Sexuelle Belästigung in Yale Darum klagen drei Studentinnen gegen die Eliteuni

Herrscht auf dem Campus der Eliteuni Yale ein frauenfeindliches Klima? Hier spricht eine Studentin über Grapsch-Attacken auf Partys - und warum sie mit zwei Mitstreiterinnen gegen die US-Hochschule vorgeht.

Die drei Klägerinnen: Anna McNeil, Ellie Singer, Ry Walker
Ian Christmann Photography

Die drei Klägerinnen: Anna McNeil, Ellie Singer, Ry Walker

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Sie fühlen sich auf dem Campus sexuell belästigt und diskriminiert: Ellie Singer und zwei weitere Studentinnen, Anna McNeil und Ry Walker, haben deshalb Klage gegen die Eliteuniversität Yale und neun rein männliche Studentenverbindungen eingereicht.

Die jungen Frauen werfen der Uni und den Männerbünden vor, dass sie ein für Frauen gefährliches Umfeld auf dem Campus befördern, weil es dort immer wieder zu sexueller Belästigung kommt. Zudem würden Frauen durch die Männerbünde später beruflich diskriminiert.

Die drei Studentinnen wollen deshalb durchsetzen, dass etwas gegen das frauenfeindliche Klima auf dem Campus unternommen wird - und die Verbindungen künftig auch Frauen aufnehmen müssen.

Einige der Männerbünde haben laut einem Bericht des Senders CBS dagegen protestiert - etwa mit Plakaten mit der Aufschrift: 'Wir lieben Yale-Schlampen". Andere Männer sollen "Nein heißt Ja" auf dem Campus skandiert haben, wieder andere sollen schwarze Studentinnen diskriminiert haben, wie CBS berichtet. Die Männer mussten sich dem Bericht zufolge bei der Unileitung dafür verantworten.

Die Yale-Universität teilte laut dem CBS-Bericht jedoch mit, dass sie die Klage der Studentinnen nicht kommentiere. Aber: Alle Studenten, die sexuell übergriffig werden, müssten mit Konsequenzen rechnen. Ein Anwalt der Männerverbindungen sagte laut dem Sender, die Vorwürfe seien "haltlos und unbegründet". Eine der klagenden Studentinnen erzählt, warum sie das ganz anders sieht.

SPIEGEL ONLINE: Was stört Sie an den Männerverbindungen auf dem Campus?

Singer: Diese Verbindungen organisieren viele Studentenpartys, und dort merkst du vom ersten Moment an, dass Männer das Sagen haben. Ihnen gehört das Haus, in dem die Party stattfindet. Sie bestimmen über den Alkohol, und es herrscht oft eine sehr frauenfeindliche Stimmung.

SPIEGEL ONLINE: Woran machen Sie das fest?

Singer: Das fängt schon an der Tür an. Ein Mann steht am Einlass, mustert dich von oben bis unten und entscheidet aufgrund deines Aussehens, ob du hineindarfst oder nicht. Ich kenne viele Studentinnen, die bei solchen Partys sehr unangenehme Erfahrungen gemacht haben. Da wurde etwa der Rock hochgehoben oder das Kleid heruntergezogen. Männer beleidigen Frauen oder reiben sich an ihnen. So etwas kommt bei solchen Partys andauernd vor.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie selbst auch solche Erlebnisse?

Singer: Die beiden anderen Klägerinnen und ich, wir sind alle drei schon betatscht, bedrängt, sexuell belästigt worden. Mich hat mal ein Mann von hinten umklammert und an sich gezogen. Ich kannte den gar nicht und habe deutlich Nein gesagt. Auch mein zweites Nein hat er ignoriert. Erst als ich ihn von mir weggestoßen habe, hat er von mir abgelassen. Ich habe mich sehr unwohl und unsicher gefühlt. Es war das letzte Mal, dass ich bei so einer Party war.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat die Unileitung reagiert?

Singer: Sie hat unsere Sorgen nicht besonders ernst genommen. Uns hat niemand richtig zugehört. Es scheint eine Art Konsens in Yale zu geben, dass diese Männerbünde nicht angerührt werden dürfen. Deshalb blieb uns nichts anderes übrig, als juristische Schritte einzuleiten.

SPIEGEL ONLINE: Was wollen Sie mit Ihrer Klage erreichen?

Singer: Wir wollen erreichen, dass Frauen als vollwertige Mitglieder aufgenommen werden, dass sie in den Häusern der Verbindungen leben und von deren Netzwerken profitieren können. Das scheint uns Erfolg versprechender, als die Verbindungen zu verbieten. Sollte unsere Klage Erfolg haben, sind wir vermutlich schon mit unserem Studium fertig. Aber dann haben wir für die nächste Generation ein wichtiges Ziel erreicht.

SPIEGEL ONLINE: Wieso besuchen Frauen überhaupt diese Partys?

Singer: Es gibt natürlich auch andere Zusammenkünfte, aber die Männerverbindungen bestimmen das Campus-Leben sehr. Anfangs wusste ich nicht so richtig, wo ich sonst hingehen könnte, um Leute kennenzulernen.

SPIEGEL ONLINE: Warum gründen Frauen nicht ihre eigenen Netzwerke?

Singer: Es gibt auch weibliche Verbindungen, die versuchen, Frauen zu fördern. Allerdings sind diese Netzwerke längst nicht so mächtig und einflussreich wie die alten, männlichen Seilschaften. Diese verfügen über extrem einflussreiche Netzwerke, die bis ins Weiße Haus gehen. Männer werden nach ihrem Abschluss zum Beispiel oft zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, weil sie über Kontakte verfügen. Es fängt also schon sehr früh an, dass Männer sich gegenseitig zu wichtigen Positionen verhelfen. Frauen bleiben außen vor.



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