Zeppelin-Uni Präsident Jansen kündigt Rückzug an

Der Präsident der Zeppelin-Uni, Stephan Jansen, ist als erfolgreicher Querkopf bekannt, der Zahlenschubser und Karrieristen ablehnt. Zehn Jahre prägte er die private Universität am Bodensee - nun hat Pionier Jansen überraschend seinen Rücktritt angekündigt.

Zeppelin-Präsident Jansen: Erfolgreich und eigen
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Zeppelin-Präsident Jansen: Erfolgreich und eigen


Gemeinsam mit zwei weiteren langjährigen Mitgliedern des Präsidiums der Zeppelin Universität (ZU), Katja Völcker und Tim Göbel, wird Stephan Jansen im Jahr 2015 sein Amt niederlegen. Dies hatten die drei am Montag in einer Sitzung des ZU-Stiftungsrates überraschend angekündigt. Anfang Dezember war bereits der Vorstandsvorsitzende der Stiftung zurückgetreten.

Stephan Jansen ist dienstältester Leiter einer Privatuniversität in Deutschland und prägte das Bild der ZU. Der 42-Jährige gilt als Querdenker, Überflieger und risikofreudiger Unternehmer. Die Zeppelin Universität, an der man Wirtschaft, Politik und Kultur studieren kann, führt er mit Erfolg: Während viele private Hochschulen ums Überleben bangen, hält sich die ZU stabil, auch dank hoher Studiengebühren und dem Vermögen der Zeppelin Stiftung.

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Jansen hat seinen Rücktritt für den Zeitpunkt angekündigt, an dem der Erweiterungsbau der ZU eröffnet werden soll. "Die Universität hat mit der Eröffnung des Neubaus und insgesamt 3000 Studenten und Alumni die Reiseflughöhe erreicht", sagt Jansen. Trotzdem gebe es noch einige Herausforderungen, etwa auf internationaler Ebene oder bei der Digitalisierung der Lehre.

Ganz eigene Philosophie

Jansen nannte persönliche und private Gründe für seinen Rücktritt. "Ich möchte eine Person bleiben dürfen und nicht zur Institution werden müssen", beschreibt er seine Motivation. Er habe einen Ruf an die Stanford University erhalten, sich außerdem Forschungs- und Buchprojekten widmen. Sein Lehrstuhl für Strategische Organisation und Finanzierung soll währenddessen nicht ruhen: "Ruhen ist für mich sowohl als Präsident wie als Professor eine ungewöhnliche Vokabel." Außerdem wolle er eine Familie gründen. "Als jüngster Uni-Präsident Deutschlands sollte ich nicht ältester Familienvater werden", so Jansen.

Wer als Präsident folgen wird, ist noch unklar. Eine Suchkommission wird einen Nachfolger vorschlagen, Jansen selbst wird sich aus diesem Vorgang heraushalten. "Es wäre phantastisch, wenn es eine Frau werden würde", sagt Jansen über seine Nachfolge, "vielleicht auch jemand aus dem internationalen Umfeld."

Was Karriere und Erfolg betrifft, vertritt Jansen eine eigene Philosophie. "Das Scheitern, die Katastrophe, die Krise ist Normalität", findet er. Wichtig sei nicht beruflicher Erfolg, der in Gehaltsstufen und untergeordneten Mitarbeitern gemessen wird. Er wolle den Studenten andere Werte beibringen, etwa die Resilienzfähigkeit, das Wiederaufstehen nach dem Scheitern, eine Kultur der zweiten Chance. Jansen will kluge Top-Entscheider formen, sagt er, keine streberhafte Elite.

Auch für seine Auswahlgespräche war Jansen berüchtigt. Regelmäßig nahm er Bewerber ins Kreuzverhör und stellte unangenehme Fragen wie "Sind Sie eigentlich ein Nerd?" oder "Finden Sie Hierarchien gut?". Knifflige Aufgaben, sonderbare Prüfer - das Auswahlverfahren in Friedrichshafen gilt als hart und skurril.


cpa

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pumpernickl1811 19.02.2014
1. hört sich gut an, der Mann.
selten, dass Querdenker in solchen Positionen sind. Veränderung und Erneuerung beleben, bereichern und stärken Systeme. Sowie die unendlichen Mutationen in der Natur ...
Celestine 19.02.2014
2. "Die kaputte Elite"
Es gibt noch mehr Querdenker, hier ein ausgezeichnetes Interview mit Benedikt Herles, dem Autor des Buches "Die kaputte Elite - Ein Schadensbericht aus unseren Chefetagen". http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/nachtlinie/nachtlinie-136.html Herr Herles nennt sich einen "promovierten Kapitalisten" und beschreibt den Unterschied zwischen den Eliteschmieden und der Zeppelin-Uni, welche er im Interview lobend erwähnt. Vor den 80er Jahren wurden Wirtschaftswissenschaften sogar in Harvard noch wie Geisteswissenschaften gelehrt. Die Chicago Schule war den Amerikanern zu sozial ungerecht und wurde nur in Südamerika eingesetzt, wo man darauf einwirkte, die Wirtschaft zu liberalisieren, damit die amerikanischen Konzerne einen leichten Zugang und optimale Bedingungen vorfanden. Zu meiner Zeit waren Bücher von Aldous Huxley und George Orwell Pflichtlektüre. Adam Smith galt als Anachronismus, welcher in der ersten Vorlesung als veraltet schnell behandelt wurde. Die Lehren der Chicago Schule galten als keine Wissenschaft. BWL fokussierte auf langfristige Ziele, wobei nicht nur shareholder value zählte sondern Zufriedenheit der Beschäftigten, der Kunden und den Lieferanten. Gut, dass es junge Ökonomen gibt, die den Irrweg in die graue Vergangenheit der Chicago Schule als einen Fehler betrachten und sich in der Ökonomie mehr Würdigung von Querdenken, Mut zu Innovationen, Humanität und Fairness wünschen.
redbayer 19.02.2014
3. Sehr sympatisch, dieser Jansen
zumindest die veröffentlichten Gründe für seinen Wechsel sind gut nachvollziehbar. Was soll er in Deutschland auch noch werden? Erfolgreiche mag man hier nicht. Da trifft es sich gut, wenn Stanford ihm eine Stelle gibt, die wissen solche Kaliber besser zu schätzen.
quanik 19.02.2014
4. witzig...
was für einen guten Ruf die ZU in der Öffentlichkeit genießt. In Friedrichshafen selbst ist dieser Dank einiger sehr blöden Aktionen und dem arroganten Auftreten schon länger nicht mehr der beste. Es gibt nicht wenige die sich ein Leben ohne die ZU wünschen würden. Auch die Zahlung der Stiftungsgelder ist mehr als fraglich...
lyrasaturn 20.02.2014
5. Quanik
Das ist wieder eial nur blödes Geschwätz ! Neid und Missgunst . Mit den stiftungsgeldern der ZU - das ist absolut transparent und der Jansen ist ein Unikat , jemand der Stolz auf das sehen kann was er gemacht hat . Solche Menschen braucht das Land . Er ist nicht arrogant . Ich werde wütend wenn ich solche undifferenzierten Beiträge lese von jemanden der keine Ahnung hat und vermutlich nur das Geschwätz der Ehefrau des Bruders , deren Tante und deren Nachbarn sein Wissen erlangt . Ich wünsche Jansen und Katja alles gute !
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