatisch auch in der FFw sein, Schön das es solche "verwegenen" Ideen gibt um den Dienst am Allgemeinwohl aufrecht zu erhalten! Wenn die Jungs im roten Auto 2min zu spät kommen mault auch ein Jeder...
Alfred Ahrens 07.08.2015
2. Super Idee, das Beispiel sollte Schule machen, nicht nur in Wuppertal !
Da gibt es sicher so viele Möglichkeiten und der engagierte Dienst am Gemeindeleben wird nicht nur eine Bereicherung für den Moment sondern für ein Leben miteinander sein. Ganz tolle Sache ! Werden wir hier in Bochum auch andenken ! Vielen Dank an die Wupper !
bernd.stromberg 07.08.2015
3.
Zitat von ftesterIdee, bei uns müssen Mitarbeiter der Kommune automatisch auch in der FFw sein, Schön das es solche "verwegenen" Ideen gibt um den Dienst am Allgemeinwohl aufrecht zu erhalten! Wenn die Jungs im roten Auto 2min zu spät kommen mault auch ein Jeder...
Der Zweck ist natürlich ein Guter, mir stellt sich jedoch die Frage ob er erfüllt wird. Ich meine kann es im Interesse der Menschen sein wenn jemand uninteressiertes oder unqualifiziertes zu der Tätigkeit gedrängt wird? Besteht nicht die Gefahr dass jemand mit Höhenangst auf die Leiter steigen soll, und dann zögert? Oder dass jemand, der vielleicht körperlich gar nicht in der Lage ist, seinen Dienst bei der FFW ableistet? Ich denke das kann nicht im Interesse der Gesellschaft sein. Lieber sollte die Freiwillige Feuerwehr in der Öffentlichkeit mehr Anerkennung und Unterstützung erfahren. Und das geschieht sicher nicht in dem man unfähige oder missmutige Kräfte quasi zwangsrekrutiert...
sequoiadendrongiganteum 08.08.2015
4.
Studenten sind super geeignet für die Feuerwehr, denn den "Brand" löschen lernen die am ersten Abend in der nächsten Studentenkneipe. Die Grundausbildung folgt irgendwann später, ist aber auch nicht so wichtig.
jozov 08.08.2015
5.
Und das gar nicht ueberraschend, hat doch die Uni Wuppertal einen eigenen Studiengang "Feuerwehr"
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