Zinsen für Studienkredite Schavan pfeift KfW zurück

Das ging flott: Weil sich das Bundesbildungsministerium einschaltete, steigen die Zinsen für Studienkredite etwas geringer als geplant - auf 6,5 statt 7 Prozent. Die KfW-Förderbank sieht sich zu diesem Schritt von der Regierung gezwungen und befürchtet Einbußen.

Die erst vor zwei Wochen drastisch angehobenen Zinsen für staatliche Studienkredite sollen sich etwas weniger stark verteuern als bislang vorgesehen. Am Donnerstag habe sich das Bundesbildungsministerium mit der Förderbank der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auf 6,5 Prozent rückwirkend zum 1. Oktober verständigt, sagte Ministerin Annette Schavan (CDU) im Bundestag.

Anfang des Monats war der Zinssatz von 6,29 Prozent auf 7 Prozent gestiegen. Schavan hatte dies in einem Zeitungsinterview als "abschreckend" kritisiert und angekündigt, mit der Förderbank über den Zinssatz sprechen zu wollen.

Tatsächlich wird der Zinssatz mit der Entscheidung vom Donnerstag nicht etwa reduziert - er steigt nur weniger stark an, als es die KfW beschlossen hatte. Sowohl das Ministerium als auch die Bank bestätigten die rückwirkende geringere Erhöhung des Zinssatzes für Studienkredite auf 6,5 Prozent. Bei der Einführung des Kredits im April 2006 lag der Zinssatz noch bei 5,1 Prozent. Mit der Anhebung der Zinsen auf sieben Prozent hätten sich Studienkredite um bis zu 4500 Euro gegenüber dem Start des Angebots verteuert. Der Zinsschritt betrifft nach aktuellen KfW-Angaben 44.700 Studenten.

Kai Gehring, bildungspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, forderte von der Bundesregierung, nun auch die Obergrenze der Studienkreditzinsen abzusenken. Dieser Satz liegt aktuell bei 9,2 Prozent und gibt an, mit welchem Zins studentische Kreditnehmer maximal rechnen müssen, wenn sie einen Studienkredit bei der KfW abschließen.

Schavan will Kredite zur Studienfinanzierung zusammenlegen

Die KfW bestritt, dass der drastische Zinsschritt von zunächst 0,81 Prozentpunkten am 1. Oktober mit Management-Fehlern und dem 350-Millionen-Euro-Verlust der Bank durch eine Überweisung an eine US-Investmentbank Lehman Brothers in Zusammenhang steht.

Das jetzige Vorgehen der teilweise Rücknahme eines Zinsschritts "entspricht nicht dem ursprünglichen Konzept", sagte KfW-Sprecher Wolfram Schweickhardt. Der Zinssatz sei jetzt nicht mehr an den Euribor gekoppelt, also an den Zins, zu dem sich europäische Banken gegenseitig Geld leihen. "Das geht mit noch nicht bezifferbaren Einbußen für die Bank einher", sagte Schweickhardt. Der Zinssatz von 6,5 Prozent gelte bis 1. April 2009.

Schavan hält trotz der Zinsunsicherheit am Studium auf Pump fest. Sie betonte, Studienkredite sollten auch in Zukunft ein attraktives Angebot bleiben. Deshalb strebt die Ministerin künftig auch "strukturelle Veränderungen" an. So sollten sämtliche Kredite für Studenten - darunter etwa das Bafög-Bankdarlehen - zusammengefasst werden. Ziel sei eine dauerhafte Obergrenze für die Zinsbelastung. Bei der Rückzahlung sollten zudem individuelle Leistungen berücksichtigt werden.

cht/ddp/dpa

Mehr lesen über Verwandte Artikel