Zitat des Tages Altkanzler Schmidt onkelt gegen das Bummelstudium

Kurz vor seinem 90. Geburtstag stichelt und ledert Helmut Schmidt in alle Richtungen - und nimmt auch die "skandalöse Studiendauer" an Deutschlands Unis aufs Korn. Schuld daran seien unfähige Professoren, sagte der frühere Bundeskanzler im Gespräch mit Abiturienten.

"Wenn Sie sich aber für einen Beruf oder eine Ausbildung entschieden haben, dann sollten Sie Ihren Weg mit Ernst und mit Fleiß beschreiten, statt endlos herumzustudieren. Die durchschnittliche Studiendauer an deutschen Universitäten ist skandalös; sie ist viel zu lang. Und das geht nicht auf Kosten der Studenten, sondern auf Kosten anderer, in vielen Fällen auf Kosten der Eltern. Einer der Gründe für diese lange Studienzeit ist die Unfähigkeit deutscher Professoren, ihre eigenen Universitäten betriebswirtschaftlich vernünftig zu organisieren."

Altkanzler Helmut Schmidt im Gespräch mit 15 Abiturienten in einer "Zeit"-Beilage - die Hamburger Wochenzeitung hatte ihrem Mitherausgeber ein 48-seitiges Extra gewidmet, weil er am 23. Dezember seinen 90. Geburtstag feiert.

Was Schmidt über die inzwischen auf mehr Effizienz getrimmten Hochschulen weiß, etwa über die Umstellung auf Bachelor und Master, kam nicht zur Sprache. Dafür gab er, harzig und knarzig wie immer, den Ahrensburger Schülern auch allerlei Lebensweisheiten und Ratschläge mit auf den Weg. So entgegnete er auf die Frage, ob denn ein Jahr im Ausland nach dem Abi auch Zeitverschwendung sei:

"Natürlich geht der Beruf vor! Aber es gibt doch wohl Semesterferien. Was machen Sie eigentlich da? Reisen Sie gefälligst in der Welt herum! Und nicht nach Las Palmas oder ans Mittelmeer oder wo es sonst schöne Strände gibt. Reisen Sie in Länder, in denen man sich umsehen und etwas lernen kann!"

Am Ende des eineinhalbstündigen Gesprächs sagt der frühere Bundeskanzler, die Titulierung "Schmidt-Schnauze" habe ihn nie geärgert:

"Ich habe das immer als die Anerkennung meiner rhetorischen Fähigkeiten verstanden."

jol
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